Sie befinden sich in: Nachrichten » Computer & Technik

 

Overchicked und Blogorhö

Online-Wörterbuch stellt Jugendsprache vor

Bei Jugendlichen gehören "Achselterror" und "Blogorhö" zu den Trendausdrücken. Die meisten anderen Menschen können aber wohl nur wenig damit anfangen. Das soll eine neue Internetseite ändern.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Bankster? Vollhorst? Auf Szenesprachenwiki.de können sich Unwissende die neuesten Jugendszene-Ausdrücke übersetzen lassen.
Prostitution: Wirtschaftsminister Michael Glos, hier bei der Grünen Woche in Berlin, nannte in Oppositionszeiten den damaligen Außenminister Joschka Fischer einen "Zuhälter".
Fischer selbst, hier bei seiner Vereidigung zum hessischen Umweltminister, war auch nicht immer zimperlich. Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen kanzelte er schroff ab: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch."
Fischers Kumpel Gerhard Schröder am Wahlabend 2005: "Glauben Sie im Ernst, dass meine Partei auf ein Gesprächsangebot von Frau Merkel einginge, in dem sie sagt, sie möchte Bundeskanzlerin werden? Wir müssen die Kirche mal im Dorf lassen!"
Noch einer aus der rot-grünen Riege: Wolfgang Thierse ging Altkanzler Helmut Kohl hart an. "Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal." Thierse nahm später seine Aussage zurück.
Legte sich mit der Kirche an: Claudia Roth nannte Bischof Walter Mixa einen "durchgeknallten, spalterischen Oberfundi". Die Reaktion: Roth weise "faschistoide Züge" auf, von NS-Propagandahetze war die Rede.
Apropos NS-Vergleiche - der polnische EU-Parlamentarier Maciej Giertych über Kanzlerin Merkel: "Hitler wollte auch eine Supermacht schaffen. Angela Merkel handelt ähnlich, aber sie ist geschickter."
Italiens Immer-Wieder-Ministerpräsident Silvio Berlusconi schlägt in dieselbe Kerbe: Wegen seiner Kritik an Berlusconi empfahl er den deutschen EU-Parlamentsabgeordneten Martin Schulz für die Rolle des KZ-Aufsehers in einem Spielfilm.
Immer für einen gut: Venezuelas Staatschef Hugo Chavez sagte über Angela Merkel und die CDU, die konservative Partei gehöre zum rechten Lager, "derselben Rechten, die Hitler und den Faschismus unterstützt hat".
Dabei muss Chavez auch einstecken. Beim letztjährigen Iberoamerikanischen Gipfel unterbrach er ständig den Spanier Luis Zapatero. Wenig royal die Reaktion von König Juan Carlos: "Warum hältst Du nicht die Klappe?"
Scheiterte an seiner Homophobie: Weil Rocco Buttiglione Homosexuelle verachtet, wurde er als designierter EU-Kommissar untragbar. Verteidigt wurde er vom ultrarechten Minister Mirko Tremaglia: "Armes Europa. Die Schwuchteln sind in der Mehrheit."
Beim Bad in der Menge gingen Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy die Pferde durch. Zu einem älteren Herren, der sich von Sarko bei der Landwirtschaftsmesse im Februar nicht anfassen lassen wollte, sagte er: "Dann hau doch ab, du Idiot."
„Unsere Feinde sind erfindungsreich und gut ausgerüstet – so wie wir. Sie denken ständig darüber nach, wie sie unserem Land schaden können – so wie wir.“
„Ich freue mich, dass mein Freund, Senator Bill Frist, heute Abend hier ist. Er hat ein Mädchen aus Texas geheiratet, Karyn. Sie ist auch hier. Ein west-texanisches Mädchen, genau wie ich.“
„Die Familie ist da, wo unsere Nation Hoffnung findet, wo den Flügeln Träume wachsen.“
„Ich glaube an die friedliche Koexistenz von Mensch und Fisch.“
„Es ist nicht die Verschmutzung, welche die Erde ruiniert, sondern es ist die Unreinheit von Luft und Wasser.“
