Der US-Präsident kommt und Dresden ist aus dem Häuschen. Deutschland ist bei Obamas Europareise zwar nur ein kleiner Abstecher, dennoch lauern politische Fallstricke.
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Die Dresdner können sich die Willkommensfähnchen für Barack Obama aus dem Internet herunterladen, doch ob sie den US-Präsidenten auch zu Gesicht bekommen, ist äußerst ungewiss. Deutschland ist ein Nebenschauplatz auf seiner Reise in den Nahen Osten und nach Europa. Eine Massenkundgebung wie voriges Jahr an der Siegessäule oder eine große Bühne für deutsche Politiker sind nicht vorgesehen. Doch Nebenschauplatz heißt nicht Nebensache: Dresden und Buchenwald sind wichtige Spannungspunkte des historischen Bogens, den Obama diese Woche schlagen will.
Den Höhepunkt seiner Reise dürfte der US-Präsident gleich am Anfang mit einer Ansprache an die islamische Welt am Donnerstag in Kairo setzen. Deutschland kommt hier nach Ansicht des Politologen Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) ins Spiel, weil es zur Umsetzung von Lösungskonzepten gebraucht wird, vom Iran über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern bis hin zu Pakistan und Afghanistan. Immer im Hinterkopf habe Obama dabei die Wirtschaftskrise. "Außenpolitik ist zweitrangig, und damit sind wir auch zweitrangig", sagt Braml über den Stellenwert Deutschlands für die USA.
Frieden zwischen dem Westen und dem Islam zu schaffen, könnte Obama als ähnlich große Aufgabe darstellen wie seinerzeit den Zweiten Weltkrieg, spekuliert der Politikwissenschaftler Dieter Herz von der Universität Erfurt. Die Landung der Westalliierten in der Normandie 1944 und die Befreiung der Konzentrationslager 1945 empfinden die Amerikaner als sehr positive Kapitel ihrer Geschichte. "Diese Bezugspunkte wird er mit Sicherheit sehr sorgfältig aufgreifen", sagt Herz. Obama denke sehr stark in historischen Kategorien. Er sei ein intellektueller Präsident, ganz anders als Vorgänger George W. Bush. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bedeutet dies eine Umstellung nach dem Texaner Bush, der sich gern zum hemdsärmeligen Grillabend einladen ließ und ein eher sentimentales Geschichtsverständnis hatte. Ganz andere Bilder dürften entstehen, wenn sie Obama am Freitag ins ehemalige KZ Buchenwald begleitet, zu dem der US-Präsident einen ganz persönlichen Bezug hat, weil sein Großonkel an der Befreiung des Außenlagers Ohrdruf mitwirkte.
Politische Gespräche statt einem "Bad in der Menge"
Auch in Dresden geht es nicht um freundliche Foto-Ops mit Frauenkirche. Die Zerstörung der Stadt durch alliierte Luftangriffe ist für Obama ein heikles Thema. Konservative Kreise in den USA haben ihn schon in Verdacht, er wolle sich in Europa für den Zweiten Weltkrieg "entschuldigen". Geplant sind nüchterne politische Gespräche statt einem "Bad in der Menge", das sich Merkel oder Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vielleicht gewünscht hatten.
Die Bundesregierung ist laut einem Bericht des "Spiegel" gar nicht erfreut darüber, die Besuchsplanung so völlig den Vorstellungen des Gastes unterordnen zu müssen. Ob ein Treffen mit Steinmeier geplant sei, darauf könne er noch keine konkrete Antwort geben, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Dienstag. Dabei hätte gerade Steinmeier ein bisschen Wahlkampfhilfe verdient gehabt. Hatte er doch anders als Merkel dafür geworben, den Kandidaten Obama im Juli 2008 am Brandenburger Tor auftreten zu lassen. Letztlich fand die Kundgebung dann in Sichtweite an der Siegessäule statt.
Die Sachsen und die Thüringer lassen sich den Besuch von solchen diplomatischen Spannungen bisher nicht verdrießen. Die Stadt Dresden informiert auf einer eigens eingerichteten Website (www. obama.dresden.de) über Protokollvorschriften für den Fall, dass ein Bürger doch auf den Präsidenten trifft. Zwar sei der Hype etwas abgeflaut, sagt Herz. Doch Obama genieße selbst bei den eher Amerika-skeptischen Ostdeutschen "nach wie vor sehr, sehr hohes Ansehen".