Starker Auftritt

Bodybuilding boomt in Bagdad

Iraker joggen nicht. Sie fahren auch kein Fahrrad. Um sich fit zu halten, gehen sie in die Mucki-Bude. Kein Wunder also, dass die Studios in der Hauptstadt Bagdad boomen.

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Eine der wenigen Zerstreuungsmöglichkeiten im Irak: Bodybuilding.
Bodybuilding hatte im Irak schon früher eine recht kleine Fangemeinde.
Die neuen Studios sind anders und ähneln ihren Vorbildern im Westen: Aus Lautsprecherboxen tönt Musik nonstop, die meisten Wände sind mit Spiegeln bedeckt, und an den Theken werden Proteine und andere Nahrungsergänzungsmittel verkauft.
Am 20. März 2003 marschieren Streitkräfte der USA und Großbritanniens im Irak ein. Die Weltöffentlichkeit reagiert mit Entsetzen - und demonstriert für den Frieden. Dieser junge Mann aus Sydney wählt den stillen Protest ...
... wohingegen in Kairo US-Flaggen brennen. Vor allem die islamische Welt ist in Aufruhr.
Im indonesischen Jakarta ziehen am 20. März 2003 junge Frauen mit Anti-Kriegs-Plakaten vor die amerikanische Botschaft.
Friedliche Proteste auch in Jordanien: Diese Frauen haben sich in Amman in eine Lichterkette eingereiht.
Auch in Amerika regt sich Widerstand gegen Bushs Kriegspläne. Am 19. März 2003 ziehen Demonstranten Richtung Verteidigungsministerium, um gegen den "blutigen Krieg" zu protestieren.
"Teufel" Bush: Vor dem Weißen Haus in Washington hat sich ein Demonstrant verkleidet. "Mr. President" zieht reichlich Spott auf sich ...
... und wird - wie hier in London - als texanischer Cowboy verhöhnt.
Die Demonstranten beweisen viel Fantasie: Dieser Mann hat sich als Azteke verkleidet und "belagert" die amerikanische Botschaft in Mexiko-City.
Schrill auch das Outfit dieses Australiers, der in Melbourne gegen den Krieg auf die Straße geht.
Manche Demonstranten spannen sogar ihre Vierbeiner in den Protest für den Weltfrieden ein.
Wahrlich eindrucksvoll: Tausende Fackelträger bilden am 17. März 2007 auf dem Heldenplatz im ungarischen Budapest ein riesiges Peace-Zeichen.
Arnold Schwarzenegger, das Muskelpaket aus der Steiermark, hat sich in den USA den "American Way of life" erfolgreich erfüllt. Erst schaffte er den Sprung von der Hantelbank ins …
…Filmgeschäft. Anschließend wechselte er auf die politische Bühne. Eine Karriere sondergleichen. Am 30. Juli 1947 wurde Schwarzenegger in Thal, Steiermark geboren. 1968 wanderte er in die USA aus. Bereits in den 1970er Jahren …
… erwirtschaftete er sich ein Millionenvermögen mit Immobiliengeschäften. Fast nebenbei wurde er fünffacher Mr. Universum und siebenfacher Mr. Olympia. Hollywood zeigte sich äußerst verzückt über so viel Muskelmasse …
… und holte ihn in die Traumfabrik. Seine erste Rolle spielte er in "Hercules in New York" (1970). Seine Stimme musste wegen seines starken Akzents im Übrigen synchronisiert werden. 1982 folgte "Conan der Barbar". Eine Rolle, …
… in der Arnie Schwarzenegger Muskeln und Schwerter spielen ließ. 1984 gelang ihm der endgültige Durchbruch in Hollywood: Der "Terminator" wurde geboren. Schwarzenegger …
… verkörperte in dem Film zum ersten Mal einen Bösewicht. "Hasta la vista" sind drei der ca. 70 Wörter, die Arnie im ganzen Film gesprochen hat.
Seine humorvolle Seite stellte er unter anderem an der Seite von Danny deVito in "Twins" (1988) unter Beweis. Nicht nur voller Erfolg auf ganzer Linie im Beruf, auch privat …
