Bandenbetrug?

Scientology droht Auflösung

Ein "Stresstest" für das Seelenheil: In Frankreich steht die umstrittene Organisation Scientology wegen "organisierten Bandenbetrugs" vor Gericht. Bei einem Schuldspruch droht die Auflösung.

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Kirche oder Sekte? An Scientology scheiden sich die Geister. In Deutschland vom Verfassungsschutz überwacht, strömen der Organisation vor allem in den USA scharenweise Mitglieder zu - darunter zahlreiche Prominente.
Bekanntestes Aushängeschild ist natürlich Tom Cruise.
Mittlerweile wird gemutmaßt, dass der Hollywood-Star sogar zum innersten Führungskreis von Scientology gehört.
Zu den prominentesten Scientologen gehört zudem John Travolta.
Falls Sie ihn eben nicht erkannt haben sollten - der sah auch mal so aus.
Verheiratet ist Travolta mit Kelly Preston - eine bekennende Scientologin wie er.
Und ebenso wie ihr Mann ist Kelly Preston beruflich in Hollywood tätig. Sie spielte etwa in "Christine", "Jerry Maguire - Spiel des Lebens" und "From Dusk till Dawn" mit.
Und auch sie sollten Sie kennen: Juliette Lewis, bekannt geworden vor allem durch ihre Brutalo-Teenie-Rolle in "Natural Born Killers".
Doch Juliette Lewis ist nicht nur Schauspielerin. Mit ihrer Band "Juliette and the licks" macht sie auch Konzertbühnen unsicher.
Apropos Konzertbühnen. Neben diversen Hollywood-Stars sind natürlich auch Musiker und Musikerinnen unter den Scientology-Mitgliedern. Einer von ihnen: Beck.
Vielleicht kennen Sie auch die noch: 80er-Jahre-Soul-Diva Chaka Khan.
Ebenfalls aus der Soul-Ecke kommt Isaac Hayes.
Serienjunkies dürfte sie keine Unbekannte sein: Leah Remini - die Carrie Heffernan aus "King of Queens".
Überhaupt scheint Scientology eine gewisse Anziehungskraft auf Serien-Sternchen auszuüben, so etwa Jenna Elfman (u.a. "Dharma and Greg"), ...
... Catherine Bell (u.a. "J.A.G. - Im Auftrag der Ehre"), ...
... Sofia Milos (u.a. "Emergency Room", "CSI: Miami" und "Friends"), ...
... Marisol Nichols (u.a. "24" und "Charmed" ...
... oder aber Jennifer Aspen, die in Serien wie "Eine schrecklich nette Familie", "Grey's Anatomy" oder "King of Queens" Gastauftritte absolvierte.
Sie fragen sich, wo die Männer bleiben? Bitteschön: Jason Dohring. Er war nicht nur in "J.A.G. - Eine Frage der Ehre" zu sehen, sondern auch in "Baywatch".
Doch zurück nach Hollywood. Dort scheinen manche gemeinsam ihren Hang zu Scientology entdeckt zu haben. Kirstie Alley etwa spielte in "Kuck mal wer da spricht!" Mit wem? Na klar, mit Travolta.
Ethan Suplee war ebenso in "American History X" zu sehen ...
... wie Chris Masterson.
Und Jason Lee kennen Kino-Fans unter anderem aus "Vanilla Sky" - an der Seite von Tom Cruise.
Noch ein paar Schauspielerinnen gefällig, die sich zu Scientology bekennen? Da wären zum Beispiel noch Anne Archer (u.a. "Short Cuts" und "Eine verhängnisvolle Affäre") ...
... und Erika Christensen (u.a. "Traffic" und "Flightplan").
Sie kennen Sie vom Gesicht her zwar wahrscheinlich nicht, doch sollten sie die "Simpsons" schon einmal im englischen Original geguckt haben, dann kennen Sie ihre Stimme: Nancy Cartwright spricht - kein Witz - keinen anderen als Bart.
Und dann wäre da noch sie: Priscilla Presley.
Die Ex-Frau des "King of Rock'n'Roll" ist ebenso bekennendes Scientology-Mitglied ...
... wie ihre Tochter Lisa Marie.

