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"Ländle" in Aufruhr

Flatrate-Bordell bei Stuttgart erregt Gemüter

Das hat es im beschaulichen Fellbach bei Stuttgart noch nicht gegeben: Ein Bordell bietet dort, wie auch in anderen deutschen Städten schon üblich, einen Flatrate-Tarif an. Die Bürger sind empört.

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Der Stein des Anstoßes: Zwei Prostituierte im Flatrate-Bordell "Pussy-Club" in Fellbach vor dem Plakat ihres Freudenhauses. Politiker wollen den Flatrate-Betrieb unterbinden.
Der Sexreport 2008 enthüllt die intimsten Geheimnisse der Deutschen. Sie haben beispielsweise 139 Mal Sex im Jahr.
Die vergnüglichen Stunden werden allerdings vom Orgasmus-Neid überschattet. Während Frauen nur selten zum Höhepunkt kommen, können Männer immer einen haben. Das findet das weibliche Geschlecht ungerecht.
Vielleicht gehen Frauen deshalb öfter fremd als Männer.
Vielleicht liegt es aber auch daran, was man(n) unter Fremdgehen versteht. Auf jedenfall stehen Männer offen zum Dreier.
Pornos vermittelten in der Regel eine Vorstellung von Sexualität, die mit der Realität wenig zu tun hat.
Der "Sexreport 2008" befragte Männer und Frauen aber auch zu ihren sexuellen Gewohnheiten - zum Teil unter Einsatz eines Lügendetektors.
Wer glaubt, die Deutschen würden einen ständigen Partnertausch vollführen, der irrt. Lediglich 5 Prozent der Befragten hatten Erfahrungen mit dem Partnertausch.
Die Studie ergab auch, dass ein Drittel der befragten Männer im Alter zwischen 14 und 70 Jahren täglich Pornos gucken.
Mit 8 Prozent stehen die Frauen Pornos eher skeptisch gegenüber.
Nichts desto Trotz glauben viele junge Mädchen, dass sich ihr Freund eine Art Porno-Star im Bett wünscht.
Welche Hobbys finden Männer bei Frauen eigentlich attraktiv? Und wie verhält es sich andersrum?
Auf jeden Fall ist sportliche Aktivität sexy. Unter den Top 11 ist auch das Surfen. Doch der Reihe nach: die attraktivsten Hobbys.
Natürlich: Auf Platz 1 liegt für Männer das Kochen. Man(n) findet Frau am Herd also sexy. Beim ersten Platz sind sich Frauen und Männer sogar einig.
Ja, auch Frauen finden mit 79,4 Prozent Männer, die kochen können, attraktiv. So, Herr Mälzer, dann mal ran an die Pfanne.
51,4 Prozent der Männer stehen auf singende Frauen ...
... oder auf Frauen, die zumindest irgendwie Musik machen.
Platz 3 der Hobbys, die Männer attraktiv finden: Yoga. Bei diesem Platz sind sich Männer und Frauen auch fast wieder einig.
Denn 54,7 Prozent der Frauen finden, dass Yoga und Fitness Männer attraktiv macht. Naja, wie weit man das dann treibt, ist jedem selbst überlassen.
Die Oper! 46,6 Prozent der Männer stehen auf Frauen, die gerne in die Oper oder ins Theater gehen.
Immerhin ein Grund, sich mal wieder schick zu machen. Männer sollten das öfter tun, denn Frau wählt den Opernbesuch auf Platz 2 der attraktivsten Hobbys.
Platz 5: Attraktiv sind Frauen, die sich für Literatur interessieren und selber Geschichten schreiben.
Dafür muss man aber noch längst keine Hotelerbin sein. Dass Bücher zu einem attraktiven Hobby zählen, fanden übrigens 42,2 Prozent der Männer.
Mit ihrer Heimwerkersendung machte sie es vor: Sonya Kraus hat ein sehr attraktives Hobby. In der Tat, liebe Damen, ran an die Bohrmaschine, denn Man(n) mag es!
Bei Männern sollte allerdings noch öfter das Werkzeug benutzt werden: Platz 4 für das attraktive - und nützliche - Hobby.
Platz 7: Männer und Frauen sind sich bei diesem attraktiven Hobby einig. Surfen ist sexy.
Auf in die Wellen, darüber freuen sich Männer und Frauen gleichermaßen.
Männer finden Frauen attraktiv, die extremen Sport machen: Darunter Fallschirmspringen ...
... und Bungee Jumping. Frauen stehen übrigens auch auf extreme Männer ...
Platz 9 als attraktives Hobby für Männer!
Auch wenn sie manchmal nörgelt, die Frau wählt Fußball trotzdem mit 14,2 Prozent auf Platz 8 der attraktiven Hobbys.
Unglaublich aber wahr: Männer wurden enttarnt, denn auch sie stehen auf die fußballspielende Frau. Platz 9.
Der 10. Platz: Männer finden Frauen attraktiv, die PC-Spiele spielen. Ob sie etwa hoffen, dass sich frau dabei in Lara Croft verwandelt, ist unklar.
Jedenfalls stehen PC-Spiele als attraktives Hobby auf dem letzten Platz für Männer. Nur 3,4 Prozent der Frauen finden zockende Männer sexy.
Immerhin noch 10,6 Prozent der Männer finden Stricken und Nähen als weibliches Hobby attraktiv.
Frauen räkeln sich gerne mal sexy auf schnellen Autos und Motorrädern. Das Tuning von solchen wählten sie als attraktives Hobby auf den 10. Platz.
Also, Ausschau halten! 5,7 Prozent finden Tuning bei Männern sexy.

