"Waren alle für Magna"

Opel-Belegschaft heilfroh über Einigung

Nach der Einigung beim Opel-Gipfel sind die Opelaner am Stammwerk in Rüsselsheim zufrieden mit dem neuen Investoren Magna. Sie sind sich sicher: "Fiat hätte uns platt gemacht."

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Gerade nochmal gut gegangen? Die Belegschaft bei Opel hält die erzielte Lösung für die Bestmögliche.
Video: Magna steigt ein - Durchbruch: Opel ist gerettet
Solidarität für Opel zeigen nicht nur die Mitarbeiter. Jetzt sind auch die Anhänger des angeschlagenen Autobauers auf die Straße gegangen.
Ein aufgespannter Regenschirm über dem Opel-Logo: Fans haben sinnbildlich ihren Rettungsschirm aufgespannt.
In Rüsselsheim fanden sich 3.500 Menschen ein. Der "Rettungsschirm" schützte auch gleichzeitig vor dem starken Regen.
Es erübrigt sich die Frage, wie die Opelaner anreisten. Vom Kleinwagen bis zum Oldtimer versammelten ...
... sie sich auf dem Parkplatz des Adam-Opel-Hauses und protzten mit dicken Spoilern oder ...
…mit getunten Pferdestärken Marke Eigenbau: In diesem Manta (Bj. 1986) ist eine drei-Liter-Maschine eines Opel Senators versteckt.
Ein Oldtimer-Liebhaber zeigte die Innenansichten seines Opel-Rekords oder …
… einen alten Opel-Blitz.
Es scheint, als ob dieser Fan wusste, dass Opel irgendwann mal viel Glück braucht.
Apropos Glück: Ein frisch vermähltes Pärchen ist nach der Trauung zur Solidaritätskundgebung gefahren und hat dort den Hochzeitskuss nachgeholt. Hoffentlich steht die Ehe unter einem guten Stern.
"Wir sind Opel" war an diesem Tag, …
... hundertfach auf den T-Shirts der Markenanhänger zu lesen.
Den Kindern wurde kurzerhand auch ein Shirt verpasst.
Eine besondere Showeinlage für die Opel-Fans: Der Solidaritätssong "Seht das Zeichen" wird bestimmt zum "Opel-Nummer-1-Hit“. Der wurde im übrigen von Mitarbeiter-Kindern gesungen.
Die Opel-Fans zeigten trotz schlechtem Wetter Durchhaltevermögen.
Kinder von Opel-Fans fahren natürlich kein einfaches Bobby-Car, sondern die Corsa-Variante mit dem Blitz.
Für die Kundgebung wurden manches Vehikel passend umgestylt: Ein Opel-Blitz als "Katastrophenkommando" oder …
… ein anderer Blitz mit der Aufschrift "Opel Rettung - Es brennt".
Die Fans zeigten viel Kreativität: Hier wurde kurzerhand das Haupthaar genutzt.
Auch bei den Opel-Mitarbeitern haben sich in den letzten Wochen bei den zahlreichen Kundgebungen einige kreative Highlights heraus kristallisiert.
Der Kinofilm "Free Willy" wurde in "Free Opel" umgetauft.
"Yes we can", der Leitspruch von US-Präsident Barack Obama wurde ebenfalls verwendet und etwas umfunktioniert.
Und ganz traditionell wurde in die Reimkiste gegriffen: "Der Enkel und der Opa woll'n Opel für Europa".
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Die vier Opel-Brüder mit dem "Quintuplet". Vier Jahre nach dem Tod des Vaters Adam Opel bauten die Söhne Carl und Wilhelm im Jahr 1899 den ersten Opel-Patent-Motorwagen.
Lange bevor Autos vom Band rollten, stellte die Firma Fahrräder her.
Als erster Opel rollt der "Lutzmann" im Jahre 1899 aus der Opel-Fabrik. 4 PS, Einzylinder-Heckmotor mit Wasserkühlung, nach den Plänen des Dessauer Hofwagenbaumeisters Friedrich Lutzmann ähnelt er einer Pferdekutsche.
Der "Opel Doktorwagen" vom Typ Torpedo aus dem Jahr 1911.
Ein Opel Laubfrosch aus dem Jahr 1924 läuft immer noch. Passend zum Namen ist auch die Farbe gewählt.
