Fußball: EM in Schweden

U21-Team geht selbstbewusst ins Halbfinale

Der DFB-Nachwuchs lässt sich vor dem EM-Halbfinale weder von Rekord-Titelträger Italien einschüchtern noch von ihrer bisher schwachen Leistung. Im Gegenteil: Aufs Steigerungspotenzial kommt es an.

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Das deutsche Team will beim Halbfinale der U21-EM mit dem Kopf 100-prozentig dabei sein. (im Bild: beim Training am 23.06.2009)

Mit einem vom Wechseltheater erlösten Marko Marin, der Statistik im Rücken und dem Trainer als neuen Liebling des Boulevard wollen die deutschen U21-Fußballer ihr Mittsommermärchen zu Ende schreiben. Trotz schwacher Leistungen in der Vorrunde regiert vor dem Halbfinale gegen Rekord-Titelträger Italien am Freitag in Helsingborg (20.45 Uhr) das Selbstbewusstsein im Lager des DFB-Teams.

Die Stimmung ist uneingeschränkt positiv, sogar das spielerisch bisher enttäuschende Auftreten dient vor dem ersten EM-Halbfinale seit 27 Jahren als Mutmacher. "Wir haben von allen Halbfinalisten das größte Steigerungspotenzial", meint Trainer Horst Hrubesch.

"Euro-Horst" wird's richten

Der Coach, der noch an der Aufstellung feilt, sein System aber auf keinen Fall ändern will, wurde von der Bild-Zeitung schon als "Euro-Horst" gehuldigt. Schließlich war er als Spieler 1980 schon Europameister, gewann mit dem HSV 1983 den Europapokal der Landesmeister und erlöste mit dem EM-Titel mit der U19 im Vorjahr den DFB nach einer 16-jährigen Durststrecke ohne Turniersieg im Nachwuchsbereich.

Und wenn der 58-Jährige vor dem Halbfinale gegen den Nachwuchs des Weltmeisters behauptet, "dass die Italiener uns liegen", dann ist das mit Zahlen durchaus belegbar. In fünf U21-Spielen verlor die DFB-Auswahl nie, beim Hrubesch-Debüt im November 2008 gewann der aktuelle Jahrgang einen Test mit 1:0 und auch bei der U19 und der U17 führte der Weg zum Titel über Endspiel- oder Halbfinalsieg über die Italiener.

Sichere Defensive

Die bisher sichere Defensive könnte durch die Rückkehr des seit dem ersten Spiel verletzten Sebastian Boenisch am Freitag zudem noch mehr Halt bekommen. Im Sturm werden die Mittelfeldspieler Mesut Özil und Ashkan Dejagah weiter das Vertrauen erhalten. Doch im Mittelfeld ist nahezu jede Position offen. Außer der von Marin.

Der künftige Bremer, der im letzten Gruppenspiel gegen England 68 Minuten auf der Bank schmoren musste, überzeugte bereits nach seiner Einwechslung und wirkte nach der erfolgten Ablöse-Einigung seines Ex-Klubs Borussia Mönchengladbach mit Bremen auch im Training befreit. Bangen muss Hrubesch aber um Kapitän Sami Khedira (Bluterguss im rechten Knie). Sollte der Stuttgarter spielen können, rangeln Dennis Aogo, Gonzalo Castro, der gegen England schwache Patrick Ebert und der im Training plötzlich im A-Team spielende Zweitliga-Profi Fabian Johnson (1860 München) um die zwei Plätze neben ihm und Marin. Sollte Khedira ausfallen, wird Castro wohl neben Aogo in die Zentrale rücken und Johnson von Castro die rechte Seite übernehmen.

Keine Favoritenrolle

Ändern muss sich aber vor allem das Auftreten der deutschen Mannschaft. "Die Jungs müssen jetzt Taten folgen lassen und in die Spur finden", fordert Hrubesch. Dejagah verspricht aber: "Wir haben unsere Fehler eingesehen. Jetzt haben alle kapiert, dass man immer zu 100 Prozent mit dem Kopf dabei sein muss."

Und Castro glaubt, dass das Team nun befreit aufspielen kann. "Wir haben mit dem Halbfinal-Einzug das Mindestziel erreicht. Darauf sind wir stolz und da fällt einiges an Druck ab", meint der Leverkusener: "Außerdem ist es vielleicht besser für uns, dass man uns nicht in der Favoritenrolle sieht."

Die voraussichtliche Aufstellung:

Neuer (Schalke 04) - Beck (1899 Hoffenheim), Boateng (Hamburger SV), Höwedes (Schalke 04), Boenisch (Werder Bremen) - Khedira (VfB Stuttgart) oder Johnson (1860 München), Aogo (Hamburger SV) - Castro (Bayer Leverkusen), Marin (Borussia Mönchengladbach) - Dejagah (VfL Wolfsburg), Özil (Werder Bremen)

(Holger Schmidt, sid/N24)

26.06.2009 10:21 Uhr

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