Selbst zusammenstellen

Fertige Reiseapotheken taugen nichts

Um im Urlaub gegen alle Eventualitäten gerüstet zu sein, vertrauen viele auf fertige Reiseapotheken. Dabei enthalten diese oft nicht die notwendigen Mittelchen für alle Destinationen.

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Reisende sollten lieber überlegen, was sie brauchen und sich die Reiseapotheke selbst zusammenkaufen.

"Ab ans Meer" heißt die fertige Reiseapotheke, die für 19,99 Euro im Handel ist. Darin hübsch verpackt: Lippenherpescreme, Augen- und Ohrentropfen, Gel gegen Mückenstiche sowie eine Lotion nach dem Sonnenbad. Nur - gegen gängige Urlaubserkrankungen wie Magen-Darm-Probleme oder Erkältung nutzt das rein gar nichts. Das Fernreise-Set für 2 Personen zum stolzen Preis von 139,99 Euro kann sogar gefährlich werden, wenn einen das Gelbfieber schüttelt und das falsche Schmerzmittel im Gepäck ist.

Viele Fertig-Angebote seien beliebig zusammengestellt und ihr Geld nicht wert, winken Experten einmütig ab. Ist die Ausstattung im Ernstfall nicht zu gebrauchen, muss der Urlauber medizinische Hilfe in Touristenhochburgen oft teuer bezahlen. Vor allem für ältere Menschen und chronisch Kranke ist eine optimale Ausstattung wichtig.

Grundausstattung plus besondere Mittelchen

Wer optimal für Wehwehchen und Erkrankungen im Urlaub gerüstet sein will, sollte seine Reiseapotheke am besten selbst zusammenpacken, rät Mathias Arnold, Vorstandsmitglied der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA). Das sei nicht nur maßgeschneidert, sondern meist auch deutlich billiger.

Die Reisemediziner des Autoclubs ADAC empfehlen jedem Reisenden eine Grundausstattung aus Schere, Pflaster, Wunddesinfektionsmittel, Sonnencreme, Pinzette, Fieberthermometer, Insektenschutz sowie Präparaten gegen Husten und Schnupfen. Welche Pillen, Tropfen und Salben darüber hinaus noch mit müssen, hängt immer davon ab: Wo geht es hin, in welcher Jahreszeit, wird im Urlaub Sport getrieben und hat der Reisende chronische oder akute Gesundheitsschwächen, sagt Arnold. Konkrete Hilfestellung beim Zusammenstellen von unterschiedlichsten Reiseapotheken bietet das Deutsche Grüne Kreuz in Marburg gegen eine Schutzgebühr von 2 Euro unter dgk.de.

Dental-Sets höchstens für den Dschungel

Reine homöopathische Urlaubs-Sets seien meist teuer, aber nicht erste Wahl für den, der in den Ferien schnell wieder fit sein wolle, betont der Apotheker aus Halle. Spezielle Dental-Ausrüstungen, mit denen sich Reisende im Notfall selbst Zahnkronen und Füllungen richten können, machten höchstens in Gegenden weitab jeder Zivilisation Sinn. Für Abenteuer- oder exotische Fernreisen reicht eine fertige Komplettapotheke mit beliebig zusammengemixten Medikamenten ohnehin nicht aus.

Das Grüne Kreuz hält es für sinnvoll, sich je nach Reiseziel und persönlichem Gesundheitszustand einige Wochen vorher schon vom Arzt oder Apotheker beraten zu lassen - vor allem, wenn es in Länder geht, wo die medizinische Versorgung bekanntermaßen mangelhaft ist, wo Prophylaxe- und Impfmaßnahmen notwendig werden. "Unwissenheit kann gefährlich sein. Wer in Gegenden fährt, wo Gelbfieber, Malaria oder die Schlafkrankheit angesagt sind, verbieten sich beispielsweise Schmerzmittel, die das Blut schneller gerinnen lassen", gibt Apotheker Arnold zu bedenken. Fernreisende sollten sich in jedem Fall informieren, bevor sie ihren Medikamentenmix einpacken.

Empfehlenswert: Elektronische Gesundheitskarte

Zusätzlich zur optimalen Reiseapotheke empfiehlt sich vor der Abreise das Anlegen einer elektronischen Gesundheitsakte, die durch einen Arzt geführt werden kann. Empfehlenswert sei der Service insbesondere für Ältere und chronisch kranke Reisende wie Allergiker, Diabetiker oder Asthmatiker, erläutert Lothar Münnix, Arzt und Geschäftsführer des Centrums für Reisemedizin in Düsseldorf (CRM). In der webbasierten Datei könnten Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme aufgelistet werden, Blutdruckwerte, Diagnosen, Arztbriefe, Medikamente oder Röntgenbilder.

Die Daten seien dann im Notfall überall auf der Welt abrufbar. Der Aktenbesitzer bestimmt nach CRM-Angaben allein, welche Informationen er ablegen möchte und wem er erlaubt, auf diese Daten zuzugreifen. Erkrankt er am Urlaubsort, kann er einen Arzt vor Ort berechtigen, seine Akte einzusehen, um ihn auf Basis fundierter Daten bestmöglich zu behandeln. Speziell für medizinische Notfälle eingetragene Notfalldaten stehen Ärzten auch unabhängig von einer Berechtigung zum Abruf bereit.

(AP, N24)

12.06.2009 08:57 Uhr

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