Kurseinbruch der Aktie

Prüfer: Staatshilfe für Arcandor kritisch

Die Wirtschaftsprüfer der Bundesregierung sprechen dem Handels- und Touristikkonzern Arcandor die nötige Substanz ab, die für eine Staatshilfe nötig ist. Die Börse reagiert mit starken Abschlägen.

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Für die Mitarbeiter des Arcandor-Konzerns ist es fünf vor zwölf.

Zwei Wochen vor einem möglichen Finanzkollaps sucht der Handels- und Touristikkonzern Arcandor im Ringen um Staatshilfe den Schulterschluss mit den Kunden. Bei einem bundesweiten Aktionstag unter dem Motto "Wir kämpfen gemeinsam für Karstadt" versuchten Management, Betriebsräte und lokale Politiker am Freitag in den Kaufhäusern mit Käufern über die schwierige Lage von Karstadt und dem Mutterkonzern Arcandor ins Gespräch zu kommen. Die Kunden sollten dann mit ihrer Unterschrift an den Staat appellieren, Arcandor zu unterstützten.

Ohne Hilfe droht Insolvenz

Kommen die Bundesregierung dem Antrag nach 650 Millionen Euro Bürgschaft und die staatliche Kfw Bankengruppe nach 200 Millionen Euro Kredit nicht nach, steht der Konzern mit seinen mehr als 50 000 Beschäftigten vor der Insolvenz. Banken, Gläubiger, Zulieferer und Eigentümer wollen beim langfristigen Sanierungskonzept mithelfen, aber nur bei gleichzeitiger Staatshilfe.

Prüfer: Staatshilfe mit erheblichen Risiken verbunden

Unterdessen haben nach einem Bericht des Internetportals "manager-magazin.de" von der Bundesregierung beauftragte Wirtschaftsprüfer Arcandor abgesprochen, über die nötige Substanz für eine Staatsbürgschaft zu verfügen. Das Portal berief sich auf Konzernkreise. Experten von PricewaterhouseCoopers seien zum Schluss gekommen, dass eine Bürgschaftsübernahme mit erheblichen Risiken behaftet sei, schreibt das Portal. Der Konzern verfüge mittlerweile praktisch über keine freie Substanz mehr. Von Arcandor war dazu zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Börse reagierte mit starken Abschlägen auf den Bericht. Zeitweise lag der Aktienkurs 13 Prozent unter dem Vortageswert.

Konzernchef Eik weiter zuversichtlich

Konzernchef Karl-Gerhard Eick äußerte sich nach einem Treffen mit dem Bürgschaftsausschuss am Donnerstag in Berlin optimistisch, die Staatshilfe zu erhalten. "Wir werden diese Gespräche nächste Woche fortsetzen, und dann hoffe ich, dass wir letztlich auch diese Bürgschaftsunterstützung bekommen", sagte Eick im ARD-Morgenmagazin. Arcandor sei wegen der Wirtschaftskrise "unverschuldet in diese Notlage hineingekommen", sagte Friedrich Carl Janssen der "Bild"-Zeitung. Jansen sitzt im Auftrag der Bank Sal. Oppenheim, der gut ein Viertel von Arcandor gehört, als Chef im Arcandor-Aufsichtsrat.

Die Vermieter der Karstadt-Immobilien lassen laut "Spiegel" inzwischen sämtliche Szenarien durchspielen, die dem angeschlagenen Warenhauskonzern in den nächsten Wochen und Monaten drohen könnten. Die Planspiele reichten von der Reduzierung des Portfolios auf die rentablen Häuser über eine Fusion mit dem Konkurrenten Kaufhof bis hin zu einer möglichen Pleite des Konzerns. Die Berater sollen deshalb auch mögliche Interessenten für den Verkauf größerer Tranchen an Karstadt-Häusern sondieren. Zunächst will aber das sogenannte Highstreet-Konsortium, an dem Deutsche Bank, Goldman Sachs und der italienische Pirelli-Konzern beteiligt sind, Arcandor helfen.

Stundung von Mieten soll entlasten

Die Belastungen sollen etwa durch die Stundung fälliger Mieten verringert werden. Der frühere Arcandor- Chef Thomas Middelhoff hatte unter anderem die Immobilien, in denen Karstadt sitzt, für einen Milliardenbetrag verkauft. Allerdings muss Karstadt im Gegenzug hohe Mieten von jährlich 350 Millionen Euro zahlen. Sollte es noch zu einer Kaufhaus-Ehe von Karstadt und Kaufhof kommen, soll nach METRO-Rechnung mindestens ein Fünftel der Filialen wegfallen, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

5000 Mitarbeiter wären von Insolvenz betroffen

40 Warenhäuser stünden vor dem Aus. Betroffen wären dann rund 5000 Mitarbeiter in Vollzeit. Dies soll, so die "FAZ" unter Berufung auf Regierungskreise, METRO-Chef Eckhard Cordes in seinen Gesprächen in Berlin vorgetragen haben. Arcandor und und die Kaufhof-Mutter METRO wollten die Zahlen am Freitag nicht kommentieren. In Branchenkreisen wurden sie allerdings als realistisch eingeschätzt. Betroffen wären Filialen aber auf beiden Seiten, hieß es in den Kreisen. Ein Teil der freiwerdenden Häuser könnte auch von anderen METRO-Töchtern wie beispielsweise Media Markt und Saturn genutzt werden.

Zusammen kommen Karstadt und Kaufhof auf mehr als 200 Warenhaus- Filialen und 60 000 Mitarbeiter. Laut "FAZ" sollen am Ende rund 160 Warenhäuser und 41 Sportfilialen übrigbleiben, die langfristig überlebensfähig wären. Das neue Kaufhaus-Gebilde käme auf einen Umsatz von rund 6,5 Milliarden Euro. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick und METRO-Chef Eckhard Cordes hatten sich bereits einmal getroffen, um die Möglichkeiten einer Deutschen Warenhaus AG auszuloten. Weitere Gespräche sollen folgen.

(dpa, N24)

29.05.2009 18:50 Uhr

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