Kommt Staatshilfe?

Arcandor verschiebt Halbjahresbericht

Entgegen der Haltung der Union schließt Finanzminister Peer Steinbrück staatliche Hilfen für den Handelskonzern Arcandor nicht aus. Arcandor verschiebt extra die Bekanntgabe der Halbjahreszahlen.

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Der Lack ist ab bei Arcandor: Staatshilfen könnten das Überleben sichern.

Der ums Überleben kämpfende Touristik- und Handelskonzern Arcandor hat die ursprünglich für Mitte Mai vorgesehene Veröffentlichung seines Zwischenberichts zum zweiten Mal verschoben. Die Zahlen für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/2009 sollen nun erst am 18. Juni und damit voraussichtlich erst nach der Entscheidung über Staatsbürgschaften für den Konzern veröffentlicht werden, wie das Unternehmen mitteilte.

Der Grund für die erneute Terminverschiebung stehe im Zusammenhang mit den laufenden Finanzierungsverhandlungen, erklärte das Unternehmen. Ursprünglich hätte die Zwischenbilanz am 14. Juni veröffentlich werden sollen. Doch hatte das Unternehmen wenige Tage vor diesem Datum den Veröffentlichungstermin auf den Freitag dieser Woche geändert.

Mit der erneuten Verschiebung dürften die Zahlen nun erst nach der Entscheidung über die von Arcandor angestrebte Staatsbürgschaft in Höhe von 650 Millionen Euro fallen. Denn nach Angaben von Konzernchef Karl-Gerhard Eick ist der 12. Juni der "Tag der Wahrheit" für den Konzern. an dem Kredite in dreistelliger Millionenhöhe fällig werden und damit eine Insolvenz droht.

SteinbrücK: Staatshilfe möglich

Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat im Gegensatz zur CDU staatliche Unterstützung für den angeschlagenen Arcandor-Konzern nicht ausgeschlossen. In der ARD kritisierte er Äußerungen des wirtschaftspolitischen Sprechers der Union, Laurenz Meyer, der dies ausgeschlossen hatte.

Meyers Äußerungen finde er "sträflich", sagte der Finanzminister. Er sei auch "enttäuscht, dass nicht nur er, sondern auch andere Vertreter der Union sich so äußern, weil ja ein Für und Wider noch gar nicht abgewogen ist". An Arcandor hingen mehr Arbeitsplätze als direkt bei Opel, nämlich über 50.000 Menschen. "Ich bin dafür, dass über dieses Für und Wider in den Gremien, die über eine Bürgschaft zu entscheiden haben, sehr solide abgewogen wird, bevor man sich öffentlich wieder festlegt."

Auf die Frage, ob er eine Hilfe für Arcandor ausschließe, sagte Steinbrück: "Keineswegs. Es ist abzuwägen, wie ist der Zustand? Ist Arcandor bereits an einem Stichtag 1.Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen? Das spielt beihilferechtlich eine erhebliche Rolle. Und wie kann man behilflich sein, auch die über eine Brücke zu führen in eine bessere Zukunft, von der sie dann alleine weiterkommen?"

Thomas Cook macht sich Sorgen

In Großbritannien macht sich angesichts der drohenden Insolvenz von Arcandor der Touristikkonzern Thomas Cook Gedanken über seine zukünftige Eignerstruktur. "Arcandor hat uns in der Vergangenheit enorm unterstützt, daher verfolgen wir die Entwicklung natürlich mit einer gewissen Sorge", sagte Vorstandschef Manny Fontenla-Novoa der "Financial Times Deutschland". Zugleich betonte er, dass Thomas Cook finanziell und operativ unabhängig von dem Essener Konzern arbeite: "Wir haben einen eigenen Vorstand, eigene Kreditlinien und eigene Kapitalreserven", sagte Fontenla-Novoa.      

Die knapp 53 Prozent, die Arcandor an Thomas Cook hält, hätten sich in den vergangenen Jahren nach dem Zeitungsbericht zu Arcandors wichtigster Stütze entwickelt. Während die hundertprozentigen Töchter Karstadt und Primondo im Geschäftsjahr 2007/08 jeweils Verluste schrieben, erzielte Thomas Cook bei einem Umsatz von 11,5 Milliarden Euro einen Gewinn in Höhe von 112 Millionen Euro.

(AP, dpa, AFP, N24)

27.05.2009 08:41 Uhr

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