Es scheint der Machtkampf zwischen Ahmadinedschad und Mussawi um die Präsidentschaft zu sein. Doch blickt man hinter die poltischen Strukturen im Iran taucht ein bekannter Name auf: Rafsandschani.
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Die iranischen Volksmassen ereifern sich über die Frage, ob Mahmud Ahmadinedschad als Präsident wiedergewählt wurde oder ob nicht eigentlich sein Herausforderer Mir-Hossein Mussawi mehr Stimmen erhielt. Auch am Montag haben mehrere hundert Anhänger der Opposition gegen das amtliche Ergebnis der umstrittenen Präsidentenwahl protestiert. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Doch dieser Streit ist nur eine, recht vordergründige Ebene des Konflikts.
Auf der Seite Ahmadinedschads steht das geistliche Oberhaupt Ali Chamenei - und auf der Seite der Reformer zieht ein 75-Jähriger die Strippen, der seit der Islamischen Revolution von 1979 das Schicksal des Landes mitgeprägt hat - Akbar Haschemi Rafsandschani, selbst zwei Amtszeiten lang Präsident (1989-1997) und seit fast zwei Jahren Chef des Expertenrates.
Ahmadinedschad nimmt Rafsandschani ins Visier
Die iranische Institutionenlehre wirkt auf den ersten Blick recht verwirrend. Das Nebeneinander von geistlichem Führer und Präsident, von Wächter- und Expertenrat verschleiert bis zu einem gewissen Grad, wer zuständig und mächtig ist. Doch im Wahlkampf für die nunmehr so umstrittene Präsidentenwahl vom 12. Juni war es bisweilen nur zu deutlich, dass Ahmadinedschad eigentlich nicht auf seine offiziellen Gegenkandidaten einschlug, sondern seinen entfernten Amtsvorgänger Rafsandschani ins Visier nahm. Rafsandschani ist eine Persönlichkeit, die sich nicht leicht einordnen lässt.
Auch Rafsandschani ließ die Opposition verfolgen
Er ist nicht unbedingt dafür bekannt, mit seinen Gegnern immer besonders glimpflich umgegangen zu sein. Während des opferreichen Kriegs gegen den Irak (1980-88) war er Armeechef und unter anderem auch an der Verfolgung liberaler Oppositioneller beteiligt. Seine achtjährige Amtszeit als Präsident war einerseits geprägt von der Öffnung des Landes nach außen, andererseits aber auch von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, steigender Inflation und Verschuldung. Er fädelte den später höchst umstrittenen Tauschhandel von Waffenlieferungen nach Teheran gegen die Freilassung westlicher Geiseln im Libanon ein, der als Iran-Contra-Affäre in Erinnerung blieb.
Volkszorn gegen die "Profiteure"
Was Rafsandschani so richtig auf die Palme bringt, sind Anschuldigungen, er habe sich mit Investitionen im In- und Ausland in den vergangenen Jahren schamlos bereichert. In diese Scharte schlagen aber Ahmadinedschad und seine Leute, die immer wieder den Volkszorn gegen die "Profiteure" schüren und "soziale Gerechtigkeit" verlangen. Im Wahlkampf wurden etliche Schranken des guten Geschmacks niedergerissen. "Früher geheiligte rote Linien werden nun in Frage gestellt", sagt Karim Sadjadpour vom Council on Foreign Relations in Washington.
Chamenei ist ein moderner Schah
Rafsandschani wird in dieser Optik letztlich zum Widersacher von Ayatollah Ali Chamenei, dem Wächter der Revolution. "Das war noch nie da, dass die Bevölkerung nun die Legitimität Chameneis als oberster geistlicher Führer in Frage stellt", sagt der gebürtige Iraner Sadjadpour. Seit Chamenei 1989, nach dem Tod Khomeinis, in die Stellung des geistlichen Führers hineingelangt sei, habe er sich zu "einem modernen Schah" entwickelt, der anstelle einer Krone einen Turban trage.
Rafsandschani hat sich in Stellung gebracht
Geradezu planmäßig scheint Rafsandschani sich in Stellung gebracht zu haben, um im passenden Moment dem auf Lebenszeit gewählten geistlichen Führer Paroli bieten zu können. Ende 2006 wurde Rafsandschani in Teheran in den Expertenrat hineingewählt - und leitete damit sein Comeback ein. Und im September 2007 trat er an die Spitze des Gremiums, das als einziges die Befugnis hat, den geistlichen Führer in die Schranken zu weisen. Was die Präsidentenwahl angeht, so begrüßte der Expertenrat wohl die hohe Wahlbeteiligung. Mit einer Stellungnahme zum Ausgang der Wahl hielt er sich indes vornehm zurück.