Fließbandproduktion im Jahr 1924 bei der Adam Opel AG.
Heute übernehmen Präzisionsroboter viele Aufgaben in der Autoproduktion.
Aus den Jahren 1933 und 1939 stammen das 1,2 Liter-Fahrzeug (links) und der "Admiral" mit 3,6 l-Motor (rechts).
Mit ihrem "Opel Super 6 Cabriolet" aus dem Jahre 1937 nehmen die Besitzer an Rallyes teil, die oft weit über 2000 km reichen.
Auf Ausstellungen immer ein Hingucker sind die Opel mit jeder Menge Chrom.
Mit seinem Opel Rekord aus dem Jahr 1956 fährt Hilmar Born vom Opel-Museum Herne am 18.10.2004 am Opel-Werk I in Bochum vorbei. Er brachte Brötchen und Getränke für die Mitarbeiter. Die Opelaner streiken gegen betriebsbedingte Kündigungen.
Der Opel Olympia aus dem Jahre 1964 im Gespann mit einem aufklappbaren historischen Wohnwagen Heiser-Austermann "Knospe".
Ohne Höhenangst - die sogenannte Hydra-Matic verbesserte auch die Bergsteigfähigkeit des Opel-Kapitän.
Mehr als nur ein Name: In den 60ern spiegelten die Modellbezeichnungen auch den sozialen Aufstieg wieder. Dem Opel-Modell Kadett etwa folgten in der Hierarchie der Kapitän, Commodore und Admiral.
Generationstreffen - vom Vorkriegskadett bis zum Opel Kadett E.
Große Klappe beim Kadett A.
Wagen wie der von 1972 bis 1977 gebaute Opel Commodore B GS/E wecken heute nostalgische Gefühle.
Den Commodore GS gab es auch mit verbreiterten Kotflügeln, das Auge fährt schließlich mit.
Der Auftritt des Opel Admiral wurde von dem mächtigen, chrombeladenen Kühlergrill bestimmt.
Up, and down. Der Admiral als Lowrider. Ein fast amerikanisches Auto.
Den Opel Ascona B in verschiedenen Motorisierungen für den Normalfahrer und . . .
. . . auf Basis des Ascona 400 als erfolgreiche Rallye-Version. Mit dem Wettbewerbsmodell gewann Walter Röhrl für Opel die Rallye-Weltmeisterschaft.
Der Manta in der Mitte - die Opel Coupe-Familie vom Rekord bis zum Tigra.
Der Manta mit "Kriegsbemalung" - für Fahrer, die es rasant mochten, gab es die stärkeren Versionen mit der schwarzen Kühlerhaube.
Gerade der Manta wurde gern “verbastelt“ und geriet dadurch eine Zeitlang zum Witz.
Wie hier beim Kadett älteren Baujahrs sind breite Schlappen und schickes Räderwerk oft die ersten Tuning-Maßnahmen.
Der Astra hat den Kadett abgelöst und war gerade als Cabrio-Version sehr begehrt.
Markante Schweller und Schürzen - den neuen Opel Astra OPC kennzeichnet eine im Vergleich zum Basis-Astra dynamischere Optik.
Zur Zeiten der Finanzkrise sitzt das Geld nicht so locker. Ob sich das Fahrzeug, ein Opel-Corsa mit 25.000 Kilometern, jedoch verkaufen lässt, ist fraglich.
Der Opel Corsa B lief in den Jahren 1993 bis 2000 vom Band.
Ein beliebtes Fahrzeug der Mittelklasse, der Opel Vectra in der zweiten Generation
Der Vectra in der Deutschen Supertourenwagen-Meisterschaft. Opel hat dort viele Erfolge erzielen können.
Auf Basis der Lotus Elise baut Opel den Speedster. Eine Hommage an den Opel GT.
Bei Bedarf auch oben ohne ist der TwinTop mit seinem faltbaren Metalldach.
Der Opel Insignia ist Auto des Jahres 2009 und . . .
. . . hat wie sein Vorgänger Vectra viel Platz für Familien.
Wem der kleine Corsa zu langsam ist, greift zum Corsa OPC und tief ins Portemonnaie.
So könnte die Zukunft aussehen. Eine Studie, angetrieben mit Brennstoffzellen, . . .
. . . damit unsere Kinder in einer sauberen Umwelt noch Spaß mit sauberen Autos haben.

