Sarrazin teilt aus

Familienplanung als lukratives Geschäft

Der neue Vorstand der Bundesbank, Thilo Sarrazin, lässt kein gutes Haar am deutschen Renten- und Sozialsystem. Vor allem das Kinderkriegen sollte nicht finanziell lukrativ gemacht werden.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Herr Sarrazin machte bereits als Berliner Finanzsenator mit seinen provokativen Sprüchen von sich Reden.
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist immer für einen Spruch gut - und Fettnäpfchen lässt er dabei bekanntlich nur selten aus. Bei einem Besuch ...
... der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer in den Abruzzen stellte er fest: Den in Zeltlagern untergebrachten Menschen fehle es an nichts. Sie hätten warmes Essen und medizinische Versorgung...
"Natürlich" sei ihre ihre Unterbringung "absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Campingwochenende".
Geht so die südländische Frohnatur mit einer Katastrophe um oder besitzt das Staatsoberhaupt einfach kein Taktgefühl? Die Italiener werden es einzuschätzen wissen, schließlich hat sich Berlusconi schon des öfteren verbale Entgleisungen geleistet: ...
... "Ich habe zu viel Respekt vor der Intelligenz der Italiener, um zu glauben, sie könnten solche Trottel ("coglioni") sein und gegen ihre eigenen Interessen stimmen." (Über die Anhänger der Opposition, Parlamentswahl April 2006, Italien)
"Nur Napoleon hat mehr getan als ich. Aber ich bin definitiv größer." (Februar 2006)
"Ich bin der Jesus Christus der Politik. Ich bin ein geduldiges Opfer, habe mich selbst für alle geopfert." (Februar 2006)
"Gehen Sie und lesen Sie im Schwarzbuch des Kommunismus und Sie werden sehen, dass im China Maos keine Babys gegessen wurden, aber gekocht, um damit die Felder zu düngen." (März 2006)
"Nicht einmal die Wirtschaft läuft wirklich schlecht. Von meiner Villa aus habe ich eine herrliche Panorama-Sicht, die auch dieses Jahr durch den Blick auf viele Yachten besticht ...
... Niemand kann mehr Mobiltelefone, mehr Autos, mehr Fernseher sein Eigen nennen als die Italiener. Wissen sie wie viele unserer Frauen sich Schönheitsoperationen leisten können?" (In einem Interview mit "La Stampa", August 2005)
"Mussolini hat nie jemanden getötet. Mussolini schickte Menschen in Lager in den Urlaub." (Juni 2005)
"Herr Schulz, ich weiß, dass ein Mann in Italien einen Film über Konzentrationslager der Nazis produziert. Ich würde sie gern für die Rolle eines Aufsehers vorschlagen. Sie wären perfekt." Berlusconi zum deutschen EU-Abgeordneten Martin Schulz ...
… der ihn während einer Debatte im EU-Parlament kritisierte, Juli 2003.
"Ich habe ein Segelboot, aber in den vergangenen zwei Jahren war ich nur einen Tag darauf. Und in meinem Haus ...
... auf den Bermudas war ich seit zwei oder drei Jahren nicht mehr ... Mein Leben hat sich verändert …
... Die Qualität ist schrecklich geworden. Was für ein brutaler Job." (In einem Interview mit der "New York Times", Mai 2003)
"Die Klügsten können sicherlich einen zweiten Job finden, vielleicht inoffiziell." (Aufforderung an entlassene Fiat-Arbeiter, sich Jobs auf dem Schwarzmarkt zu suchen)
"Manchmal funktionieren Tretboote gut. Keine der Leichen hat sich beschwert." (Auf die Frage, warum die Polizei Tretboote benutzen muss, um schiffbrüchige Immigranten vor der Küste zu bergen, September 2002)
Berlusconi hebt bei einer Gruppenaufnahme beim EU-Gipfel hinter dem Kopf des spanischen Außenministers Josep Pique zwei Finger und macht die in südlichen Ländern gebräuchliche Geste für einen betrogenen Ehemann. (Februar 2002)
"Vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich, aber vielleicht ist dieser hier noch ein bisschen gleicher als die anderen, angesichts der Tatsache ...
... dass ihm 50 Prozent der Italiener die Verantwortung übertrugen, ihr Land zu regieren." (Während eines gegen ihn gerichteten Korruptionsprozesses, Juni 2003)
Wie heisst es in seinem Wahlkampflied so schön? "Meno male che Silvio c'è" - Zum Glück gibt es Silvio. Immer gut für einen schrägen Spruch.
Helau, Alaaf und gute Stimmung! Es ist wieder soweit. Nicht nur der Mann und die Frau von der Straße, auch Politiker finden in der närrischen Zeit zu dem zurück, was sie gerne wären, wenn sie denn nicht schon Politiker wären.
So überraschte der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) die Gäste der Prunksitzung des fränkischen Fastnachtsverbandes mit einem Rollentausch. Er im Dirndl, Frau Marga in bayerischer Männertracht.
Scheint so, als hätte er die Hosen nicht nur in der Politik nicht mehr an. Selbstbewusst wie immer der amtierende Ministerpräsident Horst Seehofer: Mit Gardehut erinnert er an die legendären Musketiere. Fragt sich nur, wer seine treuen Begleiter sind?
Ist die Frau im Dirndl gar die geliebte Constance Bonacieux und Seehofer der D’Artagnan?
Wer weiß. Zum Fasching oder Karneval ist ja alles offen. Psychologisch gesehen heißt es: "Wenn Kinder in eine andere Rolle schlüpfen, schaffen sie sich ein Gegenwelt, in der sie großartig und autonom sind." Das erklärt vielleicht, ...
... warum Beckstein im vergangenen Jahr als Bavaria zum Fasching ging. Immerhin ist die Bavaria die weltliche Patronin Bayerns und verkörpert das Staatsgebilde des Freistaates, das zu dieser Zeit allerdings schon auf tönernen Füßen stand.
