Applaus für Guttenberg

Vorbehalte gegen Opel-Rettungskonzept

Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat in seiner Haltung zur Rettung Opels Fürsprecher gefunden. Unterdessen segneten Hessen und Nordrhein-Westfalen ihren Teil der Opel-Bürgschaft ab.

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Nur zähneknirschend hatte sich Wirtschaftsminister Guttenberg hinter das Rettungskonzept gestellt. Er hatte sich bis zuletzt für eine geordnete Insolvenz Opels ausgesprochen.
Video: Opel-Rettung - Nach dem Deal ist vor dem Deal
Solidarität für Opel zeigen nicht nur die Mitarbeiter. Jetzt sind auch die Anhänger des angeschlagenen Autobauers auf die Straße gegangen.
Ein aufgespannter Regenschirm über dem Opel-Logo: Fans haben sinnbildlich ihren Rettungsschirm aufgespannt.
In Rüsselsheim fanden sich 3.500 Menschen ein. Der "Rettungsschirm" schützte auch gleichzeitig vor dem starken Regen.
Es erübrigt sich die Frage, wie die Opelaner anreisten. Vom Kleinwagen bis zum Oldtimer versammelten ...
... sie sich auf dem Parkplatz des Adam-Opel-Hauses und protzten mit dicken Spoilern oder ...
…mit getunten Pferdestärken Marke Eigenbau: In diesem Manta (Bj. 1986) ist eine drei-Liter-Maschine eines Opel Senators versteckt.
Ein Oldtimer-Liebhaber zeigte die Innenansichten seines Opel-Rekords oder …
… einen alten Opel-Blitz.
Es scheint, als ob dieser Fan wusste, dass Opel irgendwann mal viel Glück braucht.
Apropos Glück: Ein frisch vermähltes Pärchen ist nach der Trauung zur Solidaritätskundgebung gefahren und hat dort den Hochzeitskuss nachgeholt. Hoffentlich steht die Ehe unter einem guten Stern.
"Wir sind Opel" war an diesem Tag, …
... hundertfach auf den T-Shirts der Markenanhänger zu lesen.
Den Kindern wurde kurzerhand auch ein Shirt verpasst.
Eine besondere Showeinlage für die Opel-Fans: Der Solidaritätssong "Seht das Zeichen" wird bestimmt zum "Opel-Nummer-1-Hit“. Der wurde im übrigen von Mitarbeiter-Kindern gesungen.
Die Opel-Fans zeigten trotz schlechtem Wetter Durchhaltevermögen.
Kinder von Opel-Fans fahren natürlich kein einfaches Bobby-Car, sondern die Corsa-Variante mit dem Blitz.
Für die Kundgebung wurden manches Vehikel passend umgestylt: Ein Opel-Blitz als "Katastrophenkommando" oder …
… ein anderer Blitz mit der Aufschrift "Opel Rettung - Es brennt".
Die Fans zeigten viel Kreativität: Hier wurde kurzerhand das Haupthaar genutzt.
Auch bei den Opel-Mitarbeitern haben sich in den letzten Wochen bei den zahlreichen Kundgebungen einige kreative Highlights heraus kristallisiert.
Der Kinofilm "Free Willy" wurde in "Free Opel" umgetauft.
"Yes we can", der Leitspruch von US-Präsident Barack Obama wurde ebenfalls verwendet und etwas umfunktioniert.
Und ganz traditionell wurde in die Reimkiste gegriffen: "Der Enkel und der Opa woll'n Opel für Europa".
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Die vier Opel-Brüder mit dem "Quintuplet". Vier Jahre nach dem Tod des Vaters Adam Opel bauten die Söhne Carl und Wilhelm im Jahr 1899 den ersten Opel-Patent-Motorwagen.
Lange bevor Autos vom Band rollten, stellte die Firma Fahrräder her.
Als erster Opel rollt der "Lutzmann" im Jahre 1899 aus der Opel-Fabrik. 4 PS, Einzylinder-Heckmotor mit Wasserkühlung, nach den Plänen des Dessauer Hofwagenbaumeisters Friedrich Lutzmann ähnelt er einer Pferdekutsche.
Der "Opel Doktorwagen" vom Typ Torpedo aus dem Jahr 1911.