„Zu viele Gynäkologen sind nicht in der Lage, ihre Liebe zu Frauen zu praktizieren.“
„Ich bin stolz, die Hand eines tapferen irakischen Bürgers zu schütteln, dem Saddam Hussein die Hand abgehackt hat.“
„In meiner Lage, meiner Lage der Nation, oder Lage – in meiner Rede an die Nation, egal wie das heißt, die Rede an die Nation, habe ich die Amerikaner gebeten, 4000 Jahre zu geben, 4000 Stunden für den Rest ihres Lebens, als Dienst an Amerika.“
„Ich bin nicht sehr analytisch. Wissen Sie, ich verwende nicht viel Zeit darauf, über mich nachzudenken, und darüber, warum ich etwas mache.“
„Ich hatte keine Gelegenheit, den Fragenden die Fragen zu stellen, die sie fragten.“
„Meine Aufgabe ist es, irgendwie, über das Unmittelbare hinauszudenken.“
„Ich denke, wir sind uns einig darüber, dass die Vergangenheit vorbei ist.“
„Ich glaube, Krieg ist ein gefährlicher Ort.“
„Ich weiß, was ich glaube. Ich werde fortfahren zu sagen, was ich glaube, und was ich glaube – ich glaube, was ich glaube, ist richtig.“
„Ich verspreche, ich werde darauf hören, was hier gesagt wurde, sogar wenn ich nicht hier war.“
„Wenn Dad und ich nicht über Politik reden, sprechen wir über Tussies und Pussies.“
„Ich glaube, es gibt eine gewisse Methodik in meinen (Dienst-)Reisen.“
„Wir werden die am besten ausgebildeten Amerikaner auf der Welt haben.“
„Gesunde Kinder brauchen keine Krankenversicherung.“
„Nun, ich glaube, wenn du sagst, du machst etwas und machst es nicht, das ist Glaubwürdigkeit.“
„Es ist Zeit, dass die Menschheit ins Sonnensystem vordringt.“
„Ich habe keinen Kalender auf dem Schreibtisch, dem wunderbaren Schreibtisch, der sagt, an dem Tag und an dem Tag, bist du fertig. Das ist nicht, wie ich denke.“
„Auf jeden tödlichen Schuss kommen rund drei nicht tödliche. Dies ist in Amerika unakzeptabel. Und es ist einfach unakzeptabel. Wir werden uns darum kümmern.“
„Es ist nicht die wichtigste Aufgabe, Gouverneur zu sein, oder First Lady in meinem Fall.“
„Wir sind der NATO fest verpflichtet. Wir sind ein Teil der NATO. Wir sind Europa fest verpflichtet. Wir sind ein Teil Europas.“
„Meine Mutter hat immer gesagt: Wenn du eine Brezel isst, musst du gut kauen, bevor du sie schluckst. Man soll immer auf seine Mutter hören.“
„Ein niedrigeres Wahlergebnis ist ein Zeichen, dass weniger Leute zur Wahl gehen.“
„Wir sind bereit für jedes unvorhergesehene Ereignis, das eintritt oder auch nicht.“
„Das ist eindeutig ein Haushaltsplan – da sind eine ganze Menge Zahlen drin.“
„Ich verstehe etwas vom Wachstum kleiner Betriebe. Ich war selber einer.“
„Reden führt zu unklaren, undeutlichen Dingen.“
„Afrika ist eine Nation, die unter unglaublichen Krankheiten leidet.“
„Mein Standpunkt für das Leben ist, dass ich glaube, es gibt Leben.“
„Kein Präsident hat jemals so viel für die Menschenrechte getan wie ich.“
„Was an Büchern mit am besten ist: Manchmal sind da ganz phantastische Bilder drin.“
„Eine Diktatur wäre viel einfacher, solange ich der Diktator bin.“
„Lassen Sie mich zunächst einmal klarstellen: Arme Menschen müssen nicht unbedingt Mörder sein.“
„Ich denke, wenn man weiß, was man glaubt, ist es viel einfacher, Fragen zu beantworten. Ich kann ihre Frage nicht beantworten.“
„Die große Mehrzahl unserer Importe kommt von außerhalb des Landes.“
„Ich stehe zu allen Falschaussagen, die ich gemacht habe.“
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist immer für einen Spruch gut - und Fettnäpfchen lässt er dabei bekanntlich nur selten aus. Bei einem Besuch ...
