Wurst, Käse, Schokolade

Mogel-Liste enttarnt Lebensmittel-Imitate

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine Liste mit Lebensmittelimitaten veröffentlicht. Die werden immer häufiger als billiger Ersatz für Schinken, Käse und Co. eingesetzt - oft unbemerkt vom Kunden.

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Wie viel wissen Sie über die Produkte, die Sie konsumieren? Was ist schädlich? Worauf muss man achten? Wer zum Besipiel auf seine tägliche Dosis Pestizide verzichten möchte, ...
... der greift im Supermarkt besser nicht bei den Kirschen zu. Laut einer neuen Greenpeace-Untersuchung weisen die Früchte aus Spanien und Frankreich bedenklich hohe Rückstände auf. Die weniger schädliche Alternative sind ...
... Erdbeeren. Doch wer sich nun denkt, Ach, püriert schmecken die doch viel besser, sei gewarnt. Die im Supermarkt erhältlichen Smoothies sind zwar Trend, allerdings nicht immer unbedenklich.
Stiftung Warentest hat nämlich 27 Produkte untersucht. Darunter auch der Chiquita Mango-Passionsfrucht Smoothie (Bild). Testresultat: "mangelhaft". "Sehr gut" dagegen schnitt mit zum Beispiel der Frucht Smoothie der Marke Mövenpick ab.
Auch anderen Irrtümern wollen wir ein Ende bereiten: So sind Kartoffeln als Dickmacher verschrien - fälschlicherweise. Im Erdapfel stecken gerade mal 70 kcal je 100 gramm.
Auch glauben, laut einer Studie der Zeitschrift "Für Sie", 60 Prozent der Befragten Traubenfruchtzucker oder Honig seien gesünder als herkömmlicher Zucker: Ebenfalls falsch!
A propos Honig: Ein trauriges Ergebnis hatte die Zeitschrift Ökotest zu verkünden: der beliebte "Langnese Sommerblütenhonig Feine Auslese" erhielt das Prädikat "mangelhaft", nachdem Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen in ihm gefunden wurden.
Aber es gibt auch erfreuliche Testurteile der Zeitschrift: So erhielt Ferreros "Nutella" zum wiederholten Mal das Siegel "sehr gut". Ebenso wie ...
... die Nuss Nougat Creme der Marke Alnatura.
Auffällig oft sind die Produkte der Biomarke ...
... in der "gut"- oder sogar "sehr gut"-Spalte zu finden. Da lohnt es sich also auch bei ...
... dem Balsamessig der Marke zuzugreifen. Auch dieses Produkt gehört zu den Produkten, die als empfehlenswert beurteilt wurden und günstig sind.
Bei den Olivenölen stellte sich das als schwieriger heraus. Hier erklärte die Stiftung Warentest, die Produkte wären oft überlagert gewesen, und die "sehr guten" Öle, wie das Bio-Öl Neuco, wären erst ab einem Wert von 17,60 Euro pro Liter zu haben.
Bei dem bei den deutschen so beliebten Vanilleeis ein ebenso ernüchterndes Urteil: Stiftung Warentest vergab in einem Test von 22 Produkten gleich neunmal die Note "mangelhaft". Darunter das Vanilleeis der Marke ...
Landliebe. Das Hauptmanko bei der beliebtesten Eissorte sei die fehlende Vanille. Die Stiftung Warentest vermutet Sparsamkeit als Grund, da die Rohstoffpreise echter Vanille extrem schwankend sind.
Die These unterstützt auch die Preisklasse des Testsiegers. Haägen Dasz Vanilla ist das beste Eis laut Test und mit elf Euro pro Liter auch das teuerste.
Allerdings heißt "teuer" nicht gleich "bessere Qualität". Zwar wird die Marke Actimel mit "sehr gut" bewertet, jedoch wird es hier als nur als "genau so gut" wie ein normaler Naturjoghurt beschrieben. Hier handelt es sich um ein falsches Werbeversprechen.
Außerdem wird vor ihm gewarnt: "Vorsicht Zuckerbombe!". Weniger süß und ebenfalls "sehr gut": die Bio-Joghurts von Alnatura und Söbbeke.
Und für die, die in ihr Joghurt gern ein paar Cornflakes schütten: Hier kann man unbesorgt sein laut Ökotest. Im Test schnitten acht Cornflakes mit "sehr gut" ab, weitere acht mit "gut". Lediglich ein Produkt ist "befriedigend".
Auch bei der Deutschen Markenbutter nahezu durchweg "sehr gute" Ergebnisse. Nur ein Produkt erhält nur ein "befriedigend" von den Testern: die Landliebe Butter - und das trotz ihres hohen Preises mit 1,25 Euro.
Die untersuchten Kräuterfrischkäse können sich sehen lassen. Bis auf eine Ausnahme sind alle "sehr gut" oder "gut". Schade, dass gerade die beliebte Topmarke Philadelphia Kräuter mit dem Gesamturteil "befriedigend" das Schlusslicht im Test ist.
Einfacher gehts nicht: Packung auf und ab in den Ofen. Mit der Qualität scheint es schwieriger. Von 18 Pizzen sind nur drei "gut" laut Stiftung Warentest. Eine davon die "Ristorante Pizza Speziale" von Dr Oekter.
Wo wir schon gerade beim Fastfood sind: Bei den Chips sieht es ähnlich aus. Die Hälfte der getesteten Produkte steckt so voller Schadstoffe, dass sie nur noch ein "ungenügend" bekommen. Dagegen kommen die Kettle Chips Cheeses & Onion und ...
... die Funny Frisch Chipsfrisch Ungarisch ohne aus.
Erfrischend, spritzig, frisch - das beliebte Krombacher Radler ist unter den deutschen Radler-Marken die Nummer eins. Das ergab eine Untersuchung des Magazins "Ökotest".
