Nordkorea holt US-Präsident Obama auf den Boden der Tatsachen zurück. Während er kürzlich von der Perspektive einer "Welt ohne Atomwaffen" schwärmte, jubelt jetzt Nordkorea über den neuen Atomtest.
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Zwischen Barack Obamas Visionen und der Wirklichkeit liegen noch Welten. Während der US-Präsident jüngst in Prag noch kühn von der Aussicht einer "Welt ohne Nuklearwaffen" sprach, jubeln nun Nordkoreas gleichgeschaltete Medien über den Bombentest. "Wir sind nicht überrascht, wir haben das erwartet", versicherte der US-Generalstabschef, Admiral Mike Mullen. Er begegne den Berichten aus Nordkorea ohnehin erst einmal mit Skepsis: "Wir brauchen ein paar Tage, um das zu verifizieren ... Noch haben wir keine Indizien dafür, dass es wirklich ein erfolgreicher Atomtest war."
Auf jeden Fall aber stellt Pjöngjang Obamas neue Außenpolitik der ausgestreckten Hand auch für bisherige Kontrahenten und Feinde Amerikas auf eine schwere Probe. Die rasche Reaktion Obamas noch in der Nacht zum Montag belegt, wie ernst die USA Nordkoreas Provokationen nehmen. Der US-Präsident beklagte "tief besorgt" die "klare und gewissenlose Herausforderung" und "Gefährdung des internationalen Friedens und der Sicherheit".
Obama mit Bushs Problemen
Wie bei so vielen anderen außenpolitischen Konflikten steht Obama trotz seiner Politik der "Wende" vor den gleichen Problemen wie sein Vorgänger George W. Bush. Der hatte zuletzt auch nur noch auf Diplomatie gesetzt und Nordkorea sogar von der US-Liste der Staaten streichen lassen, die den Terrorismus unterstützen. Nordkorea scheint aber nicht im geringsten den Politikwechsel in Washington als Chance für einen neuen Dialog mit den USA zu halten - die Atom- und Raketentests sprechen eine klare Sprache.
"Die Frage ist, will Nordkorea nur seine internationale Verhandlungsposition verbessern, das wäre sogar gut", meinte der Sicherheitsexperte Jim Walsh (Massachusetts Institute of Technology) in einem CNN-Interview. Dann gebe es eine Chance für diplomatische Bemühungen. Problematischer und kaum beeinflussbar wäre es, wenn die nuklearen Muskelspiele Nordkoreas Ausdruck von internen Machtkämpfen um die Nachfolge von Kim Jong Il wären.
Nordkorea auf Konfrontationskurs
Washington sieht schon seit Monaten mit Sorge die wachsende Konfrontationsbereitschaft Nordkoreas. Im April hatte die kommunistische Führung den Rückzug von den internationalen Verhandlungen über ihr Atomwaffenprogramm im Rahmen der sogenannten "Sechser-Gruppe" erklärt, nachdem der UN-Sicherheitsrat den Start einer Langstreckenrakete Nordkoreas verurteilt hatte. Pjöngjang sprach verharmlosend von einem "Satellitenstart".
Damals hatte ein sichtlich erzürnter Obama "eine starke Reaktion" der Welt und die "Bestrafung" Nordkoreas gefordert. Aber abgesehen von der UN-Resolution geschah nichts. Moskau und Peking scheuen sich vor harten Maßnahmen - zumal es unter Experten noch erhebliche Zweifel gibt, ob Nordkorea wirklich in naher Zukunft eine funktionstüchtige Atombombe und Raketen für ihren Transport haben könnte.
US-Journalisten vor Gericht
Die US-Regierung wird bald vor einem weiteren Problem mit Nordkorea stehen: Ab dem 4. Juni sollen sich US-Medienberichten zufolge zwei amerikanische Journalisten wegen illegaler Einreise und "feindseliger Aktivitäten" vor einem Gericht in Pjöngjang verantworten. Die Zahl der außenpolitischen Bewährungsproben für Obama nimmt rapide zu.