Umstrittene Auszeichnung
"Orden für Tapferkeit" verliehen
"Kriegsbedingt gewandeltes Selbstverständnis" und "schräge Symbolpolitik": Kritik am Ehrenkreuz gibt es viel. Dennoch wurden erstmals vier Soldaten mit dem Tapferkeitsorden ausgezeichnet.
Sie sind die ersten Soldaten in der über 50-jährigen Geschichte der Bundeswehr, die diese Auszeichnung bekommen. Sie kümmerten sich im Oktober vorigen Jahres nach einem Selbstmordanschlag nahe Kundus in Nordafghanistan selbstlos um ihre Kameraden. Zwei Soldaten, 22 und 25 Jahre alt, überlebten das Attentat nicht. Sie starben, als sich ein Mann auf einem Fahrrad neben ihrem gepanzerten Lastwagen in die Luft sprengte.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich hat in Berlin vier Männern für ihren Mut das neue Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit verleihen. Diese Medaille gehört zu den vermeintlich kleinen Details, an denen sich der Umbau der deutschen Streitkräfte zur Armee im Einsatz ablesen lässt.
Bisher gab es vier Stufen des Ehrenzeichens der Bundeswehr: Die Ehrenmedaille, das Ehrenkreuz in Bronze, in Silber und in Gold. Diese Orden werden in der Regel nach Zeit vergeben - angefangen von 30 Tagen Auslandseinsatz bis zu 20 Dienstjahren. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hatte die neue Medaille angeregt, um Soldaten für einen Einsatz "weit über das normale Maß der Tapferkeit hinaus" zu ehren. Er will die besondere Einzelleistung würdigen - unabhängig davon, ob ein Soldat dem Staat 2 oder 20 Jahre dient.
Unheilvolle Erinnerung
2008 billigte Bundespräsident Horst Köhler den Vorstoß. Die Linke sprach damals von einem "kriegsbedingt gewandelten Selbstverständnis der Bundeswehr", die Grünen von "schräger Symbolpolitik". Manch Außenstehende erinnerte der Orden unheilvoll an das von der Wehrmacht verliehene Eiserne Kreuz, missbräuchliche Tapferkeits-Auszeichnungen und die Schrecken der Hitler-Diktatur.
Das Ehrenkreuz erinnert in seiner Form an das Eiserne Kreuz. Und auch alle Teilstreitkräfte der 1955 gegründeten Bundeswehr tragen das Symbol als Hoheitszeichen. Seit dem Zweiten Weltkrieg hatte Deutschland im Gegensatz zu anderen NATO-Staaten bewusst keinen Tapferkeitsorden mehr. In der DDR gab es einen Orden für besondere Tapferkeit im Krieg, der nie verliehen wurde, weil die Nationale Volksarmee nicht im Krieg war.
Laut Historikern ist Deutschland nach der Wiedervereinigung ein normaler Staat im internationalen Staatenbündnis. Zu dieser Normalität gehöre auch, eigene Soldaten so auszuzeichnen wie es die Bündnispartner in ihren Armeen machten. Jung, Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt, argumentiert, die deutschen Soldaten riskierten in den Auslandseinsätzen Leib und Leben. Deshalb sei es richtig, ihre besonderen Leistungen zu würdigen. Der sich verschärfende Kampf in Afghanistan ist nun Anlass für die erste Auszeichnung. Aber auch die Verleihung dieser Medaille dürfte zur Normalität werden. Denn gerade der Afghanistan-Einsatz wird noch Jahre dauern.
(Kristina Dunz, dpa, N24)
06.07.2009 13:54 Uhr








