Zahlen fahren Achterbahn
Tourismus leidet unter Konflikten
Kaum ein anderes Reiseland ist so abhängig von den aktuellen politischen Entwicklungen wie Israel. Immer wenn der Konflikt mit den Palästinensern eskaliert, brechen die Besucherzahlen ein.
Israels Tourismus hat schwierige Zeiten hinter sich. Doch in diesem Jahr sollen die Zahlen wieder kräftig steigen: Das Land feiert den 60. Jahrestag seiner Gründung. Touristen können dabei sein und mitfeiern - und bei der Gelegenheit gucken, was es zwischen Haifa, Massada und dem Roten Meer Neues gibt.
Jubiläum zieht Touris an
Veranstaltungen zum Jubiläum sind in vielen Städten von Jerusalem bis Tel Aviv geplant - mit Konzerten, Theater und Feuerwerk. Wegen des 60. Geburtstages wachse das Interesse an Israel als Reiseziel wieder, sagt Dani Neumann, Direktor des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros. "Die Buchungen ziehen schon an."
Das war bereits im vergangenen Jahr der Trend, als knapp 2,3 Millionen Gäste das Land besuchten, 24 Prozent mehr als 2006. Aus Deutschland kamen 101.000 Besucher, auch das ein deutliches Plus. Und Neumann geht davon aus, dass es dieses Jahr noch einmal deutlich mehr werden: 135.000 deutsche Gäste seien realistisch.
Dass Touristiker auf Wachstum hoffen, ist nichts Ungewöhnliches. Aber Israel hat sich diesmal besonders viel vorgenommen: Der 60. Jahrestag der Gründung sei eine gute Gelegenheit, sich neue Ziele zu stecken, sagte Shaul Zemach, Staatssekretär im Tourismusministerium. Für 2008 werden bis zu drei Millionen ausländische Gäste erwartet.
Ehrgeizige Ziele
Wie viele Gäste auch immer es bis Ende dieses Jahres werden: Bis 2012 ist angepeilt, die Zahl der ausländischen Besucher noch einmal auf fünf Millionen zu steigern. Das wären mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr - und auch deutlich mehr als die 3,7 Millionen Touristen, die Israel im Jahr 2000 zählte, als die Welt im Heiligen Land noch in Ordnung war.
Die Zahl der Besucher schwankt vor allem als Reaktion auf den politischen Konflikt im Nahen Osten. Das Interesse an Israel als Reiseziel sei groß, sagte Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer des Veranstalters Studiosus. Aber die "Realisierungsquote" - der Anteil derjenigen, die tatsächlich in das Land reisen, das sie interessiert - sei mit 15 Prozent ausgesprochen niedrig. Und das liegt schlicht daran, dass viele sich nicht trauen, Urlaub in Israel zu machen.
Deutsche haben Angst
Gerade die Zahlen der Gäste aus Deutschland schwanken erheblich, wie Pinny Millo vom Israelischen Verkehrsbüro anhand der Statistik zeigte: Das Rekordjahr war 1996, als 222 .000 Deutsche ins "Heilige Land" kamen. Sechs Jahre später waren es nur noch 39.000, drei Jahre später wieder 105.000. "2008 hatten wir bei den Buchungen nun den stärksten Januar seit acht Jahren."
Die logistischen Voraussetzungen dafür, dass noch mehr deutsche Urlauber kommen, sind da: Israel sei bei fast allen Veranstaltern von TUI, Meier's Weltreisen und Marco Polo bis Gebeco oder Berge und Meer wieder in den Katalogen, sagte Pinny Millo. Die Zahl der Flüge von Deutschland etwa mit El Al, TUIfly und Lufthansa liegt bei 38 pro Woche und soll im Sommer um weitere fünf steigen.
Wie weit diese Möglichkeiten genutzt werden, darüber entscheidet maßgeblich, wie es im israelisch-palästinensischen Verhältnis weitergeht. "Jeder Reisende möchte, dass sein Grundbedürfnis nach Sicherheit erfüllt ist", sagte Kubsch. «Und das Sicherheitsgefühl ist oft ein sehr subjektives Empfinden." Urlauber wünschten sich, eine Reise "emotional unbelastet" antreten zu können - also ohne Angst vor möglichen Attentaten oder Raketeneinschlägen.
Zahlen schwanken erheblich
Die Studiosus-Buchungszahlen entwickelten sich bei Israel "wie eine Achterbahnfahrt": von sehr großer Nachfrage bis zum völligen Einbruch, abhängig von der politischen Entwicklung, sagte Kubsch. Bei dem deutschen Marktführer für Studienreisen hat Israel im Katalog wieder einen festen Platz - anders etwa als der Libanon, in den Studiosus aus Sicherheitsgründen derzeit gar keine Reisen anbietet.
Das Problem, wie sich der Tourismus entwickelt, sei im Nahen Osten aber eher ein nachrangiges, sagte Abdallah Al-Frangi, Leiter der Außenpolitischen Kommission der Palästinensischen Fatah-Bewegung Und darin war er sich mit Avi Primor, dem früheren israelischen Botschafter in Deutschland, völlig einig: Die Probleme der Tourismusbranche lösten sich von selbst, wenn der politische Konflikt gelöst sei - der Weg dahin führe nur über Verhandlungen der beiden Seiten.
(dpa, N24)
30.12.2008 07:57 Uhr