… erlebte er einen Volltreffer: Am 26. April 1986 heiratete der Republikaner die Nichte von John F. Kennedy, die demokratische Journalistin Maria Shriver, mit der er …
… vier Kinder, Katherine Eunice (* 1989), Christina Maria Aurelia (* 1991), Patrick Arnold (* 1993) und Christopher Sargent Shriver (* 1997), hat.
Gegen Ende der 1980er Jahre gehörte Arnold Schwarzenegger zu den meistverdienenden Schauspielern Hollywoods. Fast immer dabei die eine oder andere …
… Handfeuerwaffe. Sein früher geschmähter Akzent wurde mittlerweile zu seinem Markenzeichen.
Auch auf dem roten Teppich gab Schwarzenegger eine gute Figur und zeigte, …
… dass er ein "fast" echter Cowboy ist.
Schwarzenegger als Gastronom ist auch eine kleine Erfolgsgeschichte in seinem Leben. 1991 eröffnete er mit den anderen "harten" Jungs aus Hollywood, …
… Bruce Willis, Demi Moore, Jackie Chan und Sylvester Stallone, die Fast-Food-Kette Planet Hollywood.
1997 wurde ihm die "Goldene Kamera" in Berlin verliehen.
Eine wichtige Person in seinem Leben war immer seine Mutter Aurelia, die er trotz Drehstress oft in der alten Heimat besuchte. 1998 verstarb sie im Alter von 76 Jahren.
In den USA ging Arnies Traumkarriere weiter. Er zog sich aus Hollywoods Filmgeschäft zurück und …
… hielt Einzug in die Politik. Am 7. August 2003 gab Schwarzenegger öffentlich seine Kandidatur für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien bekannt. Von republikanischen Parteifreunden wurde er heftig angegriffen. Sieht aber so …
… ein "Mogelkandidat" aus? Mitnichten, denn …
… am 7. Oktober 2003 gewann er die Wahl mit 48 Prozent der abgegebenen Stimmen.
Als ehemaliger Schauspieler wusste er, sich geschickt in der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Sein ausgeprägter Sinn für Humor und sein Familiensinn zeichneten von ihm …
… ein volksnahes, sympathisches Bild. Als Gouverneur von Kalifornien hat man halt auch Mickey Mouse als Freund.
Im Ausland kritisierte man seine unnachgiebige Haltung zum Thema Todesstrafe. Aber auch im Staate Kalifornien …
…findet man nicht alles so "cool", was der ehemalige "Terminator" als Gouverneur beschloss. Trotzdem gelang Schwarzenegger 2006 die Wiederwahl.
Schwarzenegger als US-Präsident? Daraus wird wohl leider nichts, denn als eingebürgerter Ausländer darf der gebürtige Österreicher nicht für das Präsidentenamt kandidieren.
Schwarzenegger hat im Staate Kalifornien einiges vorangebracht, wie z.B. die Reduzierung der Autoabgase oder …
… die Förderung erneuerbarer Energien.
Er gibt sich gerne bürgernah und war …
… nach den schweren Waldbränden 2008 …
… an Ort und Stelle, um sich das Ausmaß der Katastrophe selbst anzuschauen.
Der "Terminator" als geschickter Verkäufer, um seinen Haushaltsplan …
… im Senat durchzubekommen. Dabei setzt er auf anschauliche Grafiken.
Im März besucht Gouverneur Arnold Schwarzenegger Deutschland und eröffnet mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Computermesse CeBIT. Kalifornien ist in diesem Jahr das Partnerland.
Angela Merkel ist aber nicht die erste deutsche Politikerin, die auf Arnie trifft. Vor ihr hatten schon das bayerische Urgestein Edmund Stoiber (CSU), …
… Frank-Walter Steinmeier (SPD) und …
… Jürgen Rüttgers (CDU) die Gelegenheit, Arnies kräftigen Händedruck zu spüren.

