Komitee hat entschieden
Welterbe-Titel für Dresdner Elbtal aberkannt
Der Bau der Waldschlößchenbrücke hat für Dresden ein drastisches Nachspiel. Die UNESCO strich das Elbtal von der Liste des Welterbes. Grund: Die Brücke zerschneidet das Elbtal unwiederbringlich.
Nach jahrelanger Diskussion ist das Dresdner Elbtal wegen des umstrittenen Baus der Waldschlößchenbrücke von der Welterbeliste gestrichen worden: Das hat das UNESCO-Welterbekomitee mit 14 zu 5 bei zwei ungültigen Stimmen entschieden. Damit verliert erstmals eine Kulturstätte das begehrte Gütesiegel der UN- Kulturorganisation. Diese hatte in der Vergangenheit mehrfach angekündigt, dass der Titel bei Realisierung der geplanten Konstruktion aberkannt wird. Nach Auffassung der UNESCO wird das Bauwerk das Elbtal irreversibel zerschneiden und die Kulturlandschaft mit ihren Flussauen zerstören. Einen Tunnel hätte das aus Vertretern von 21 Ländern bestehende Welterbekomitee zuletzt als Kompromiss akzeptiert.
Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) bedauerte die Entscheidung, er riet aber auch zu Gelassenheit. "Es ist mehr als bedauerlich, dass die Beteiligten außerstande waren, einen Kompromiss zu finden", sagte Neumann in einer Presseerklärung. Der Bund habe sich immer wieder vermittelnd für eine einvernehmliche Lösung des Konflikts eingesetzt. Nach der Kompetenzverteilung des Grundgesetzes seien in erster Linie Länder und Kommunen zuständig für den Denkmalschutz und für die Bewahrung des Welterbes. Der Bund habe daher keinen direkten Einfluss auf das von der Stadt und dem Freistaat Sachsen gleichermaßen favorisierte Brückenprojekt nehmen können.
Die UNESCO-Entscheidung war bereits für Mittwoch erwartet worden, hatte sich aufgrund von Verzögerungen bei den Beratungen aber verschoben. In geheimer Abstimmung war zuvor der Vorschlag abgelehnt worden, Dresden ein weiteres Jahr auf der Roten Liste zu belassen. Im Gespräch war zudem die Option, dass der Titel diesmal aberkannt wird und Dresden sich unter neuen Kriterien erneut um das Gütesiegel bewerben kann. Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte bei den Welterbehütern dafür geworben, eine Aberkennung bis nach der für 2011 avisierten Fertigstellung der Brücke zu vertagen. Vor dem Gremium direkt durfte sie allerdings nur eine Minute sprechen.
Mehrere Gnadenfristen
Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur hatte das rund 20 Kilometer lange Gebiet schon 2006 auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbe-Stätten gesetzt. 2007 und 2008 gab es Gnadenfristen, zuletzt forderte die UNESCO klar einen Tunnel als Alternative. Der Bau der Brücke hatte Ende 2007 begonnen. 2011 soll die Flussquerung befahrbar sein.
Eine Aberkennung hat es in der UNESCO-Geschichte bislang erst einmal gegeben - 2007 für eine Naturstätte in Oman. Das Dresdner Elbtal ist als Kulturlandschaft eingestuft und gehört damit zur Kategorie der Kulturstätten. Vor einem Jahr hatte das Komitee ganz klar die Aberkennung des Titels für 2009 angekündigt, wenn der Brückenbau nicht gestoppt und ein Tunnel als Alternative geprüft werde. Die Verantwortlichen in Dresden erfüllten beide Auflagen nicht.
Die UNESCO hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kulturleistungen der Menschheit und Naturphänomene von "außergewöhnlich universellem Wert" zu erhalten. Weltweit sind 878 Stätten in 145 Staaten auf der Welterbe-Liste verzeichnet, darunter 33 in Deutschland. Zuletzt wurden 2008 die Siedlungen der Moderne in Berlin aufgenommen, die einen neuen Typus des sozialen Wohnungsbaus aus der Zeit der klassischen Moderne darstellen. Über Neuaufnahmen und die Stätten der Roten Liste entscheidet das jährlich tagende Welterbekomitee.
(dpa, N24)
25.06.2009 16:48 Uhr