Und wer zu seinem kühlen Radler auch gern ein Würstchen verzehrt, kann bei den 13 "sehr guten" Würstchensorten ohne Bedenken das ein oder andere in die Pfanne hauen. Die restlichen vier sind "gut".
Zum Würstchen muss auf jeden Fall ein ordentlicher Klecks "Delikatess-Senf mittelscharf" von Netto Marken-Discount. Dieser erhält von "Ökotest" die Bestnote "sehr gut".
Egal ob Pommes, Würstchen oder Gegrilltes - mit Ketchup schmeckt’s einfach besser. Von "Ökotest" empfohlen werden nur wenige. Einer davon "Heinz Tomato Ketchup".
Zum Komplettieren der Grillparty fehlt nur noch eins: die Aufbackbrötchen. Erstaunlich: 13 Produkte, 13 Mal "sehr gut" - an Aufbackbrötchen haben die Tester nichts auszusetzen.
Mancher Kaffee schmeckt nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest "modrig-muffig" oder nach "feuchter Pappe".
Die Mischungen Tchibo Gran Cafe (Bild), Tip Gold von Metro und A&P von Kaiser's Tengelmann schnitten am schlechtesten mit der Note "mangelhaft" ab. Dagegen ...
... erhielten Bellarom Gold von Lidl (Bild) und Markus Gold von Aldi Nord die Bestnote "gut". Diese waren auch die preisgünstigsten im Test und kosten jeweils 2,49 Euro für 500 Gramm.
Zum Schluss noch ein letzter Tip: Viele Suppen aus dem Gefrierfach kommen ohne Zusatz- oder Konservierungsstoffe aus. Also, ein Blick ins Kühlregal lohnt sich.
Die Allestester von der Stiftung Warentest sind an der Deutschen liebstes Heißgetränk gegangen: den Kaffee. Dabei brühten und schlürften die strengen Qualitätshüter ...
... 31 verschiedene Marken - von teueren Bohnen bis billiger Discounterware - und kamen zu erstaunlichen Ergebnissen. Koffeinjunkies müssen nämlich nicht immer tief in die Tasche greifen, um bestes Aroma zu genießen.
Welche Marke der bekennende Kaffee-Liebhaber Jogi Löw trinkt, ist sein Geheimnis. Zu welchem Produkt Sie greifen wissen Sie ja. Checken Sie im Folgenden, auf welchen Platz es die Bohne ihrer Wahl geschafft hat:
Fangen wir von hinten an: Der Tchibo Gran Cafe bekommt im Test die Note 5,0. Hinweis der Tester: "Sensorisch deutlich fehlerhaft: Riecht und schmeckt modrig-muffig – unabhängig von der Zubereitungsart." (Preis: 3,30 Euro)
Auch die Metro-Marke Tip bekommt für den Gold Kaffee eine 5,0. Auch hier gilt: "Sensorisch deutlich fehlerhaft: Riecht und schmeckt modrig-muffig – unabhängig von der Zubereitungsart." (Preis: 2,50 Euro; keine Abbildung verfügbar)
Ebenso mit der Note 5,0 schneidet die Kaiser's-Tengelmann-Marke A&P Kaffee Fein ab. Und wieder: "Sensorisch deutlich fehlerhaft: Riecht und schmeckt modrig-muffig – unabhängig von der Zubereitungsart." (Preis: 3 Euro, keine Abbildung verfügbar)
Der Eduscho Gala Nr. 1 schafft die vier vor dem Komma: Note 4,5. Beim Brühen in der Kaffeemaschine stellten die Tester fest, dass der Kaffee modrig-muffig schmeckt (Preis: 3,40 Euro).
Es folgt die Marke Tempelmann Green Change Bio: Note 4,0. "Schmeckt aus der Kolbenkanne nach feuchter Pappe." (Preis: 5,50 Euro)
Note 4,0 auch für Röstfein Mona Gourmet (Preis: 3,70 Euro) und ...
... die Lidl-Marke Fairglobe Café Del Mundo Bio (Preis: 5 Euro).
Mit der Note 3,5 schnitt der Alnatura Bio ab (Preis: 3,85 Euro, keine Abbildung verfügbar).
Die Note 3,1 erhielten Röstfein Rondo Melange (Preis: 3,50 Euro) und ...
... die Penny-Marke Contal Edle Auslese (Preis: 2,49 Euro, keine Abbildung verfügbar).
Mit einer respektablen 2,9 ging der Rossmann-Kaffee Laudatio Der Exquisite aus dem Test (Preis: 2,79 Euro).
Zwei Marken bekamen die Note 2,5: Der Rossmann-Kaffe EnerBio (Preis: 3,50 Euro) und ...
... und die Lebensbaum-Marke Café Dia Bio (Preis: 4,10 Euro).
Die Note 2,4 für den Melitta Montana (Preis: 3,10 Euro), ...
... den Melitta Auslese (Preis: 3,10 Euro) und ...
... den Edeka Gut & Günstig Klassisch Fein (Preis: 2,99 Euro).
Die drittbeste Note, eine 2,3, ergatterten gleich neun Marken: Tempelmann No. 1 Spitzenkaffee Fairtrade (Preis: 5 Euro), ...
... Onko Klassisch (Preis: 2,99 Euro), ...
... Mövenpick Der Himmlische (Preis: 4,30 Euro), ...
... Jacobs Meisterröstung (Preis: 3,10 Euro), ...
... Jacobs Krönung (Preis: 3,45 Euro), ...
... Gepa Café Aha Fairtrade (Preis: 5,70 Euro), ...
... Eilles Gourmet Café (Preis: 4,30 Euro), ...
... Dallmayr Prodomo (Preis: 3,60 Euro) und ...
... Dallmayr Ethiopia (Preis: 5,20 Euro).
Den zweiten Platz mit einer Note von 2,2 teilen sich: Die Norma-Marke Rösta Premium Auslese (Preis: 2,99 Euro), ...
... der Darboven Café Intención ecologico Bio (Preis: 5,30 Euro) sowie ...
... die Aldi-Produkte Bio Premium Röstkaffee (Preis: 4 Euro), ...
... Amaroy Extra (Preis: 2,49 Euro) und ...
... Markus Gold (Preis: 2,49 Euro).
Und den Testsieger gibt's bei Lidl: Der Bellarom Gold (Preis: 2,49 Euro).

