Aus für Labbadia?

Bayer "Vizekusen" vor dem Umbruch

Das enttäuschende 0:1 im Pokalfinale gegen Werder Bremen war nur die Krönung für die verkorkste Situation bei Bayer Leverkusen. Bruno Labbadia hat sich mit allen überworfen und steht vor dem Aus.

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Nach dem verlorenen Pokalfinale wird es einsam um Bayer-Trainer Bruno Labbadia. Selbst die Spieler gehen auf Distanz.
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Ein später Triumph für Werder Bremen: Nach einer verkorksten Saison wurden die Nordlichter am Ende doch noch vom Erfolg geküsst - und durften wie hier Mesut Özil und Sebastian Boenisch selbst den DFB-Pokal küssen.
Und das war vollkommen verdient: Werder Bremen, mit einem starken Diego bei seiner Abschiedsvorstellung, ...
... war über die gesamte Spielzeit die klar bessere Mannschaft.
Was Bayer Leverkusen bot, war in der Tat keinen Titel wert. Ins Spiel der Werkself schlich sich Nervosität ein, die Pässe kamen nicht an.
Vielleicht lag die Schwäche ja auch um den Trubel um ...
... Trainer Bruno Labbadia. Der junge Coach hatte im Vorfeld des Spiels in einem Interview offenbart, wie tief die Gräben zwischen ihm und der Vereinsführung sind.
Optimale Ausgangssituation für den besonnenen Werder-Trainer Thomas Schaaf. Nach der 1:0-Führung durch Mesut Özil in der 58. Minute häufte sich der Blick auf die Uhr.
Für Mesut Özil war das Tor indessen ein Besonderes. Auf ihm ruhen die Hoffnungen der Bremer, die durch Diegos Weggang entstandene Lücke zu schließen. Ist das die Zukunft des Werder-Spiels?
Als das Spiel dann zu Ende war, gab es ...
... dann kein Halten mehr. Der zurückhaltende Thomas Schaaf lernte unfreiwillig das Fliegen. Es wird ihn kaum gestört haben, darf er ...
... den Werder-Verantwortlichen in dieser Saison schließlich doch noch eine Trophäe in die Vitrine stellen.
Und auch für die Zukunft des Vereins war der Erfolg entscheidend: Durch den Sieg im DFB-Pokal nimmt Werder nächstes Jahr an der Europa League, dem Nachfolger des UEFA-Pokals teil - ein Millionengeschäft. Wir freuen uns schon!
Tja, lieber Jürgen Klinsmann: Satz mit X? Das war wohl nix!
Alles Schreien, ...
... alle Wutausbrüche ...
... und alle Verzweiflung ...
... waren am Ende vergebens.
Zum Schluss wollten Deine Chefs schon gar nicht mehr hinsehen, ...
... die Fans forderten Deinen Rauswurf, ...
... die Spieler konnten auch nicht mehr mit Dir, ...
... und von der Presse gab es Spott und Häme.
Vorbei die Zeit, in der Dich alle noch lieb hatten, ...
... auch wenn es manchmal eher so aussah, als nähmen sie Dich in den Schwitzkasten.
Die Lehrstunde in Barcelona ...
... und dann auch noch die blamable Heimschlappe gegen Schalke waren einfach zu viel des Guten.
Was Dir als Bayern-Spieler mit Leichtigkeit geglückt ist, ...
... wird Dir als Trainer leider verwehrt bleiben. Der Griff ...
... zur Schale. Den soll nun auf den letzten Bundesliga-Metern ...
... ein anderer tun: Jupp Heynckes. Für Dich, lieber Jürgen Klinsmann, ...
... muss sich das wie ein Ballschuss ins Gesicht anfühlen. Mit Jupp Heynckes dürfte sich die Spielphilosophie des FC Bayern ungefähr um 180 Grad drehen.
Aber was soll's? Wer will schon dauernd in Lederhosen rumlaufen, und schließlich ...
... gibt es ja auch noch schöne Erinnerungen jenseits der Bayern ...
... und die eine oder andere Job-Alternative. Und sollten alle Stricke reißen, ...
... dann wissen wir ja: In Kalifornien ist es eh am schönsten (Collage: N24.de).

Nachdem Bayer "Vizekusen" seinem Ruf einmal mehr alle Ehre gemacht hatte und die Saison endgültig in Trümmern lag, begann bei Bayer Leverkusen das große Hauen und Stechen. Trainer Bruno Labbadia setzte vor seinem wohl bevorstehenden Rauswurf zum großen Rundumschlag an, die Spieler äußerten unverhohlen Kritik am ungeliebten Coach und die Verantwortlichen machten gute Miene zum bösen Spiel.