Mit Spannungsmessgeräten und Saunakuren fürs Seelenheil verdient Scientology in Frankreich vielleicht bald kein Geld mehr. Die umstrittene Organisation steht wegen "organisierten Bandenbetrugs" ab Montag vor einem Pariser Gericht, im Falle eines Schuldspruches droht ihr die Auflösung. In dem auf zweieinhalb Wochen angesetzten Verfahren geht es um eine Frau, die 1998 einen "Persönlichkeitstest" bei Scientology gemacht hatte. In der Folge zahlte die Französin für Bücher, Medikamente und ein "Elektrometer" zur angeblichen Messung ihres geistigen Wohlbefindens über 200.000 Francs (gut 30.000 Euro) an die Organisation, die in Frankreich als Sekte gilt.

Das so genannte Elektrometer wird Anhängern der Scientology-Lehre für tausende Euro verkauft, obwohl er nur ein paar hundert wert ist; es handelt sich um einen simplen Apparat, der die Spannung zwischen den Händen misst. Auch mit wochenlangen Saunakuren zur Reinigung von Körper und Geist sowie Vitaminpräparaten verdient die Organisation offenbar kräftig. Die Mitglieder bekämen die Vitamine in solchen Überdosen verpasst, dass sie bleiern müde würden und langsam die Beziehungsfähigkeit zur Gesellschaft verlören, zitiert das Wochenmagazin "L'Express" aus der Anklageschrift. Mehrere Scientologen stehen deshalb auch wegen "illegaler Ausübung des Apothekerberufes" vor Gericht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Scientology einen Rechtsstreit am Hals hat. Aber es ist das erste Mal, dass die Organisation sich als juristische Person vor Gericht verantworten muss. Angeklagt sind das "Celebrity Centre", die wichtigste Scientology-Struktur in Frankreich, ihr Leiter Alain Rosenberg und sechs weitere französische Mitglieder der Organisation. Die Verteidigung gibt zu, dass der Prozess "lebenswichtig" sei: "Wenn unser Mandant verurteilt wird, können die Scientologen in Frankreich nicht mehr tätig sein", sagte der Rechtsanwalt Patrick Maisonneuve dem "L'Express".

Eine erste Scientology-Vereinigung in Frankreich war 1995 aufgelöst worden, weil sie sich weigerte, Steuern zu zahlen: Statt sie als religiöse Gemeinschaft anzuerkennen, stufte Frankreich die Organisation seinerzeit als Sekte ein. Schon 1978 hatte ein französisches Gericht den Scientology-Gründer Ron Hubbard wegen Betruges zu vier Jahren Gefängnis verurteilt; der Science-Fiction-Autor aus den USA verlor den Prozess schon deshalb, weil er nicht zum Gerichtstermin erschien.

"Reich des Hasses"

Ende der 90er Jahre musste sich der ehemalige Ortsvorsitzende der Scientologen in Lyon vor Gericht verantworten, nachdem eine Anhängerin der Bewegung sich das Leben genommen hatte. Derzeit läuft in Frankreich, wo die Organisation schätzungsweise mehrere tausend Mitglieder hat, ein weiteres Verfahren, nachdem der belgische Pianist Alain Stoffen sie angezeigt hatte.

Stoffen war Mitte der 80er Jahre zu Scientology gestoßen und konnte sich erst 15 Jahre später dem "Reich des Hasses" befreien, wie er heute sagt. "Ich ertrage es nicht, dass diese Sekte weiterhin durch das Netz der Justiz rutscht»" erklärt der Musiker, der gerade ein Buch über "Die Reise ins Herz von Scientology" geschrieben hat. Die Organisation habe seine Beziehungen zerstört und ihn an den Rande des Selbstmordes getrieben. "Ich will, dass die Masken fallen und dass die Wahrheit ans Licht kommt."

Allerdings wird es nicht einfach sein. "Wenn ein Priester sich an Kindern vergeht, kann man nicht die ganze katholische Kirche anprangern", sagt Anwalt Maisonneuve. "Die Anklage muss beweisen, dass Scientology eine Bande von Schurken ist und die Absicht hatte, dies zu sein."

(AFP, N24)

22.05.2009 08:59 Uhr

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