Ahmadinedschad / Mussawi

Iran: Kopf-an-Kopf-Rennen bei Präsidentenwahl

Schlangen vor Wahllokalen, Rekordbeteiligung: Die Präsidentenwahl im Iran ist ein Renner. Das einzige Problem: Amtsinhaber Ahmadinedschad und Herausforderer Mussawi riefen sich beide als sieger aus.

Das Lager von Mir Hossein Mussawi hat bei der Präsidentenwahl im Iran den Sieg für seinen Kandidaten beansprucht. Ein enger Mussawi-Mitarbeiter sagte, Mussawi habe sich nach seinen Informationen bereits in der ersten Runde gegen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad durchgesetzt. Mussawi habe "65 Prozent" der Stimmen geholt, sagte der Mitarbeiter, der sich auf Informationen aus den Provinzen und aus der Hauptstadt Teheran berief, ohne dies näher zu erläutern.

Wenig später verkündete Mir Hossein Mussawi selbst vor Journalisten, er habe "entsprechend den Informationen, die wir erhalten haben", die Wahl mit beträchtlichem Vorsprung gewonnen.

Die Wahllokale sollten offiziell bereits um 19.30 Uhr MESZ schließen, allerdings warteten vielerorts derart lange Schlangen vor den Wahllokalen, dass auch diese Wähler nach Angaben des Innenministeriums noch ihre Stimme abgeben können sollten.

Die Stimmenzählung sollte erst nach Abgabe der letzten Stimmen beginnen. Vorläufige Ergebnisse wurden für Samstag, 04.00 Uhr (Ortszeit; 01.30 Uhr MESZ) erwartet. Mehr als 80 Prozent der über 46 Millionen Wahlberechtigten wollten nach ersten Schätzungen ihre Stimme abgeben.

Ahmadinedschad vs. Mussawi

Die Wähler entscheiden darüber, ob der konservative Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad mit seinem Konfrontationskurs gegen den Westen oder der liberale frühere Regierungschef Mir Hossein Mussawi das höchste per Wahl besetzte Staatsamt im Iran bekommen. Allerdings ist die Macht des Präsidenten durch den großen Einfluss des Obersten geistlichen Führers, Ayatollah Ali Chamenei, und die ihm unterstellte Revolutionsgarde begrenzt.

Der frühere iranische Präsident Mohammed Chatami sah Mussawi bereits als Sieger der Präsidentenwahl. Er sagte nach der Stimmabgabe: "Alle Hinweise deuten darauf hin, dass Mussawi gewonnen hat." Der ehemalige Präsident, der ebenfalls zum Flügel der Reformer zählt, hat Mussawis Kandidatur unterstützt.

Alle Kundgebungen verboten

Der vierwöchige Wahlkampf wurde von harten Auseinandersetzungen zwischen Mussawi und Ahmadinedschad geprägt. Der 67-jährige Mussawi, der in den 80er Jahren Ministerpräsident war, warf Ahmadinedschad vor, er lenke den Iran in eine Diktatur. Die Revolutionsgarde warnte das Reformlager, sie werde jede "Revolution" der "grünen Bewegung" Mussawis zerschlagen. Das Innenministerium gab unterdessen bekannt, dass alle Kundgebungen und politischen Versammlungen bis zur Bekanntgabe der Ergebnisse am (morgigen) Samstag verboten waren.

Der geistliche Führer Ayatollah Ali Chamenei rief die Wähler zur Ruhe auf. Wenn einige Spannungen schaffen wollten, dann würde dies dem Volk nur schaden, mahnte Chamenei, der offiziell keine Präferenz für einen der vier Kandidaten erkennen ließ. Neben Ahmadinedschad und Mussawi sind dies der Reformer und frühere Parlamentspräsident Mahdi Karrubi sowie der konservative ehemalige Kommandeur der Revolutionsgarden Mohsen Resaei.

Letzeren wurden nur geringe Chancen eingeräumt. Sie könnten die jeweils führenden Kandidaten ihres Lagers jedoch um die absolute Mehrheit bringen, so dass eine Stichwahl erforderlich würde. Diese würde am 19. Juni stattfinden.

Mussawis Frau für Mobilisierung der Jugend wichtig

Besonders jüngere Iraner unter 30, die gut ein Drittel der Stimmberechtigten ausmachen, unterstützen Mussawi. Sie versprechen sich von ihm größere persönliche Freiheiten, eine Öffnung zum Westen und eine bessere Wirtschaftspolitik. Für die Mobilisierung der Jugend, insbesondere junger Frauen, hat Mussawis beliebte Ehefrau Sarah Ranahward, eine frühere Universitätsdekanin, entscheidend beigetragen.

Ahmadinedschad hat seine Anhänger dagegen bei der Landbevölkerung und den Armen im Süden von Teheran. Er zeigte sich bei seiner Stimmabgabe siegessicher. Seine Gegner werfen ihm vor, den Iran mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik und seinem harten Konfrontationskurs gegenüber dem Westen an den Rand des Abgrunds geführt zu haben.

Obama: Wandel möglich

US-Präsident Barack Obama hält nach der iranischen Präsidentenwahl einen Wandel in den amerikanischen Beziehungen zu der islamischen Republik möglich. Darauf deute die "robuste Debatte" im Wahlkampf zwischen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad und dessen liberalen Herausforderer Mir Hossein Mussawi hin, sagte Obama. Egal wer nun gewinne: Allein die Debatte könnte das von seiner Regierung nach 30-jähriger Eiszeit eingeleitete Tauwetter in den amerikanisch-iranischen Beziehungen weiter voranbringen, sagte Obama.

(dpa, N24)

11.06.2009 17:19 Uhr

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