Geiseldrama im Jemen

Trauer bei Gifhorn um ermordete Frauen

Grausige Gewissheit für die Familien der zwei entführten deutschen Krankenschwestern: Sie trauern um die im Jemen brutal ermordeten Frauen.

In den gepflegten Gärten in Wettmarshagen und Allerbüttel blühen die Rosen und zwitschern die Vögel. In den Dörfern vor den Toren Wolfsburgs ist es ruhig und friedlich wie immer. Nichts weist auf die Katastrophe hin, mit der zwei Familien dort fertig werden müssen. Im Jemen wurden zwei 24 und 26 Jahre alte Frauen brutal ermordet, die aus den benachbarten Dörfern im Kreis Gifhorn stammen sollen. Sie waren Mitglieder der baptistischen Immanuelgemeinde in Wolfsburg und wollten in einem Krankenhaus in dem arabischen Land helfen.

Ihre Familien sollen Spätaussiedler sein. Im Landkreis Gifhorn hatten sich schon vor Jahrzehnten viele Deutschstämmige aus der ehemaligen Sowjetunion in der Hoffnung auf einen Arbeitsplatz bei VW niedergelassen. Die Gifhorner Landrätin Marion Lau (SPD) ist tief bestürzt: "Nach meinen Informationen waren die beiden im Jemen, um zu helfen. Egal ob in Afghanistan oder im Jemen, warum werden Menschen getötet, die in guter Absicht in ein Land kommen?"

Ein älteres Ehepaar schneidet die Hecke seines Grundstückes. Die Familien auf der anderen Seite der Kreisstraße kennen sie nicht. Auch der Postbote schüttelt den Kopf: "Ich kenne die Namen, aber nicht die Menschen." Ein ehemaliger Dorfbewohner sagt: "In Wettmershagen hat man seine Ruhe, ob man sie will oder nicht." Im nur halb so großen Nachbardorf Allenbüttel ist es noch ruhiger.

Vor dem Gotteshaus der Immanuelgemeinde im Wolfsburger Stadtteil Westhagen stehen ein paar Journalisten. Doch der Leiter der freien evangelischen Baptistengemeinde zeigt sich nicht. Der "Wolfsburger Allgemeinen Zeitung" hatte er gesagt: "Die Familie kann derzeit keine Stellung nehmen, weil die Situation noch nicht völlig erfasst ist." Ein Polizeisprecher sagt, dass Angehörige seit einigen Tage betreut werden.

Nach Medienberichten arbeiteten die beiden jungen Frauen als Pflegehelferinnen in einem Krankenhaus im Jemen. Die Bibelschule Brake in Lemgo (Nordrhein-Westfalen) teilte am Dienstag auf ihrer Homepage mit, sie seien "Studierende im dritten Jahrgang" ihrer Ausbildungsstätte gewesen. Beide hätten sich für ein Praktikum im Jemen entschieden und dort für die Organisation Worldwide Services im Krankenhaus von Saada gearbeitet. Mit "tiefer Bestürzung" habe die Schule "die Nachricht vom Tod unserer Studierenden" aufgenommen. Deutsche Ermittler sind derweil in den Jemen geflogen.

Die Pflegehelferinnen sowie eine südkoreanische Lehrerin wurden vermutlich in der jemenitischen Provinz Saada ermordet. Von den weiteren sechs Geiseln, die noch vermisst werden - eine fünfköpfige deutsche Familie und ein Brite - fehlte am Dienstag noch jede Spur.

(Anita Pöhlig, dpa)

16.06.2009 18:01 Uhr

N24 in den Sozialen Netzwerken:

N24 auf Facebook N24 auf Twitter N24 auf Google+
SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Panorama