Die UNESCO hat das Wattenmeer als eines der größten küstennahen Feuchtgebiete der Erde in die Welterbe-Liste aufgenommen. Auch die Dolomiten in Norditalien dürfen den Welterbetitel nun tragen.
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Als erste deutsche Naturlandschaft ist das Wattenmeer zum Welterbe der Menschheit erklärt worden. Der einzigartige Lebensraum steht damit auf einer Stufe mit Naturwundern wie dem Great Barrier Reef vor Australien, dem Grand Canyon in den USA, den Galapagos-Inseln vor Ecuador oder dem Serengeti-Nationalpark in Tansania. Einen Tag nach der Aberkennung des Welterbestatus für das Dresdner Elbtal stimmte das UNESCO-Komitee am Freitag im spanischen Sevilla dem deutsch-niederländischen Gemeinschaftsantrag zum Wattenmeer zu.
Auch die Dolomiten in Norditalien dürfen künftig den Welterbetitel tragen, wie die UNESCO ebenfalls entschied. Die UN-Organisation würdigte die Dolomiten als eine der "schönsten Berglandschaften" der Welt. Das Gebiet in den norditalienischen Alpen umfasst 18 Gipfel, die teilweise über 3000 Meter hoch sind. Das Gebirge zeichnet sich durch steile Felswände, scharfe Klippen sowie eine Vielzahl enger und tiefer Schluchten aus. Das zum Welterbe erklärte Gebiet erstreckt sich über eine Fläche von fast 142.000 Hektar.
"Heute ist ein großer Tag für den Naturschutz in Deutschland", erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) kommentierte die Nachricht mit den Worten: "Die Anerkennung ist eine große Ehre für die Länder an der deutschen Nordseeküste sowie ein Meilenstein und Ansporn für die gemeinsamen internationalen Bemühungen für den Schutz des Wattenmeeres." Es werde deutlich, wie einzigartig das Wattenmeer sei. Der große Imagegewinn könne sich positiv auf den Tourismus auswirken.
Verschärfung der Naturschutzgesetze nicht nötig
Im Wattenmeer machen jährlich zehn bis zwölf Millionen Zugvögel Station. Insgesamt rund 10.000 Arten haben hier ihren Lebensraum. Die Umweltschutzorganisation WWF forderte Politik und Industrie auf, die Anerkennung als Weltnaturerbe zu respektieren und auf jeden Ressourcenabbau im Wattenmeer zu verzichten. Die Industrie müsse aufhören, sich immer neue Ausnahmen für "missbräuchliche Nutzungen" im Nationalpark zu erstreiten und auf jede Ausweitung der Ölförderung verzichten, sagte der Leiter des WWF-Wattenmeerprojekts, Hans-Ulrich Rösner. "Niemand braucht ausgerechnet Öl aus dem geschützten Watt." Vor der Dithmarscher Küste wird im schleswig-holsteinischen Wattenmeer seit Jahren Öl gefördert.
Eine weitere Gefahr stelle der vom Klimawandel verursachte Anstieg des Meeresspiegels dar, sagte Rösner. Dieser könne in der flachen Landschaft der Nordseeküste besonders schwere Auswirkungen für Mensch und Natur haben. Wattflächen und Salzwiesen drohten dauerhaft überflutet zu werden, auch Inseln könnten in Gefahr geraten.
Die Fläche zwischen der holländischen Insel Texel und der Nordspitze Sylts ist mit der Entscheidung vom Freitag in die Liste von weltweit knapp 200 einzigartigen und schützenswerten Naturdenkmäler aufgenommen. Auf ihren Erhalt hat die Menschheit aus Sicht der UNESCO ein Anrecht. Strengere Vorschriften oder Naturschutzgesetze sind mit der Ernennung aber nicht verbunden. Die Welterbe-Auszeichnung gilt als Anerkennung bestehender Schutzbemühungen und ist mit weltweiter Aufmerksamkeit verbunden.
Hamburg denkt über Nachmeldung nach
Das Watt ist das zweite Naturdenkmal Deutschlands. Die Grube Messel, eine Fossilienlagerstätte bei Darmstadt, trägt den Titel seit 1995. Anders als das Watt ist sie aber keine Landschaft. In Teil zwei des Welterbes der Menschheit - dem Kulturerbe - ist Deutschland mit 32 Orten vertreten.
Um die UNESCO-Auszeichnung für das Wattenmeer hatten sich die Niederlande, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und der Bund Anfang 2008 beworben. Dänemark und Hamburg unterstützten das Vorhaben zunächst, sprangen dann aber ab. Hamburg signalisierte inzwischen, dass es sein Wattenmeer in der Elbmündung möglicherweise nachmelden wird.