Ein Opel Laubfrosch aus dem Jahr 1924 läuft immer noch. Passend zum Namen ist auch die Farbe gewählt.
Fließbandproduktion im Jahr 1924 bei der Adam Opel AG.
Heute übernehmen Präzisionsroboter viele Aufgaben in der Autoproduktion.
Aus den Jahren 1933 und 1939 stammen das 1,2 Liter-Fahrzeug (links) und der "Admiral" mit 3,6 l-Motor (rechts).
Mit ihrem "Opel Super 6 Cabriolet" aus dem Jahre 1937 nehmen die Besitzer an Rallyes teil, die oft weit über 2000 km reichen.
Auf Ausstellungen immer ein Hingucker sind die Opel mit jeder Menge Chrom.
Mit seinem Opel Rekord aus dem Jahr 1956 fährt Hilmar Born vom Opel-Museum Herne am 18.10.2004 am Opel-Werk I in Bochum vorbei. Er brachte Brötchen und Getränke für die Mitarbeiter. Die Opelaner streiken gegen betriebsbedingte Kündigungen.
Der Opel Olympia aus dem Jahre 1964 im Gespann mit einem aufklappbaren historischen Wohnwagen Heiser-Austermann "Knospe".
Ohne Höhenangst - die sogenannte Hydra-Matic verbesserte auch die Bergsteigfähigkeit des Opel-Kapitän.
Mehr als nur ein Name: In den 60ern spiegelten die Modellbezeichnungen auch den sozialen Aufstieg wieder. Dem Opel-Modell Kadett etwa folgten in der Hierarchie der Kapitän, Commodore und Admiral.
Generationstreffen - vom Vorkriegskadett bis zum Opel Kadett E.
Große Klappe beim Kadett A.
Wagen wie der von 1972 bis 1977 gebaute Opel Commodore B GS/E wecken heute nostalgische Gefühle.
Den Commodore GS gab es auch mit verbreiterten Kotflügeln, das Auge fährt schließlich mit.
Der Auftritt des Opel Admiral wurde von dem mächtigen, chrombeladenen Kühlergrill bestimmt.
Up, and down. Der Admiral als Lowrider. Ein fast amerikanisches Auto.
Den Opel Ascona B in verschiedenen Motorisierungen für den Normalfahrer und . . .
. . . auf Basis des Ascona 400 als erfolgreiche Rallye-Version. Mit dem Wettbewerbsmodell gewann Walter Röhrl für Opel die Rallye-Weltmeisterschaft.
Der Manta in der Mitte - die Opel Coupe-Familie vom Rekord bis zum Tigra.
Der Manta mit "Kriegsbemalung" - für Fahrer, die es rasant mochten, gab es die stärkeren Versionen mit der schwarzen Kühlerhaube.
Gerade der Manta wurde gern “verbastelt“ und geriet dadurch eine Zeitlang zum Witz.
Wie hier beim Kadett älteren Baujahrs sind breite Schlappen und schickes Räderwerk oft die ersten Tuning-Maßnahmen.
Der Astra hat den Kadett abgelöst und war gerade als Cabrio-Version sehr begehrt.
Markante Schweller und Schürzen - den neuen Opel Astra OPC kennzeichnet eine im Vergleich zum Basis-Astra dynamischere Optik.
Zur Zeiten der Finanzkrise sitzt das Geld nicht so locker. Ob sich das Fahrzeug, ein Opel-Corsa mit 25.000 Kilometern, jedoch verkaufen lässt, ist fraglich.
Der Opel Corsa B lief in den Jahren 1993 bis 2000 vom Band.
Ein beliebtes Fahrzeug der Mittelklasse, der Opel Vectra in der zweiten Generation
Der Vectra in der Deutschen Supertourenwagen-Meisterschaft. Opel hat dort viele Erfolge erzielen können.
Auf Basis der Lotus Elise baut Opel den Speedster. Eine Hommage an den Opel GT.
Bei Bedarf auch oben ohne ist der TwinTop mit seinem faltbaren Metalldach.
Der Opel Insignia ist Auto des Jahres 2009 und . . .
. . . hat wie sein Vorgänger Vectra viel Platz für Familien.
Wem der kleine Corsa zu langsam ist, greift zum Corsa OPC und tief ins Portemonnaie.
So könnte die Zukunft aussehen. Eine Studie, angetrieben mit Brennstoffzellen, . . .
. . . damit unsere Kinder in einer sauberen Umwelt noch Spaß mit sauberen Autos haben.

