Geiseldrama im Jemen
Entführte Familie stammt aus Kreis Bautzen
Ihr Schicksal ist noch unklar. Bestätigt wurde dagegen die Herkunft der im Jemen entführten deutschen Familie. Sie stammt aus dem Landkreis Bautzen, so der Bürgermeister der betroffenen Gemeinde.
Die im Jemen entführte deutsche Familie hat ihre Wurzeln im Landkreis Bautzen. Der Familienvater stamme aus dem Weißenberger Ortsteil Lauske, sagte Bürgermeister Michael Staude (parteilos) und bestätigte Medienberichte. Die Eltern des Mannes wohnen nach wie vor in dem Ort. Auch seine Frau soll aus dem Landkreis Bautzen stammen.
Bei den Entführten soll es sich um ein Ehepaar mit drei kleinen Kindern im Alter von knapp einem bis vier Jahren handeln. Die Familie lebt den Angaben zufolge seit gut fünf Jahren im Jemen. Die Krankenschwester und der Techniker sollen in einem Krankenhaus gearbeitet haben.
Auch die Identifikation einer der beiden im Jemen getöteten Deutschen wurde bestätigt. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) stammt eine der Frauen aus dem Kreis Gifhorn. Darüber gebe es jetzt letzte Gewissheit, sagte AA-Sprecher Jens Plötner. Bei der zweiten gefundenen Leiche dauere die Identifizierung noch an. Es sei aber wahrscheinlich, dass es sich dabei um die andere vermisste deutsche Bibelschülerin handle.
Suche nach Geiseln verstärkt
Derweil haben die jemenitischen Sicherheitskräfte ihre Suche nach den sechs Geiseln aus Deutschland und Großbritannien ausgeweitet. Das Innenministerium in Sanaa teilte mit, mittlerweile werde nicht nur die nordwestliche Provinz Saada durchkämmt. Auch in den Nachbarprovinzen Al-Jawf, Amran und Hadscha werde nun nach der deutschen Familie und dem britischen Ingenieur gesucht.
An der Suche in Saada beteiligten sich auch viele Zivilisten als Freiwillige, hieß es. "Kein Ort bietet den Entführern und Mördern Sicherheit, selbst wenn sie sich tief unter der Erde verstecken sollten", erklärte das Ministerium. Augenzeugen in Saada sagten, die Sicherheitskräfte hätten zusätzlich mehrere Hundertschaften der Polizei und Soldaten mit Hubschraubern in die Provinz verlegt. Am Dienstagabend war die Belohnung für Hinweise auf das Versteck der Geiselnehmer auf 250.000 US-Dollar (181.000 Euro) erhöht worden. Auch ein deutsches Ermittlerteam soll im Jemen bei der Suche helfen.
Ehepaar mit drei Kleinkindern
Das Auswärtige Amt in Berlin hatte am Mittwochmorgen keine neuen Informationen zu den vermissten Deutschen. "Wir bemühen uns weiterhin um eine rasche Aufklärung", sagte eine Sprecherin. Die Familie soll seit gut fünf Jahren im Jemen gelebt haben. Die Krankenschwester und der Techniker sollen in einem Krankenhaus gearbeitet haben.
Am vergangenen Freitag waren nördlich der Hauptstadt Sanaa neun Ausländer verschleppt worden. Drei von ihnen wurden getötet: Zwei Studentinnen aus Niedersachsen und eine südkoreanische Lehrerin. Ihre Leichen wurden am Montag gefunden. Von den restlichen sechs Geiseln - ein deutsches Ehepaar mit drei Kleinkindern und ein Brite - fehlt bislang jede Spur. Die Ausländer hatten alle in Saada im Dschumhuri-Krankenhaus gearbeitet.
Wulff ordnet Trauerbeflaggung an
Ob sie von Kriminellen oder von islamistischen Terroristen verschleppt wurden, ist bislang völlig unklar. Bewaffnete Stammesangehörige, die im Jemen gelegentlich Ausländer entführen, um dadurch die Regierung zu erpressen, scheiden als Täter nach Ansicht von Experten aus. Der Mord an den drei Frauen verstoße gegen die ungeschriebenen Gesetze der arabischen Stämme.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sprach den Angehörigen der ermordeten Frauen sein Mitgefühl aus und kündigte für den Tag der Trauerfeier Trauerbeflaggung an allen öffentlichen Gebäuden an. "Wir verneigen uns vor dem Mut, andere Menschen in den ärmsten Regionen dieser Welt trotz aller Gefahren nicht allein zu lassen", hieß es in einer Mitteilung. Die Regierung sei tief bestürzt über die Ermordung der Frauen aus dem Kreis Gifhorn. "Beide hatten sich bewusst für den Dienst christlicher Nächstenliebe entschieden und sind grausamen Verbrechern in die Hände gefallen", sagte Wulff.
Protestkundgebung von Schiiten
Im Jemen protestierten Hunderte von Anhängern des schiitischen Rebellenführers Abdulmalik al-Houthi gegen die Entführung und Ermordung der Frauen. Eine Sprecher der islamistischen Bewegung sagte, die Demonstranten hätten während ihres Protestzuges in der von den Rebellen kontrollierten Ortschaft Dhahian die positive Rolle der ausländischen Helfer im Dschumhuri-Krankenhaus hervorgehoben. "Wir sprechen dem deutschen Volk unser Beileid aus" und "Die Sicherheitsbehörden müssen dieses verabscheuungswürdige Verbrechen unbedingt aufklären" stand auf ihren Transparenten. Gleichzeitig begann in der Provinzhauptstadt Saada eine ähnliche Protestdemonstration regierungstreuer Jemeniten.
(dpa, N24)
17.06.2009 15:09 Uhr