... der obdachlos gewordenen Erdbebenopfer in den Abruzzen stellte er fest: Den in Zeltlagern untergebrachten Menschen fehle es an nichts. Sie hätten warmes Essen und medizinische Versorgung...
"Natürlich" sei ihre ihre Unterbringung "absolut provisorisch, aber man muss es eben nehmen wie ein Campingwochenende".
Geht so die südländische Frohnatur mit einer Katastrophe um oder besitzt das Staatsoberhaupt einfach kein Taktgefühl? Die Italiener werden es einzuschätzen wissen, schließlich hat sich Berlusconi schon des öfteren verbale Entgleisungen geleistet: ...
... "Ich habe zu viel Respekt vor der Intelligenz der Italiener, um zu glauben, sie könnten solche Trottel ("coglioni") sein und gegen ihre eigenen Interessen stimmen." (Über die Anhänger der Opposition, Parlamentswahl April 2006, Italien)
"Nur Napoleon hat mehr getan als ich. Aber ich bin definitiv größer." (Februar 2006)
"Ich bin der Jesus Christus der Politik. Ich bin ein geduldiges Opfer, habe mich selbst für alle geopfert." (Februar 2006)
"Gehen Sie und lesen Sie im Schwarzbuch des Kommunismus und Sie werden sehen, dass im China Maos keine Babys gegessen wurden, aber gekocht, um damit die Felder zu düngen." (März 2006)
"Nicht einmal die Wirtschaft läuft wirklich schlecht. Von meiner Villa aus habe ich eine herrliche Panorama-Sicht, die auch dieses Jahr durch den Blick auf viele Yachten besticht ...
... Niemand kann mehr Mobiltelefone, mehr Autos, mehr Fernseher sein Eigen nennen als die Italiener. Wissen sie wie viele unserer Frauen sich Schönheitsoperationen leisten können?" (In einem Interview mit "La Stampa", August 2005)
"Mussolini hat nie jemanden getötet. Mussolini schickte Menschen in Lager in den Urlaub." (Juni 2005)
"Herr Schulz, ich weiß, dass ein Mann in Italien einen Film über Konzentrationslager der Nazis produziert. Ich würde sie gern für die Rolle eines Aufsehers vorschlagen. Sie wären perfekt." Berlusconi zum deutschen EU-Abgeordneten Martin Schulz ...
… der ihn während einer Debatte im EU-Parlament kritisierte, Juli 2003.
"Ich habe ein Segelboot, aber in den vergangenen zwei Jahren war ich nur einen Tag darauf. Und in meinem Haus ...
... auf den Bermudas war ich seit zwei oder drei Jahren nicht mehr ... Mein Leben hat sich verändert …
... Die Qualität ist schrecklich geworden. Was für ein brutaler Job." (In einem Interview mit der "New York Times", Mai 2003)
"Die Klügsten können sicherlich einen zweiten Job finden, vielleicht inoffiziell." (Aufforderung an entlassene Fiat-Arbeiter, sich Jobs auf dem Schwarzmarkt zu suchen)
"Manchmal funktionieren Tretboote gut. Keine der Leichen hat sich beschwert." (Auf die Frage, warum die Polizei Tretboote benutzen muss, um schiffbrüchige Immigranten vor der Küste zu bergen, September 2002)
Berlusconi hebt bei einer Gruppenaufnahme beim EU-Gipfel hinter dem Kopf des spanischen Außenministers Josep Pique zwei Finger und macht die in südlichen Ländern gebräuchliche Geste für einen betrogenen Ehemann. (Februar 2002)
"Vor dem Gesetz sind alle Bürger gleich, aber vielleicht ist dieser hier noch ein bisschen gleicher als die anderen, angesichts der Tatsache ...
... dass ihm 50 Prozent der Italiener die Verantwortung übertrugen, ihr Land zu regieren." (Während eines gegen ihn gerichteten Korruptionsprozesses, Juni 2003)
Wie heisst es in seinem Wahlkampflied so schön? "Meno male che Silvio c'è" - Zum Glück gibt es Silvio. Immer gut für einen schrägen Spruch.

