General Motors? Insolvent. Chrysler? Insolvent. Ford? Mit Milliardenverlusten, aber nicht pleite. Der Autokonzern stemmt sich noch mit Erfolg gegen die Krise - dank F-Serie und deutschem Markt.
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Die US-Autobauer General Motors (GM), Ford und Chrysler - einst "Big Three", die Großen Drei - genannt. Nach Milliardenverlusten ist der Lack beim Trio aus Detroit aber längst ab. Doch während GM und Chrysler nur dank enormer Staatshilfen überhaupt noch existieren, könnte Ford aus eigener Kraft die Kurve kriegen. Auch ein Verdienst des seit knapp drei Jahren am Steuer sitzenden Alan Mulally, wie viele in der Branche meinen.
US-Präsident Barack Obama höchstpersönlich bescherte dem 63-Jährigen erst kürzlich einen großen PR-Erfolg: Er habe noch immer seinen Ford mit Öko-Hybridantrieb, plauderte Obama bei einem Treffen in die Mikros. "Er fährt klasse." Mulally grinste übers ganze Gesicht. Ein «big point» als Belohnung für den rastlosen Manager, der Ford in US-Manier einen Sanierungskurs plus viel Zweckoptimismus verordnete.
Als der Ingenieur im Herbst 2006 nach Jahrzehnten beim US- Flugzeugbauer Boeing das Ford-Lenkrad übernahm, stand der gut 100-jährige Traditionskonzern am schlechtesten da unter den US-Rivalen. Gerade die rechte Herausforderung für den ehrgeizigen Mulally. Nur zu schaffen wohl nur von einem Branchenfremden mit unvoreingenommenen Blick. "Ich glaube nicht, dass uns ein Insider so schnell in Bewegung gebracht hätte", sagte Finanzchef Lewis Booth kürzlich der «New York Times».
Abwärtstrend gebremst
Die veröffentlichten US-Absatzzahlen passen da gut ins Bild: Ford konnte im Juni die Talfahrt erstmals seit 16 Monaten klar bremsen. Minus 11 Prozent zum Vorjahr machen keinen Autofrühling, sind aber beachtlich im Vergleich zum dramatischen Absturz um 34 Prozent bei der bisherigen Opel-Mutter GM und gar 42 Prozent bei Chrysler. Ford baute seinen Marktanteil auf gut 13 Prozent aus und ist nun in den USA wieder Nummer zwei hinter GM und vor Toyota.
Als die US-Rivalen vor Jahren noch im Erfolgsrausch spritdurstiger Pickups und dicker Limousinen schwelgten, sorgte Mulally für miese Zeiten vor. Er holte Milliardenkredite, als sie vor der Finanzkrise noch zu haben waren, belieh alles vom Konzernsitz bis zum tiefblau-ovalen Firmenlogo. Noch rechtzeitig verkaufte er zudem die Marken Land Rover und Jaguar nach Indien. Nun profitiert Ford davon, dass GM und Chrysler ihre Kunden mit Insolvenzverfahren verschreckt haben.
F-Serie ein Verkaufsschlager
Die F-Serien-Pickups von Ford sind noch immer die meistverkaufte Modellreihe in den USA. Eher als die Konkurrenz kann Ford zudem auf neue sparsame Autos setzen. Bei Kleinwagen kommen die Hoffnungsträger aus Deutschland: Im nächsten Jahr soll der in Köln entwickelte Ford Fiesta auch auf den US-Markt rollen. "Wir hatten die richtigen Autos zur richtigen Zeit", heißt es stolz aus den Werken in Köln, wo auch die Europa-Zentrale sitzt, und dem saarländischen Saarlouis.
Deutschland macht Ford bereits seit geraumer Zeit mehr Freude als der Heimatmarkt. Schon 2008 zogen die Verkäufe an, doch seit dem Start der Abwrackprämie im Januar dieses Jahres hat sich der Absatz mehr als vervierfacht - vor allem dank der Kleinwagen Fiesta, Focus und Ka. Der Marktanteil lag im ersten Halbjahr bei 7,5 Prozent. Die zu Jahresbeginn wegen der Autokrise erwogene Kurzarbeit ist längst vom Tisch, nun werden sogar Sonderschichten gefahren.
Milliarden-Verluste
Doch trotz allem ist der Ford-Konzern weltweit alles andere als gesund. In den vergangenen drei Jahren fielen vor allem wegen des US-Geschäfts Verluste von rund 30 Milliarden Dollar an, allein 2008 ein Rekordminus von fast 15 Milliarden Dollar. Frühestens 2011 sind nach heutiger Planung zumindest operativ wieder schwarze Zahlen drin.
Wettbewerbsnachteile durch GM- und Chrysler-Insolvenzen?
Der Konzern schlägt sich mit ähnlich enormen Altlasten herum wie GM und Chrysler. Um in die Gewinnzone zu fahren, gibt es noch immer zu viele Mitarbeiter und zu hohe Sozialkosten - trotz eines bereits drastischen Jobabbaus und milliardenschweren Zugeständnissen der Gewerkschaft.
Dass Ford auf seinem Sanierungskurs eine Insolvenz bisher zu vermeiden schaffte, könnte sogar zum Bumerang werden. Chrysler und GM werfen unter Gläubigerschutz sonst nur schwer loszuwerdenden Ballast ab. Daraus dürfe kein Wettbewerbsnachteil werden, warnte Mulally.
Und Branchenkenner Paul Ingrassia schrieb im "Wall Street Journal", Ford sei wie ein US-Hausbesitzer, der seinen Kredit stets brav abbezahlt, während sein verschwenderischer Nachbar vom Staat gerettet wird. "Aber trotzdem würde Ford wohl gerade jetzt nicht mit GM und Chrysler tauschen wollen."