Porträt
Barroso als Kommissionspräsident gewachsen
Er hat sich besser geschlagen als erwartet: José Manuel Barroso hat die erste Amtszeit als EU-Kommissionspräsident hinter sich. Für eine zweite kandidiert er. Hier ein Resümee seiner Arbeit.
José Manuel Barroso ist in den vergangenen fünf Jahren im Amt des Präsidenten der EU-Kommission politisch gewachsen und schwergewichtiger geworden. 2004 tauchte der Liberal-Konservative aus Portugal als eine Art Verlegenheitskandidat auf, nachdem sowohl der belgische Liberale Guy Verhofstadt als auch der britische Konservative Chris Patten keine Mehrheit fanden. Seither hat sich Barroso im Amt besser zurechtgefunden als viele damals erwartet hatten.
Attacken, der 53-Jährige habe die Finanzkrise nicht kommen sehen und keine europäische Strategie dagegen aufgeboten, prallen an Barroso ab. Er verweist auf die zahlreichen Initiativen seiner Behörde, etwa zum Ausbau der europäischen Finanzaufsicht. Kritik des Grünen Daniel Cohn-Bendit, er rede heute so und morgen anders, empfindet er als zutiefst ungerecht.
Lieber Realist als Visionär
Barroso sieht sich nicht als Visionär, sondern als Realisten. Er betrachtet die Nationalstaaten nicht als Gegner Europas, sondern versucht, sie zu Kompromissen zu bewegen. Er sieht sich da eher in der Rolle eines Schiedsrichters denn eines Präsidenten, der laute Machtworte spricht.
Barroso steht seit Ende 2004 an der Spitze der Kommission, die die laufenden Geschäfte der EU führt und wesentliche Teile der Gesetzgebung für rund 500 Millionen Bürger vorbereitet. Trotz des Wahlsiegs der Konservativen im Europaparlament muss er um seine zweite Amtszeit bangen: Das Nein vom Sozialdemokraten und Grünen macht eine Mehrheit im Parlament ungewiss.
Alles begann mit Mao
Seine politische Laufbahn begann Barroso als Maoist. Noch vor der "Nelkenrevolution" in seinem Heimatland von 1974 war er Aktivist einer kleinen linksextremen Partei, von der er sich bald wieder trennte. 1980 wechselte er ins Lager der Liberal-Konservativen, deren Partei sich jedoch "Sozialdemokratische Partei" nennt. Als 29-Jähriger stieg er zum Staatssekretär im Innenministerium in Lissabon auf. 2002, im Alter von 46 Jahren, wurde er Ministerpräsident Portugals. Zwei Jahre später wurde er zum Präsidenten der EU-Kommission berufen. Barroso ist verheiratet und hat drei Söhne.
(dpa, N24)
18.06.2009 18:04 Uhr