Nach dem enttäuschenden 0:1 (0:0) gegen Werder Bremen im DFB-Pokalfinale in Berlin war es mit der einst so heilen Fußball-Welt bei Bayer endgültig vorbei. "Wir haben einiges aufzuarbeiten", sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser vor dem großen Krisengipfel am Dienstag und kritisierte Labbadia für seinen Interview-Marathon zur Unzeit: "Stil und Zeitpunkt waren unglücklich. Wir müssen jetzt versuchen, einen Kompromiss zu finden."

Rudi Völler bewahrt Haltung

Dieser Kompromiss kann eigentlich nur auf eine Entlassung des 43-Jährigen hinauslaufen. Einen Tag vor dem Finale hatte Labbadia, der beim Hamburger SV als Nachfolger von Martin Jol im Gespräch sein soll, Spieler und Verantwortliche harsch kritisiert und damit wohl endgültig jede Basis für eine weitere Zusammenarbeit zerstört. Die Mannschaft müsse raus aus der Komfortzone, sagte Labbadia und machte auch vor den Bayer-Bossen, insbesondere Manager Michael Reschke, nicht halt: "Es gibt für mich nichts Schlimmeres, als wenn Menschen Intrigen spinnen und auch nichts auf den Tisch bringen, wenn etwas im Raum steht."

Sportchef Rudi Völler dürften die Aussagen keineswegs gefallen haben, der Weltmeister von 1990 bewahrte aber Haltung. Nach ein paar warmen Worten für Labbadia ("Hat großes Potenzial") wurde dann aber auch Völler deutlich: "Es haben sich einige Dinge angestaut. Es kommt alles auf den Tisch. Das machen wir sehr intern und sehr direkt, dann sehen wir weiter."

Spieler sind sauer

Das Tischtuch zwischen Spielern und Trainer ist aber offenkundig zerschnitten. "Normalerweise ist man von dem Verein gewöhnt, dass es ruhig zugeht. Da ist es schon komisch, solche Schlagzeilen zu lesen. Das hätte auch nächste Woche in der Zeitung stehen können. Aber das ist nicht mein Interview, nicht meine Baustelle. Wir haben uns jedenfalls nicht unprofessionell verhalten", meinte Patrick Helmes und Stefan Kießling antwortete auf die Frage nach der Zukunft des Trainers vielsagend: "Das ist schwer zu sagen, wenn man eine Rückrunde so katastrophal spielt."

Die Spieler werden aber laut Holzhäuser bei der Trainer-Entscheidung nicht mehr gefragt: "Die bekommen zum Monatsende pünktlich ihr Gehalt. Die Verantwortung übernehmen aber wir." Nach dem Absturz in der Liga auf Platz neun konnte Bayer den Schalter im Cup-Finale nicht mehr umlegen. Die Werkself war den Bremern klar unterlegen. "Durch den DFB-Pokal konnten wir die Saison noch etwas kaschieren. Es gibt viele Gründe für den Einbruch, ich will aber nicht näher darauf eingehen", sagte Kapitän Simon Rolfes, um schließlich im Hinblick auf das Spiel Labbadia noch einen mitzugeben: "Wenn man zurückliegt, sollte man schon mehr Risiko gehen." Rolfes sprach damit Labbadias schwer zu verstehende Entscheidung an, erst in der 85. Minute einen dritten Stürmer einzuwechseln.

Labbadia verdünnisiert sich früh

Er habe nicht soviele Schwachpunkte gesehen, begründete der Trainer seine Entscheidung: "Die Mannschaft hat bis dahin gut gespielt." Einwechslung hin oder her - das Verlierer-Image bekommt Leverkusen jedenfalls nicht los. "Ich bin jetzt seit elf Jahren hier und habe stolze sechs Vize-Titel erlebt. Das tut unendlich weh", sagte Holzhäuser und der geladene Ex-Trainer Klaus Toppmöller, der 2002 mit Bayer alles verspielt hatte, konnte dem auf der Saison-Abschlussfeier in einem umgebauten Schwimmbad am Prenzlauer Berg nur zustimmen.

Labbadia hatte sich im Gegensatz zur Mannschaft da schon rar gemacht - auch ein Zeichen, das auf Abschied hindeutete. Bayer verpasste damit zum zweiten Mal in Folge das internationale Geschäft. Fraglich bleibt, in wieweit die Mannschaft zusammengehalten werden kann. Der Schweizer Nationalspieler Tranquillo Barnetta liebäugelt bereits mit einem Abschied, dafür dürfte der vom VfB Stuttgart umworbene Patrick Helmes wohl bleiben: "Ich habe noch einen Vertrag bis 2013. Ich fühle mich wohl. Die Mannschaft hat noch einiges vor sich. Deshalb bin ich mit Sicherheit nächste Saison hier." Labbadia kann das nicht von sich behaupten.

(Stefan Tabeling und Tom Vaagt, sid, N24)

31.05.2009 11:39 Uhr

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