Schutzpatron heißt Oscar

Bulldozer verschonen Hütten

Durch die Elendsviertel in Mumbai fahren die Bulldozer und machen alles platt. Alles? Nein, der Oscar scheint die Hütten der Kinderstars aus dem Streifen "Slumdog Millionaire" zu schützen.

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Der Vater des zehnjährigen Azharuddin Mohammed Ismail sitzt vor seiner Hütte, die von den Bulldozern verschont blieb.
Video: Trailer zum Film - Neu im Kino: "Slumdog Millionär"
"Slumdog Millionär" ist ein wahres Filmmärchen: Das indische Epos sollte eigentlich als DVD verramscht werden. Erst als das mitreißende Abenteuer auf Filmfestivals bejubelt wurde, fand sich ein Vertrieb, der es doch ins Kino bringen wollte. Der ...
... Siegeszug setzte sich von Preis zu Preis fort - bis zur Oscar-Verleihung, wo der Streifen über Karma, Geld und Liebe acht Auszeichnungen in den Hauptkategorien abräumte: Eine Erfolgsgeschichte, die eines Märchens wie "Slumdog Millionär" würdig ist.
Auch Jamal traut niemand etwas zu, als er in der indischen Quizsendung "Wer wird Millionär?" auftritt. Doch der Bursche …
… aus den Slums von Bombai, der mit seinem halboffenen Mund etwas bedeppert wirkt, gibt stets die richtige Antwort - sei es auf die Frage, wer auf dem Hundert-Dollar-Schein abgebildet ist, oder wer die drei Musketiere sind. Jamal wird ...
… zum Publikumsliebling. Vor der entscheidenden 20-Millionen-Rupien-Frage wird der Junge der Polizei ausgeliefert, die ihn "verhört". Der Ermittler ...
... glaubt fest daran, dass das Gossenkind schummelt. Als ...
… auch Folter kein Geständnis hervorbringt, muss Jamal alles haarklein erklären. In einem furiosen Hin- und Her …
… von Rückblenden, Quizsendung und Verhör entfaltet sich eine grausige Kindheit und Jugend, deren Schlüsselmomenten ...
... Jamal die Antwort auf alle Quizfragen verdankt.
Die Romanvorlage "Rupien! Rupien!" von Vikas Swarup hat Regisseur Danny Boyle ("Trainspotting", "The Beach", "Sunshine", "28 Days later") abgeändert ...
… und die Liebesgeschichte zum roten Faden gemacht. Jamal verliebt sich in das Straßenmädchen ...
... Latifa. Sie kürt er zum Leitstern seines Schicksals. Die Darstellerin …
… der erwachsenen Latifa, Freida Pinto, ist eine indische Filmdiva, international aber bisher ebenso unbekannt …
… wie der TV-Darsteller Dev Patel in der Heldenrolle. Das dürfte sich ...
... mit "Slumdog Millionär" nun geändert haben - der ...
... Oscar-Verleihung ...
... sei Dank.
Video: Slumdog-Millionär - Kinderstar ist obdachlos und lebt im Slum

Der Oscar schützt vor den Bulldozern: Rund 30 städtische Arbeiter haben mit schwerem Gerät zahlreiche Hütten in einem Elendsviertel der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai rund um die Behausung eines Kinderstars aus dem Film "Slumdog Millionaire" eingerissen. Die erst vor kurzem wieder aufgebaute Hütte der Familie des zehnjährigen Azharuddin Mohammed Ismail wurde jedoch intakt gelassen. "Azhar hat einen Oscar. Das respektieren sie", sagte sein Vater Mohammed Ismail.

Bulldozer machen Hütten platt

Jedoch sollten auch die übrigen Hütten nicht eingerissen werden, forderte er. Mit Hilfe eines Bulldozers machten die städtischen Behörden im Viertel Garib Nagar ("Stadt der Armen") etwa 18 Hütten platt. Ein gutes Dutzend weitere wurde schwer beschädigt. Die Stadt hatte den Abriss der Behausungen - auch jener von Azhar - schon vor gut zwei Wochen angeordnet, um Platz für neue Bauprojekte zu schaffen. In der folgenden Woche wurde in einer Parallelstraße die Hütte der kleinen "Slumdog"-Darstellerin Rubina Ali niedergerissen. Bis Samstag waren die meisten Hütten jedoch wieder aufgebaut - bis wieder der Bulldozer kam.

Laiendarsteller sollen Sozialwohnungen bekommen

Rubina spielt in dem Oscar-gekrönten Kinofilm die kleine Latika, die große Liebe von Jamal Malik, dem späteren Gewinner des Millionärsspiels. Azhar hat die Kinderrolle von dessen Bruder Salim inne. Zumindest für die Familien der beiden Laiendarsteller aus dem Film scheint sich eine glückliche Lösung abzuzeichnen. Die regionalen Behörden haben den beiden Familien Sozialwohnungen angeboten, die aus Mitteln der regierenden Kongresspartei bezahlt werden sollen. Zudem sollen die Familien auch mehr Geld aus der von den Filmproduzenten gegründeten Stiftung Jai Ho erhalten - für den Kauf einer Wohnung sowie für Lebensunterhalt und Ausbildung der Kinder.

(Erika Kinetz, AP, N24)

30.05.2009 19:13 Uhr

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