Das in der Nacht zum Samstag ausgehandelte Rettungskonzept für den Autobauer Opel stößt auf Skepsis bei der Union und der Opposition. Am Sonntag tagten die Haushaltsausschüsse der Parlamente in Berlin, Wiesbaden und Düsseldorf, es wurden aber keine Voten gegen das Rettungskonzept erwartet.

Der Vorsitzende der CSU-Mittelstandsunion, Hans Georg Michelbach, kritisierte die Lösung als schädlich für mittelständische Autozulieferer. Haushälter von Grünen und FDP verlangten vor allem Aufklärung und Transparenz. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Jürgen Koppelin forderte vergeblich das persönliche Erscheinen von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor dem Haushaltsausschuss. Es kamen Finanzminister Peer Steinbrück und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Es ging um Information des Ausschusses, dessen formeller Zustimmung das Rettungskonzept nicht bedarf.

In Wiesbaden stimmte der Haushaltausschuss des hessischen Landtags der Landesbürgschaft für die Rettung von Opel zu. Der hessische Anteile in Höhe von 447 Millionen Euro ist mit Abstand der größte aller Opel-Länder, weil in Rüsselsheim das Stammwerk mit der höchsten Zahl an Beschäftigten des Konzerns steht. Auch Nordrhein-Westfalen gab grünes Licht für die staatliche Überbrückungshilfe an Opel. Der Haushalts- und Finanzausschuss des Düsseldorfer Landtags stimmte einer Bürgschaft einstimmig zu. Damit wird NRW für 150 Millionen der insgesamt 1,5 Milliarden Euro umfassenden Opel-Hilfe von Bund und Ländern bürgen.

CSU lobt Guttenbergs skeptische Haltung

Michelbach meinte, mit dem Einsteig des internationalen Automobilzulieferers Magna dürfte es für viele bisherige Zulieferpartner von Opel erheblich schwieriger werden, Anschlussaufträge zu erhalten. "Magna wird in erster Linie an der Auslastung seiner eigenen Zulieferkapazitäten interessiert sein", warnte Michelbach in München. Zudem bestehe die Gefahr, dass "Magna intensiven Einblick in Entwicklungen der Konkurrenten erhält und deren Innovationen auf dem internationalen Markt frühzeitig selbst verwertet". Ferner seien mit der jetzigen Lösung eine Rettung für Opel und die Rückzahlung der Staatshilfen keineswegs sicher.

Michelbach lobte "die klare ordnungspolitische Linie von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Ringen um die Zukunft von Opel". Eine geordnete Planinsolvenz hätte eine saubere und zukunftsfähige Lösung für Opel gebracht, die dem Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft eher entsprochen hätte. "Dass der Bundeswirtschaftsminister für diese Lösung bis zuletzt gekämpft hat und über die Entscheidung hinaus Haltung zeigt, trägt ihm hohe Anerkennung in der Wirtschaft ein."

Dudenhöffer: Magna "beste Wahl"

Koppelin erklärte, die Bundeskanzlerin müsse begründen, warum es im Bundeskabinett eine Entscheidung gegen die Auffassung Guttenbergs gegeben habe. "Der Haushaltsausschuss hat Anspruch darauf, im vollen Umfang informiert zu werden." Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Alexander Bonde, erwatete, "dass die Bundesregierung offen und transparent macht, was die Verabredungen zum Opel-Konzept sind". Die Grünen wollten vor allem wissen, "wer welche Teile des Risikos trägt, um die möglichen Belastungen für die Steuerzahler einschätzen zu können". Außerdem erwarteten sie klare Aussagen über die aktuelle Krisenstrategie und das Zukunftskonzept für Opel.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hingegen sieht in der Entscheidung für Magna die "beste Wahl, die man hätte treffen können". Opel könne sich so auf dem europäischen Markt weiter "ohne Konkurrenz im eigenen Hause" entfalten. Zudem stehe für Opel durch Magna auch der russische Markt "ganz weit offen", während durch die verbleibenden Anteile des US-Mutterkonzerns General Motors zugleich auch China und Nordamerika als Absatzmarkt infrage kämen.

Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier rechnet damit, dass bei der Erschließung neuer Märkte für Opel in Osteuropa Altbundeskanzler Gerhard Schröder (beide SPD) eine Rolle spielen wird. "Magna setzt unter anderem auf die Erschließung der osteuropäischen Märkte. Das ist doch klar, dass sie mit Blick auf Russland auch Kontakt zu Schröder suchen", sagte Steinmeier.

Guttenberg dachte über Rücktritt nach

Guttenberg wollte nach Informationen der "Bild am Sonntag" während der Verhandlungen in der Nacht zum Samstag zurücktreten. Guttenberg machte laut Zeitung unmissverständlich klar, dass er die Magna-Lösung wegen der Risiken für den Steuerzahler "nicht mittragen" werde. Dabei sei auch das Wort "Rücktritt" gefallen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihren Minister aber davon abhalten können.

Magna-Chef Frank Stronach kündigte unterdessen den Aufbau einer kanadischen Automobilindustrie an. "Wir werden Opel-Autos in Kanada bauen", sagte er. Er wisse aber nicht, wo in Kanada Autos produziert werden könnten. "Ich weiß, wir sind wettbewerbsfähig, ich weiß, wir können Jobs in Kanada und den Vereinigten Staaten schaffen", sagte er.

(AP, AFP, ddp, dpa, N24)

31.05.2009 14:00 Uhr

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