Iraker joggen nicht. Sie fahren kein Fahrrad. Um sich fit zu halten, gehen sie ins Fitness-Studio. Wie Pilze schießen die Clubs in der Hauptstadt Bagdad in letzter Zeit aus dem Boden. Gab es vor dem Einmarsch der Amerikaner 2003 gerade einmal 30 "Mucki-Buden" in der Millionenstadt, wird ihre Zahl jetzt auf mindestens 300 geschätzt. In der lange Zeit vom Rest der Welt abgeschotteten Metropole, die ansonsten wenig Ablenkung zu bieten hat, ist der Boom der Studios ein weiteres Zeichen dafür, dass die Iraker die Jahre der Diktatur und des Krieges langsam hinter sich lassen.

"Der Einzug des Satellitenfernsehens im Irak hat unsere Augen für viele Sachen geöffnet, darunter auch für die Notwendigkeit, fit zu sein", erklärt Haidar Muwaffak, einer der neuen Bodybuilding-Jünger. Der 28-jährige Autoteileverkäufer pumpt noch etwas Eisen und fügt hinzu: "Ich will gut aussehen, körperlich stark sein und stilvoll leben."

Die wachsende Beliebtheit der Fitness-Studios spiegeln eine langsame Einstellungsänderung der irakischen Bevölkerung gegenüber dem Thema Gesundheit wider. Gesunde Lebensführung hat nie zu den Prioritäten im Irak gehört, wo es für junge Männer fast zum guten Ton gehört, am Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter mit dem Rauchen anzufangen. Die Iraker ernähren sich vor allem von Fleisch, das reich an ungesunden gesättigten Fettsäuren ist. Und dicke Bäuche sind im Irak auch bei jungen Männern um die 20 kein seltener Anblick.

Volkssport ist Fußball

Das einzelgängerische Streben nach persönlicher Fitness ist im Irak ein recht neues Phänomen, das sich zudem meist auf Männer beschränkt. Die meisten Fitness-Studios in Bagdad sind nur für Männer zugänglich, einige lassen aber zu bestimmten Zeiten auch Frauen trainieren. Die Herren der Schöpfung bevorzugen dabei ein echtes Macho-Training. So gibt es in den Spitzenzeiten zwar Warteschlangen vor Hantelablagen und den Geräten zum Kraftaufbau, nicht aber vor Steppern und Ergometern. Wer Interesse an Yoga- oder Aerobic-Kursen hat, sollte sich vielleicht einmal Gedanken über einen Umzug nach Jordanien machen. Das Schlucken von Anabolika-Pillen, die aus dem Iran eingeschmuggelt werden, ist nach Angaben eines Studiobesitzers weit verbreitet.

Bodybuilding hatte im Irak schon früher eine recht kleine Fangemeinde. Zumeist wurde der Kraftsport in kleinen, unklimatisierten, übelriechenden Studios mit wenig Licht und Frischluft praktiziert. Die neuen Studios sind anders und ähneln ihren Vorbildern im Westen: Aus Lautsprecherboxen tönt Musik nonstop, die meisten Wände sind mit Spiegeln bedeckt, und an den Theken werden Proteine und andere Nahrungsergänzungsmittel verkauft.

"Wo sollen junge Leute sonst hingehen?"

Das Training ist eine der wenigen Ablenkungsmöglichkeiten in einer Stadt, in der es keine Diskotheken, Kinos oder Cafes nach westlichem Vorbild gibt, in denen sich Männer und Frauen treffen können. "Wo sollen junge Leute sonst hingehen», fragt Ahmed Sami, Manager des «Dragon Gym». «Sie kommen hierher, trainieren und gehen dann nach Hause zum Essen und Schlafen."

Geschäftsführer Ali Abbas berichtet, sein Umsatz habe sich seit 2003 um rund 80 Prozent erhöht. "Es ist eine Modeerscheinung. Viele Leute wollen jetzt trainieren. Sie wollen gut aussehen." An der Wand seines Studios, das sich in einem verstaubten sechsstöckigen Gebäude befindet, hängen zwei dutzend Bilder von Abbas, die aufgenommen wurden, als er im März an einem Bodybuildingwettbewerb in den USA teilgenommen hat.

Schwarzenegger in Bagdad

Sahab Taleb leitet eines der ältesten Studios in Bagdad, das "Arnold Classic", benannt nach der Bodybuilding-Legende Arnold Schwarzenegger, dem jetzigen Gouverneur von Kalifornien. 140 Poster des Namengebers hat Taleb in seinem Studio aufgehängt - und alle gezählt. Unter dem früheren Staatschefs Saddam Hussein hatte das «Arnold Classic» bis Mitternacht geöffnet, jetzt schließt es um 20.00 Uhr. "Die Sicherheitslage hat sich zwar ein wenig verbessert", sagt der 49-Jährige. "Ich kann das Studio aber nicht bis Mitternacht geöffnet lassen, weil es gefährlich für mich wäre, so spät nach Hause zu gehen."

Mancher Kunde taucht schon mal mit einer Waffe in der Sporttasche im «Arnold Classic» auf, zum Selbstschutz, wie sie sagen. Taleb lässt das allerdings nicht zu. "Ich sage ihnen, dass sie keine Waffen mitbringen dürfen. Sie können sie im Auto lassen."

(AP, N24)

15.06.2009 12:02 Uhr

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