Hintergrund
Bassidsch-Miliz: Prügelnde Stütze des Systems
Bei den Protesten im Iran gehen nicht nur Polizisten, sondern auch in Zivil gekleidete Angehörige der islamischen Bassidsch-Miliz auf die Demonstranten los. Wer steckt hinter der Gruppe?
Bei den Demonstrationen im Iran kommt auch die Bassidsch-Miliz zum Einsatz. Nach Angaben zahlreicher Augenzeugen prügelten die auf Motorrädern patrouillierenden Milizionäre auch am Wochenende in den Straßen Teherans auf die Kundgebungsteilnehmer ein - mit Schlagstöcken, Eisenstangen und Stahlkabeln.
Der paramilitärischen Einheit gehören nach offiziellen Angaben zehn Millionen Freiwillige an, rund 500.000 Milizionäre sind militärisch geschult. Die meist in Zivil auftretenden Milizionäre werden von den Revolutionsgarden kontrolliert und sind der konservativen geistlichen Führung um Ayatollah Ali Chamenei treu ergeben. Die Anhänger des zweitplatzierten Präsidentschaftskandidaten Mir-Hossein Mussawi, die den Wahlsieg von Staatschef Mahmud Ahmadinedschad annullieren lassen wollen, werden von der Bassidsch-Miliz als "Aufständische" bezeichnet.
Ins Leben gerufen wurde die Volksmiliz, die sich vor allem aus der iranischen Mittel- und Unterschicht rekrutiert, nach der Islamischen Revolution 1979 von Republikgründer Ayatollah Khomeini. Für Aufsehen sorgte die Bassidsch-Miliz erstmals in den 80er Jahren im Krieg gegen den Irak. Damals sollen zahlreiche jugendliche Bassidsch-Kämpfer bei Himmelfahrtskommandos getötet worden sein, als sie als "menschliche Wellen" über Minenfelder liefen, um den Weg für die regulären iranischen Truppen frei zu machen.
Heute beteiligt sich die Bassidsch-Miliz an sozialen Aktivitäten wie Impfkampagnen, die Einheiten werden aber auch im Kampf gegen Oppositionelle und Regimekritiker eingesetzt. Als Sittenwächter machen sie Jagd auf unzureichend verhüllte Frauen, stürmen illegale Partys und montieren Satellitenschüsseln ab. 1999 und 2003 schlug die Freiwilligen-Miliz Studentenproteste nieder.
(AFP, N24)
22.06.2009 07:45 Uhr