Erwin Huber sah sich seinerzeit als Zirkusdirektor. Einer Rolle, der er in den nächsten Wochen und Monaten nicht mehr gerecht werden konnte. Denn seinen politischen Zirkus hatte er definitiv nicht im Griff.
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (r) eilte mit seinem Kostüm im vergangenen Jahr den politischen Ereignissen voraus. Er ging als Clown.
Aber zurück zu den Wunschvorstellungen. Der Vorsitzende der bayerischen SPD-Landesgruppe, Florian Pronold, sieht sich also als Superman. Hier hat der Politiker nicht nur bei der Größe der Rolle, sondern auch bei der des Kostüms versagt.
Der Vorsitzende der CDU-Landesgruppe, Peter Ramsauer, sieht sich als Robin Hood? Robin Hood, der Rächer der Enterbten und Beschützer von Witwen und Waisen? Auch hier scheint das Selbstbild nicht ganz zu stimmen.
Der bayerische CSU-Fraktionsvorsitzende Georg Schmid kommt als Jäger. Fragt sich nur auf wen er zur Jagd blasen will?
Auch nicht schlecht: Der bayerische SPD-Fraktionsvorsitzende Franz Maget kommt als Chinese zur Party. Sieht ein bisschen aus wie Inspektor Sidney Wang in dem Film "Eine Leiche zum Dessert". Entspräche auch irgendwie seiner Rolle
Maget (r) als einer von fünf Detektiven, die einen Mord aufklären sollen. Na, wie dem auch sei. Vielleicht fühlt er sich ja auch nur zum Land der Mitte hingezogen.
Im vergangenen Jahr wuppte er den Laden noch als Captain Jack Sparrow aus "Fluch der Karibik". Schon damals war er anscheinend vergeblich auf der Suche nach dem Aztekenschatz.
Ist auch egal. Wichtig ist, dass man hier mal so richtig die Muskeln spielen lassen kann. Na wenn's politisch schon nicht so richtig klappt.
Eine ganz klare Vorstellung von seiner Rolle hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Als Sheriff kommt er dem was er ist ja wohl ganz nahe.
Als Sheriff scheut man auch nicht die Kraftprobe mit dem Eisbären, hier verkörpert vom bayerischen Umweltminister Markus Söder (r).
Apropos Eisbär. Zur Rettung der Umwelt hat er sich gleich noch eine Krankenschwester mitgebracht. Ja, na klar ist seine Frau Karin, aber da muss er sich nach den politischen Schlappen nicht selber die Wunden lecken und ...
... kann schon mal richtig die Krallen zeigen.
Noch ein bezeichnendes Kostüm. Der designierte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt schwebt als Flugkapitän ein. Wollen wir mal hoffen, dass er keine Bruchlandung hinlegt.
Und hier die bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer. Sie sieht sich in diesem Jahr als Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf. Immer bereit, die Welt der Erwachsenen auf den Kopf zu stellen.
Psychologisch interessant der Rollenwechsel zum letzten Jahr: Hier kam Haderthauer noch als General. Ui, eine Figur die so gar nicht zu Pippi passt - und zu Haderthauer bekanntlich ja auch nicht.
Als Günther Beckstein noch bayerischer Innenminister war, hatte er in seinen Kostümen immer eine klare Definition zu seiner politischen Rolle. 2006 kam er auf leisen Sohlen als Löwe zum Fasching und ...
... 2007 stand er als Ritter Günther im Saal. Bereit mit Schwert und Schild die bayerische Heimat zu verteidigen.
Eine völlige Fehlinterpretation seiner Rolle leistete sich Kurt Beck. Damals noch SPD-Bundesvorsitzender, ging er zur traditionellen Landtagsfastnacht als Hochzeitslader.
Zu welcher Ehe er wen auch immer nötigen wollte, die mit den Genossen kann es nicht gewesen sein.
Die machten vielmehr einen Märchenerzähler aus ihm und ...
... setzten ihm zum Schluss auch noch die Narrenkappe auf.
Apropos Narrenkappe: Die tragen ja alle Politiker zum Karneval gerne. Hat auch seinen guten Grund. Da gibt's jede Menge Küsschen: Hier für den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff und ...
... hier für den thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus.
Und hier für den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber.
Ein Narr hatte Stoiber zur Fastnacht übrigens mal empfohlen, sich an die eigene Nase zu fassen. Hat er nicht beherzigt diesen Rat.
Das Ergebnis ist bekannt. Mit Narrenkappe auf dem Kopf und einem weiß-blauen Tuch wurde er aus dem Amt verabschiedet.
Darauf kann Heide Simonis nur das Glas heben, die Narrenkappe hat sie trotzdem auf.
Bis heute ist der Karneval im Übrigen ein Sinnbild katholischer Mentalität, wie Kardinal Karl Lehmann beweist. Einige werden jetzt denken, dass auch der Papst unfreiwillig seine Pileolus mit der Narrenkappe getauscht hat.
Aber zurück zum Selbstverständnis von Politiker und Kostüm. Der Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Peter Struck, sah sich zum Fasching 2004 als so eine Art Kuttel Daddeldu.
Also Struck als der gutmütig krakeelende, betrunkene Seemann. Wahrscheinlich könnte auch Struck Schaurig-Schönes von seinen politischen Reisen berichten.
Manchmal bringen aber auch die Narren Politiker dahin, wo sie sie am liebsten sehen würden: Vor Gericht. Wie hier die SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles. In dicke Taue geschlagen wartet sie auf den Urteilsspruch der da lautet: ...
Trinken bis zum Abwinken. Na ja, wenigsten bis Ruhe ist. Prost.

