Münte vs. Koch
Soll der Staat Arcandor helfen?
Über Staatshilfen für Arcandor wird heftig diskutiert. SPD-Chef Franz Müntefering plädiert dafür, Arcandor nicht "einfach pleite" gehen zu lassen. Hessen Ministerpräsident Roland Koch ist skeptisch.
Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat sich für staatliche Hilfe bei der Rettung des Kaufhauskonzerns Arcandor ausgesprochen. Müntefering sagte der "Bild"-Zeitung: "Wir müssen da helfen. Die Bürgschaft, um die es da geht, scheint mir notwendig und zukunftsträchtig." Es gehe bei Arcandor "um viele tausend Arbeitsplätze im wichtigen Dienstleistungssektor - überwiegend von Frauen", sagte Müntefering.
Im Management seien zwar "große Fehler" gemacht worden, doch das dürfe kein Argument für eine Ablehnung von Bürgschaften sein. "Sollen dafür jetzt die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestraft werden? Die können nichts dafür", so der SPD-Chef weiter. Deshalb sage er jedem, der Karstadt und andere "einfach pleite" gehen lassen will: "Geht ins Kaufhaus und sagt es der Kassiererin ins Gesicht - und denkt an die Verantwortung, die die Politik gerade in diesen Zeiten der Krise hat."
Gesundes Touristikgeschäft
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hingegen hat Staatshilfen für Arcandor in Zweifel gezogen. "Ich bin bei Arcandor sehr skeptisch", sagte Koch der "Rheinischen Post". Der Konzern verfüge über ein gesundes und profitables Touristikgeschäft. "Hier dürfen nicht Vermögenswerte der Eigentümer auf Kosten des Steuerzahlers geschont werden", betonte der CDU-Vizevorsitzende.
Arcandor hat bei der Bundesregierung eine Bürgschaft über 650 Millionen Euro und bei der staatlichen Kfw Bankengruppe einen 200-Millionen-Euro-Kredit beantragt. Sollten die Mittel nicht gewährt werden, steht der Konzern mit seinen mehr als 50.000 Beschäftigten vor der Insolvenz.
(dpa, ddp, N24)
30.05.2009 06:30 Uhr