Von A wie "Achselterror" (Schweiß unterm Arm) bis Z wie "Z-Promi" (fast unbekanntes Sternchen): Mehr als 1200 angesagte Ausdrücke dieser Art sind in den vergangenen Wochen auf einer eigens eingerichteten Internetseite, einem sogenannten Wiki, eingetragen worden. "BTW" (By the way, also übrigens - ein "Übrigens", das beiläufig tut, aber wichtig ist): Die Duden-Redaktion und das Hamburger Trendbüro haben daraus jetzt Begriffe für ihr "Neues Wörterbuch der Szenesprachen" ausgesucht. Ab Herbst können Leser damit ihren "Denkmuskel" (das Gehirn) "beschlauen". Auch online ist die Lektüre bereits voll "porno" (interessant, geil, fett).

Im Jahr 2000 gab es einen ersten Szenesprachen-Duden. Das ist also schon ewig her, wenn man in Kategorien von "In" und "Out" denkt und ein echtes "Modeopfer" (fast krankhaft trendy) ist. Das Werk war ein echter "Pageturner" (ein spannendes Buch). Und auch wenn sich der damalige Bestseller noch gar nicht so "wack" (Hip-Hop-Deutsch: schlecht) liest: Eine Neuausgabe ist überfällig. Seit der Jahrtausendwende hat sich schließlich viel getan.

"Du bist ja Opfer"

Unter den Vorschlägen für die 2009er-Ausgabe finden sich Wörter, die vor neun Jahren noch gar nicht möglich waren. Beispiele: "Blogorhö" (unkontrollierte, durchfallartige Geschwätzigkeit im Internet - wie Diarrhö; neuerdings auch: "Twitterhö") oder aber "Castingopfer" (Menschen, die zum "Fremdschämen" schlecht singen und sich trotzdem bei TV-Castingshows wie "Deutschland sucht den Superstar" bewerben und blamieren).

Auch ohne Zusatz hat das Wort "Opfer" in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Karriere gemacht. Teenager-Dialog in der Straßenbahn einer deutschen Großstadt: "Gehst Du heute Training?" - "Nein, ich schaff's nicht." - "Du bist ja opfer." Das Wort bedeutet so viel wie "mies" oder "extrem schlecht". Es wird also nicht mehr nur als Substantiv, sondern auch als Adjektiv verwendet.

"Crackberry" dank Blackberry

"In unserem Buch geht es nicht nur um Jugendsprache. Wir wollen Wortschöpfungen aus vielen verschiedenen Bereichen und Communitys abbilden", betont der Soziologe und Redaktionsleiter beim Trendbüro, Dirk Bathen. In den letzten Jahren seien vor allem viele technische Begriffe neu entstanden: Beispielsweise "Youtuben", "Twittern", "Egogoogeln" (selbstvergewissernde Suche nach sich selbst im Internet) oder aber "Cyberstalking" (Recherchieren von anderen Personen im Internet, um mehr über sie zu erfahren).

Außerdem im Trend laut Bathen: sogenannte Kofferwörter, zusammengezogene Begriffe wie etwa "Smirting" (das Flirten unter Rauchern - seit "Smoker" wegen der strengeren Gesetze ins Freie müssen), "smexy" (gemorphed aus "smart" (schlau) und "sexy"), "Crackberry" (Crack und Blackberry verschmelzen zu der Sucht, ständig erreichbar zu sein) oder aber "Bankster" (Mischung aus Banker und Gangster - im Zuge der Finanzkrise ein Wort für Banker, die moralisch schlecht handeln).

Doof wie "Vollhorst"

Nicht ins Buch, sondern nur auf die Homepage geschafft hat es hingegen "Bionade-Biedermeier" - ein Begriff dafür, dass Szene-Viertel wie Berlin-Prenzlauer Berg oder Hamburgs Schanzenviertel zunehmend kommerzialisiert werden und verspießern, wie die Wochenzeitung "Die Zeit" einst eindrucksvoll beschrieb. An all diesen Wörtern merkt man, wie schnelllebig die Zeit und wie alt man selbst ist. Kommt man mit? Versteht man die Gedanken hinter den Begriffen? Oder ist man sprachlich ein "Vollhorst" (Idiot)?

"Overchicked" zum Beispiel ist ein unattraktiver Mann ("Hässlo") mit einer hübschen Freundin. "Augenkrebs" bekommt man, wenn man hässliche Sachen und Klamotten sieht. Die "Biobreak" ist ein neues Wort für Pinkelpause, "random" ist hingegen alles, was beliebig ist. Neuere Umschreibungen fürs Tanzen sind "bouncen" (hüpfen) und "abspacken" (ungelenk bewegen). Am Schreibtisch nebenbei zu essen, statt in Ruhe etwas zu speisen, heißt "Deskfood". Und der Zustand, wenn man "schmacko" (lecker) zu Mittag essen war und dann müde im Meeting sitzt, ist das "Suppenkoma".

"Das zentrale Kriterium war, dass die etwa 700 bis 1000 Wörter, die wir ins Buch aufnehmen, einerseits tatsächlich verbreitet sind, andererseits aber noch nicht in traditionellen Wörterbüchern verzeichnet sind", sagt Dr. Matthias Wermke, der Leiter der Duden- Redaktion. Das neue Wörterbuch solle Wörter erklären, "die breiten Kreisen der Sprachgemeinde wirklich neu sind". Altbackene Begriffe sollen also tabu sein - ein absolutes "NoGo".

(dpa, N24)

15.06.2009 09:38 Uhr

SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Computer & Technik