Welterbetitel

UNESCO nimmt Wattenmeer und Dolomiten auf

Die UNESCO hat das Wattenmeer als eines der größten küstennahen Feuchtgebiete der Erde in die Welterbe-Liste aufgenommen. Auch die Dolomiten in Norditalien dürfen den Welterbetitel nun tragen.

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Die UNESCO hat das Wattenmeer in Welterbe-Liste aufgenommen.
Deutschland hat ein "Welterbe" weniger: Im Jahr 2004 erhielt das Dresdner Elbtal den Status zugesprochen - und 2009 wegen des umstrittenen Brückenbauprojekts schon wieder aberkannt. Aber es gibt ...
... deutschlandweit noch eine ganze Hand voll weiterer UNESO-Stätten: Sechs Siedlungen, die der "Berliner Modernen" zugerechnet werden, haben den Status des Weltkulturerbes zugesprochen bekommen. Darunter: Die Hufeisensiedlung in Britz ...
... und die Wohnstadt Carl Legien. Doch die Berliner Siedlungen sind nur die neuesten Titelträger. Deutschland hat außer ihnen 32 weitere Stätten.
Als erstes bekam der Aachener Dom 1978 den Titel zugeteilt.
Das Speyerer Pendant folgte 1981 ...
... genauso die Würzburger Residenz.
1983 konnten sich die Pfaffenwinkler freuen. Die Wieskirche in der bayerischen Gemeinde wurde UNESCO-Welterbe.
Die Augustusburg und Schloss Falkenlust in Brühl im Jahr 1984, ...
... Dom und Michaeliskirche (Bild) von Hildesheim im Jahr 1985, ...
... Dom, Liebfrauenkirche und die römischen Baudenkmäler - wie die Porta Nigra in Trier - im Jahr 1986.
1987 erhielt die gesamte Hansestadt Lübeck, hier das Holstentor, den Status zuerkannt.
1990: Schlösser und Parks von Potsdam Sanssouci (Bild) und Berlin (Glienicke und Pfaueninsel)
1991: Die ehemalige Benedektiner-Abtei Lorsch
1992: Das Bergwerk Rammelsberg (Bild) und die Altstadt von Goslar
Im Jahr 1993 folgten zwei neue Welterben: Die Altstadt von Bamberg ...
... und das Kloster Maulbronn.
Auch 1994 wieder zwei Neue: Stiftskirche, Altstadt und Schloss (Bild) in Quedlinburg und ...
... die Völklinger Hütte.
Hier wurden Fossilien gefunden. Die Funde in der Grube Messel bei Darmstadt waren so bedeutend, dass die UNESCO die Stätte seit 1995 als Welterbe führt.
1996 folgten drei Weitere: Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar und Dessau, ...
... der Kölner Dom ...
... und die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg (hier: Ausgrabung der Küche Luthers in Wittenberg).
"Klassisches Weimar" nennt sich das Paket, das 1998 ausgezeichnet wurde. Das Foto zeigt das Goethehaus.
1999: Die Wartburg wird ebenso UNESCO-Welterbe ...
... wie die Berliner Museumsinsel.
Einzigartige Naturlandschaft: Das Gartenreich Dessau-Wörlitz (UNESCO-Welterbe seit 2000)
Ebenfalls 2000 aufgenommen: Die Klosterinsel Reichenau im Bodensee.
Der historische Industriekomplex Zeche Zollverein in Essen (seit 2001)
2002 nimmt die UNESCO die Altstädte von Wismar und Stralsund (Foto) auf ...
... ebenso wie das obere Mittelrheintal.
Ebenfalls 2004 zum Welterbe erhoben: Das Bremer Rathaus und die Rolandstatue ...
... genauso wie der Muskauer Park.
2005 kam der obergermanisch-rätische Limes dazu ...
... und 2006 die Altstadt von Regensburg.
Seit 1. Januar sind Linz in Österreich und …
… Vilnius in Litauen Kulturhauptstädte Europas 2009.
Mehr als 130.000 Menschen kamen allein in der Silvesternacht in Linz zusammen, um zu feiern. Die Stadt will mit einem anspruchsvollen Programm für ein Jahr zum Kulturzentrum Europas werden.
Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer eröffnete das Kulturjahr 2009 im Linzer Brucknerhaus.
Im Donaulände-Park wurde die für Linz entwickelte "Raketensinfonie" von Orlando Gough uraufgeführt: eine Komposition für Feuerwerk, Hunderte von Chorsängern und 16 Solostimmen.
