Do-it-yourself-Winzer
Per Mausklick zum eigenen Wein
Wer träumt nicht davon, seinen eigenen Wein zu keltern? Eine Idee aus den USA macht es jetzt möglich: Vom Weintrinker zum Do-it-yourself-Winzer - via Internet.
Weinliebhaber in aller Welt können künftig ihren eigenen Bordeaux-Wein keltern - und dies ganz einfach per Mausklick. Zu verdanken haben sie dies der amerikanischen Firma Crushpad, die sich nach einem erfolgreichen Experiment in Kalifornien nun anschickt, auch die Weinberge um Bordeaux im Südwesten Frankreichs für "Cyber-Winzer" zu erobern.
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Das Prinzip ist einfach: Winzer in spe bestellen bei Crushpad mindestens ein Barriquefass, in dem sie via Internet 225 Liter eigenen Wein keltern können. Dabei wirken sie mit Hilfe einer speziellen Software bei jeder Phase mit - von der Weinlese über die Zusammenstellung der unterschiedlichen Traubenarten, die Gärung bis zur Abfüllung in Flaschen. Jeder Kunde kann so seinem eigenen Wein eine ganz persönliche Note verleihen. Gekeltert wird der Wein der Cyber-Winzer in den Kellereien des renommierten Château Teyssier im Anbaugebiet St. Emilion.
In den USA, wo Crushpad-Gründer Michael Brill das Experiment vor vier Jahren gestartet hat, hat die Firma mittlerweile 5.000 Kunden. Sie wohnen oft Tausende von Kilometern vom kalifornischen Napa Valley entfernt, in dem die Trauben für ihren Wein wachsen.
Kühne Idee
Ermutigt durch diesen Erfolg gründete Crushpad vor einigen Wochen eine Niederlassung in Bordeaux - im wohl renommiertesten Weinanbaugebiet Europas. Geleitet wird die Filiale vom franko-amerikanischen Geschäftsmann Stephen Bolger. Er reiste mehrere Monate lang kreuz und quer durch die Weinberge der Region und suchte nach Partnern für seine kühne Idee.
Obwohl viele Besitzer der traditionellen, alteingesessenen Weingüter dem Vorhaben misstrauisch gegenüberstanden, wurde Bolger fündig: Er fand sechs Weingüter, die Crushpad kleine Parzellen zwischen 0,45 und 2 Hektar verpachten. Einige befinden sich in den bekannten Herkunftsgebieten Saint-Emilion, Margaux und Haut-Médoc, andere in den etwas weniger renommierten Weinbergen Côtes de Castillon und Canon Fronsac.
In jeder dieser Parzellen könnten "große Weine" gekeltert werden, versichert Weinhändler Eric Echaudemaison. Das Projekt betreffe zwar nur einen kleinen Nischenmarkt. Es sei aber ein "exzellentes Schaufenster" für das Anbaugebiet Bordeaux.
"Demokratisierung" der Bordeaux-Weine?
Bolger zufolge haben sich schon zahlreiche Interessenten gemeldet. Etwa Taavet Hindrikus - ein Lette, der in London lebt. Er ist bereits Kunde von Crushpad und hat im vergangenen Jahr per Internet ein Fass Pinot Noir aus dem Napa Valley gekeltert. Dass die US-Firma nun auch in Bordeaux ansässig ist, freut ihn. "Damit habe ich jetzt Zugriff auf einige der besten Trauben der Welt und kann einen exzellenten Wein herstellen".
Der Besitzer des Château Teyssier, der den Hobby-Winzern im Web seine Keller und Fässer zur Verfügung stellt, sieht in der Initiative sogar eine "Demokratisierung" der Bordeaux-Weine. Damit könnten sich Liebhaber nun selber einen besonders edlen Wein keltern, etwa einen Saint-Emilion Grand Cru, sagt John Maltus.
Der Demokratisierung sind freilich Grenzen gesetzt, denn auch der selbstgekelterte Wein ist nicht billig: Der Preis für ein Barrique-Fall kann je nach Lage bis zu 9.000 Euro betragen, eine Flasche des edlen Rebensafts kostet damit bis zu 30 Euro.
(AFP, N24)
20.06.2009 10:30 Uhr