Über Tor 60 in der Nähe des Zentralgebäudes geht langsam die Sonne auf. Der Parkplatz ist voll, an einigen Autos wehen gelbe "Wir sind Opel"-Fahnen. Ein Dutzend Arbeiter der Samstagsonderschicht eilt durch die Drehkreuze. "Heute gehe ich voller Hoffnung auf die Arbeit", strahlt Maigorzata Astheimer. "Ich habe schon gestern Abend gedacht, dass das die beste Lösung ist. Wir waren alle für Magna."

Die 33-Jährige arbeitet seit zwei Jahren im Rüsselsheimer Opelwerk. Angst um ihren Arbeitsplatz hatte sie zwar nicht, aber erleichtert ist sie trotzdem. "Ich fühle mich mit Magna besser als mit Fiat." Dass in der nächsten Zeit Personal abgebaut werden könnte, glaubt sie nicht.

"Fiat hätte uns platt gemacht"

Josip Papic hält das dagegen für wahrscheinlich. "Schauen wir mal, wie viele Arbeitsplätze erhalten bleiben." Er ist seit 29 Jahren Opelaner und in der Fachabteilung Facility Management tätig. Vor Arbeitsbeginn um 5:45 Uhr hat er noch nichts von der Einigung mit Magna gehört, überrascht wirkt er dennoch nicht. "Das war die beste Entscheidung von den dreien. Magna war unser Favorit, weil die das beste Konzept hatten", freut sich der 45-Jährige. "Fiat hätte uns platt gemacht, die wollten eigentlich nur an unsere Technologie." Die vergangenen Tage seien eine Zitterpartie gewesen, erzählt Papic.

"Da wollten sich ein paar Politiker profilieren"

Mit der Arbeit der Bundesregierung ist er alles andere als zufrieden: "Da wollten sich ein paar Politiker auf unsere Kosten profilieren, das hätte man auch ein bisschen eleganter lösen können." Besonders für die Insolvenz-Option von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat er kein Verständnis: "Wir haben Aufträge, es sind 100.000 Autos vorbestellt und es läuft gut."

Auch Eduard Deckel versteht die Welt nicht mehr, wenn von Werksschließungen die Rede ist. "Wir arbeiten jeden Samstag, schaffen praktisch Tag und Nacht." Der 56-Jährige arbeitet seit vielen Jahren in der Instandhaltung. Über die nächtlichen Verhandlungen hat er noch nicht viel gehört: "Magna soll uns retten, aber mehr weiß ich noch nicht."

Neue Besen kehren gut?

Sein 51-jähriger Kollege kommt gerade von der Nachtschicht. Von der Opel-Rettung hat er im Radio erfahren. "Eigentlich heißt es ja, neue Besen kehren gut, aber mal gucken, was sie machen", sagt er. Mit der Entscheidung ist er trotzdem zufrieden und froh, dass nicht Fiat den Zuschlag bekommen hat: "Die fahren doch dieselbe Palette wie wir." Die Angst um den Arbeitsplatz sei in den vergangenen Wochen immer größer geworden, berichtet er. "Es gibt Leute, die haben ein Haus gekauft und mit dem Rücken an der Wand gestanden."

Kort Ödemis ist noch müde und in Eile, er will nicht zu spät kommen. Vom Vorvertragsabschluss mit Magna zeigt sich der der 22-Jährige völlig überrascht. Dass sein Arbeitsplatz nun wohl vorerst gerettet ist, findet er "cool". Kaum ist er durch das Drehkreuz getreten, überbringt er einem Kollegen die gute Neuigkeit.

(Clarice Wolter, AP, N24)

30.05.2009 09:59 Uhr

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