Linz legt mit dem neuen Ars Electronica Center einen Schwerpunkt auf elektronische Kunst und Video. Mit dem Kulturfest will die Stadt gegen den schon von dem Dichter Stefan Zweig geförderten Eindruck ankämpfen: "Linz reimt sich auf Provinz".
Die Hauptstadt Oberösterreichs zählt zu einem der wichtigsten Industriestandorte Österreichs. Die Stadt an der Donau zählt rund 190.000 Einwohner.
Als Mittelpunkt gilt der barocke Hauptplatz aus dem 13. Jahrhundert mit dem Rathaus, der Dreifaltigkeitssäule und der Jesuitenkirche Sankt Ignatius.
Vilnius, die Hauptstadt Litauens, trägt als bisher östlichste Stadt Europas den Ehrentitel. Mehr als 50.000 Menschen waren auf den Beinen, um das neue Kulturjahr zu feiern.
Der deutsche "Lichtarchitekt" Gert Hof sorgte mit seinem Lichtspektakel, eine Mischung aus Feuerwerk und Licht- und Lasershow, für ein lebendiges Bild von Vilnius.
Die litauische Hauptstadt ist mit mehr als 500.000 Einwohnern das politische, kulturelle und wirtschaftliche Zentrum des Landes.
Wahrzeichen der Stadt ist der wuchtige Gediminas-Turm auf dem Burgberg, von dem aus der Besucher auf die Altstadt mit ihren Kirchen und Ziegeldächern blicken kann.
Für das Kulturprogramm 2009 verfolgen beide Städte ähnliche Konzepte: Beide konzentrieren sich auf ein farbiges, facettenreiches europäisches Programm mit überwiegend zeitgenössischer Kunst, Musik und Theater.
In Vilnius wurden zahlreiche Kulturzentren umgebaut und erweitert.
Seit 1985 erhält mindestens eine europäische Stadt den Ehrentitel (Kathedrale von Liverpool, Kulturhauptstadt 2008).
Der Europäische Rat verleiht ihn auf Empfehlung der Europäischen Kommission.
Ziel ist es, den "Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herauszustellen und einen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Bürger Europas füreinander zu leisten".
Erste Kulturhauptstadt war 1985 die griechische Hauptstadt Athen.
Nach Florenz (Italien) …
… und Amsterdam (Niederlande) …
… wurde (West-)Berlin 1988 als erste deutsche Metropole Kulturhauptstadt.
1989 folgten Paris (Frankreich), …
… 1990 Glasgow (Kathedrale von Glasgow, Großbritannien), …
… 1991 Dublin (Trinity Universität, Iralnd), …
… 1992 Madrid (Spanien), …
…1993 Antwerpen (Rubenshaus, Belgien), …
… 1994 Lissabon (Portugal), …
… 1995 Luxemburg (Luxemburg), …
… 1996 Kopenhagen (Dänemark), …
… 1997 Thessaloniki (Statue von "Alexander dem Großen", Griechenland), …
… 1998 Stockholm (Schweden) und …
… 1999 folgte als zweite deutsche Stadt Weimar.
Im Jahr 2000 waren es sogar neun: Avignon (Frankreich), Bergen (Norwegen), Bologna (Italien), Brüssel (Belgien), Helsinki (Finnland), Krakau (Polen), Prag (Tschechien), Reykjavík (Island) und Santiago de Compostela (Spanien).
2001 durften sich Porto (Portugal) und …
… Rotterdam (Niederlande) Kulturhauptstädte Europas nennen.
Salamanca (Spanien) und Brügge (Altstadt, Belgien) folgten 2002.
Graz (Österreich) war 2003 die erste Kulturhauptstadt Österreichs.
Lille (Frankreich) und …
… Genua (Italien) waren 2004 die kulturellen Mittelpunkte Europas.
2005 durften sich Cork (Irland), …
… 2006 Patras (Griechenland), …
… und 2007 zum zweiten Mal Luxemburg (Luxemburg) und Sibiu (Rumänien) Kulturmetropolen Europas nennen.
Im letzten Jahr waren es Liverpool (Hafen, Großbritannien) und Stavanger (Norwegen).
Mit den drei Kulturhauptstädten von 2010, Essen (die dritte deutsche Stadt), …
… Istanbul (Türkei) und …
… Pécs (Ungarn) konnten sich seitdem mehr als 40 Städte mit dem Titel schmücken.
Platz 1: Der Eiffelturm in Paris
Platz 2: London Eye
Platz 3: Perfekt Sonnenuntergänge auf Santorini
Platz 4: Die Alhambra in Granada
Platz 5: Die Kanäle Venedigs
Platz 6: Schloss Neuschwanstein in Bayern
Platz 7: Der Monte Pilatus nahe Luzern
Platz 8: Der Trevibrunnen in Rom
Platz 9: Die Karlsbrücke in Prag
Platz 10: Die Piazzale Michelangelo in Florenz