Auch in seinem neuen Job nimmt der ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin kein Blatt vor den Mund. Der Bundesbankvorstand warnte in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview vor Bankberatern, prophezeite sinkende Renten und warb dafür, das Kinderkriegen nicht durch soziale Leistungen lukrativ zu machen. Die zum Juli anstehende Rentenerhöhung bezeichnete er im "Stern" als "völlig unsinnige Maßnahme".

"Langfristig müssen die Renten natürlich real fallen", sagte Sarrazin dem Magazin. Gegenwärtig komme auf einen Arbeitnehmer statistisch gesehen ein halber Rentner, in 25 bis 35 Jahren werde das Verhältnis bei Eins zu Eins liegen. "Wir können die Erwerbstätigen aber nicht ohne Ende belasten", sagte der Ex-Finanzsenator, der dem Bundesbankvorstand seit dem 1. Mai angehört. Die Renten müssten daher langfristig auf das Niveau einer Grundsicherung sinken.

Sarrazin warb dafür, dass die Menschen verstärkt selbst für das Alter vorsorgen. Dabei sollten sie vor allem auf sichere Anlagen wie Bundesanleihen setzen und sich nicht von den Versprechungen der Geldinstitute blenden lassen. "Man muss den Leuten sagen: Glaube keinem Bankberater", erklärte er.

Der neue Bundesbankvorstand wandte sich auch dagegen, soziale Probleme mit mehr Geld zu lösen. "Die große Frage ist: Wie kann ich es schaffen, dass nur diejenigen Kinder bekommen, die damit fertig werden", sagte er dem "Stern". Gegenwärtig bekämen manche Frauen zwei, drei oder mehr Kinder, obwohl sie "nicht das Umfeld" oder "die persönlichen Eigenschaften" hätten, "um die Erziehung zu bewältigen". Deswegen müsse das Sozialsystem so geändert werden, "dass man nicht durch Kinder seinen Lebensstandard verbessern kann, was heute der Fall ist", sagte Sarrazin.

(AFP, N24)

13.05.2009 16:28 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Politik