Flatrate-Telefonieren, Flatrate-Trinken und nun auch Flatrate-Fummeln: Wenige Wochen nach der Eröffnung eines sogenannten Flatrate-Bordells in Fellbach bei Stuttgart regt sich heftiger Widerstand bei Frauenrechtsorganisationen und Bürgerinnen der Stadt. In dem Freudenhaus zahlen Freier einen festen Preis von rund 100 Euro und können dafür angeblich uneingeschränkt die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen, Essen und Trinken inklusive. So lautet zumindest die aggressive Werbung der rumänischen Geschäftsführerin Patricia F. (26), die mit diesem Konzept auch in Heidelberg, Wuppertal und Berlin Etablissements betreibt.

Männer können eh meistens nur zwei Mal

"Die Masse macht's. Mehr als zwei Mal schafft kaum ein Mann. Für die Flatrate gibt es nur das billigste Bier", sagt die 26-Jährige. In einem offenen Brief an Politiker forderten Kritiker eine Änderung des seit 2002 geltenden Prostituiertengesetzes, weil dieses Bordellbetreiber und Zuhälter besser stelle und Frauen erniedrige. Bisher sind die Behörden allerdings machtlos. "Wir haben mit der Leitung des Hauses gesprochen und unter anderem die Räumlichkeiten in Augenschein genommen, ohne große Beanstandungen", sagt ein Sprecher der Stadt, die um ihren guten Ruf fürchtet. "Wir behalten uns aber rechtliche Schritte vor."

Auch Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) ist empört: "Ich halte das für nicht hinnehmbar. Mit den sogenannten Flatrate-Bordellen ist eine neue Qualität erreicht, es herrscht dringender Handlungsbedarf." Die Staatsanwaltschaft Stuttgart erreichte eine Anzeige gegen den Club wegen Ausbeutung von Prostituierten.

Grenze zwischen freiwillig und erzwungen fließend

Die Polizei war da und hat das Bordell weiter im Auge. "Wir haben uns mit dem Betreiber unterhalten und derzeit keine Handhabe, etwas zu machen", sagte ein Sprecher der Waiblinger Polizei. Es sei wegen des Flatrate-Konzepts aber wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis es zu Problemen kommen werde. Laut Vertrag dürften die Frauen entscheiden, mit wem sie Kontakt haben und entscheiden, welche Dienstleistungen sie anbieten. "Dies steht aber im Widerspruch zur Werbung im Internet", sagte der Polizeisprecher. Dort wird den Freiern ein "Alles-Inklusive"-Angebot mit "Tiefpreis-Garantie" versprochen.

Doch wo verläuft die Grenze zwischen freiwilliger und erzwungener Prostitution? Die katholische Ordensschwester Lea Ackermann, die sich mit ihrem Verein "Solwodi" gegen Sextourismus und Menschenhandel einsetzt, ist sicher, dass das neue Prostituiertengesetz für viele Übel verantwortlich ist. In vielen "Wellness- und FKK-Clubs" lasse sich etwa die freiwillige von der erzwungenen Prostitution kaum noch unterscheiden. "Die Frauen unterliegen einer nahezu lückenlosen Kontrolle durch ein ausgeklügeltes System aus Videokameras und Security-Personal. Sie müssen sich ausschließlich unbekleidet in den Häusern bewegen, dürfen nicht telefonieren und nur mit Genehmigung der Geschäftsleitung nach draußen. Die Sexualpraktiken sind vorgeschrieben; Freier können nicht abgelehnt werden."

Mädchen mit "Loverboy-Trick" abhängig gemacht

"Das Rotlicht-Milieu ist untrennbar mit Kriminalität verbunden", sagt auch Cornelia Filter, Sprecherin bei "Solwodi", die das Fellbacher "Aktionsbündnis gegen Sex-Flatrates" unterstützt. Die Grenzen von Freiwilligkeit und Zwang seien fließend: "Früher waren Zwangsprostituierte klarer erkennbar auch durch Male am Körper durch Gewalt. Heute haben die Täter subtilere Methoden, zum Beispiel den 'Loverboy-Trick'. Sie machen junge Mädchen in Osteuropa verliebt in sich. Das sind meist Mädchen, die aus kaputten Familien stammen und sich nach Liebe sehnen. Die machen dann aus Liebe alles für die Typen. Das scheint dann freiwillig zu sein."

Nach Angaben von Schwester Ackermann suchen sich die Täter immer wieder neue Frauengruppen aus, die sie zur Prostitution zwingen. Immer häufiger seien dies Roma-Frauen, die aus patriarchalischen Gesellschaften aus Rumänien oder Bulgarien stammten. "Die Polizei ist durch das neue Gesetz demotiviert, Razzien durchzuführen. Deswegen stößt man seither auf weniger Fälle von Menschenhandel."

Die 26-jährige Bordellchefin Patricia wiegelt ab: "Bei mir arbeiten viele Rumäninnen als Subunternehmerinnen auf Basis einer Tagespauschale. Keine wird gezwungen, etwas zu tun. Sehr viele sprechen nicht Deutsch. Von Zuhältern ist mir nichts bekannt." Der Lohn der Frauen hänge von dem ab, was sie bereit seien, zu tun, und schwanke zwischen 100 und etwa 200 Euro.

(Tatjana Bojic, dpa, N24)

10.07.2009 07:01 Uhr

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