Als erste deutsche Naturlandschaft ist das Wattenmeer zum Welterbe der Menschheit erklärt worden. Der einzigartige Lebensraum steht damit auf einer Stufe mit Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vor Australien, dem Grand Canyon in den USA, den Galapagos-Inseln vor Ecuador oder dem Serengeti-Nationalpark in Tansania. Einen Tag nach der Aberkennung des Welterbestatus für das Dresdner Elbtal stimmte das UNESCO-Komitee am Freitag im spanischen Sevilla dem deutsch-niederländischen Gemeinschaftsantrag zum Wattenmeer zu.

Auch die Dolomiten in Norditalien dürfen künftig den Welterbetitel tragen, wie die UNESCO ebenfalls entschied. Die UN-Organisation würdigte die Dolomiten als eine der "schönsten Berglandschaften" der Welt. Das Gebiet in den norditalienischen Alpen umfasst 18 Gipfel, die teilweise über 3000 Meter hoch sind. Das Gebirge zeichnet sich durch steile Felswände, scharfe Klippen sowie eine Vielzahl enger und tiefer Schluchten aus. Das zum Welterbe erklärte Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von fast 142.000 Hektar.

"Heute ist ein großer Tag für den Naturschutz in Deutschland", erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) kommentierte die Nachricht mit den Worten: "Die Anerkennung ist eine große Ehre für die Länder an der deutschen Nordseeküste sowie ein Meilenstein und Ansporn für die gemeinsamen internationalen Bemühungen für den Schutz des Wattenmeeres." Es werde deutlich, wie einzigartig das Wattenmeer sei. Der große Imagegewinn könne sich positiv auf den Tourismus auswirken.

Verschärfung der Naturschutzgesetze nicht nötig

Im Wattenmeer machen jährlich zehn bis zwölf Millionen Zugvögel Station. Insgesamt rund 10.000 Arten haben hier ihren Lebensraum. Die Umweltschutzorganisation WWF forderte Politik und Industrie auf, die Anerkennung als Weltnaturerbe zu respektieren und auf jeden Ressourcenabbau im Wattenmeer zu verzichten. Die Industrie müsse aufhören, sich immer neue Ausnahmen für "missbräuchliche Nutzungen" im Nationalpark zu erstreiten und auf jede Ausweitung der Ölförderung verzichten, sagte der Leiter des WWF-Wattenmeerprojekts, Hans-Ulrich Rösner. "Niemand braucht ausgerechnet Öl aus dem geschützten Watt." Vor der Dithmarscher Küste wird im schleswig-holsteinischen Wattenmeer seit Jahren Öl gefördert.

Eine weitere Gefahr stelle der vom Klimawandel verursachte Anstieg des Meeresspiegels dar, sagte Rösner. Dieser könne in der flachen Landschaft der Nordseeküste besonders schwere Auswirkungen für Mensch und Natur haben. Wattflächen und Salzwiesen drohten dauerhaft überflutet zu werden, auch Inseln könnten in Gefahr geraten.

Die Fläche zwischen der holländischen Insel Texel und der Nordspitze Sylts ist mit der Entscheidung vom Freitag in die Liste von weltweit knapp 200 einzigartigen und schützenswerten Naturdenkmäler aufgenommen. Auf ihren Erhalt hat die Menschheit aus Sicht der UNESCO ein Anrecht. Strengere Vorschriften oder Naturschutzgesetze sind mit der Ernennung aber nicht verbunden. Die Welterbe-Auszeichnung gilt als Anerkennung bestehender Schutzbemühungen und ist mit weltweiter Aufmerksamkeit verbunden.

Hamburg denkt über Nachmeldung nach

Das Watt ist das zweite Naturdenkmal Deutschlands. Die Grube Messel, eine Fossilienlagerstätte bei Darmstadt, trägt den Titel seit 1995. Anders als das Watt ist sie aber keine Landschaft. In Teil zwei des Welterbes der Menschheit - dem Kulturerbe - ist Deutschland mit 32 Orten vertreten.

Um die UNESCO-Auszeichnung für das Wattenmeer hatten sich die Niederlande, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Bund Anfang 2008 beworben. Dänemark und Hamburg unterstützten das Vorhaben zunächst, sprangen dann aber ab. Hamburg signalisierte inzwischen, dass es sein Wattenmeer in der Elbmündung möglicherweise nachmelden wird.

(AFP, N24)

26.06.2009 13:53 Uhr

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