Neben Analogkäse und Schinkenersatz landen auch zahlreiche andere Lebensmittel-Imitate im Einkaufskorb ahnungsloser Kunden. Die Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlichte jetzt eine Liste mit elf weiteren Produkten, bei denen Kunden etwas vorgemacht werde - wie etwa Schokoladenkekse ohne Schokolade. "Offenbar sehen sich immer mehr Anbieter veranlasst, an den Zutaten zu sparen, und möchten vor allem eines vermeiden: Dass die Verbraucher das merken", erklärte die Verbraucherzentrale.

Als Beispiel wird etwa gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform gezeigt, das täuschend echt aussieht. In einem "Meeresfrüchtecocktail" fehlen die Meeresfrüchte, eine Dose italienisches Pesto ist mit billigem Sonnenblumen- statt teurem Olivenöl angerührt, in einer Dose Schafskäse steckt sogenannter Analogkäse. Laut Verbraucherzentrale müssen die Kunden "nicht nur bei den Billigmarken, sondern auch bei teureren Markenartikeln" aufpassen. Auf der oft kleingedruckten Zutatenliste müssten die Inhalte deklariert sein. Die Verbraucherzentrale rät dazu, auf imitierte Lebensmittel zu verzichten.

Schinken aus Stärkemehl

Erst zu Beginn der Woche hatten SPD und Union auf die Veröffentlichung der Namen der Hersteller gedrungen, die Schinkenimitat auf den Markt bringen. Zuvor war öffentlich geworden, dass bei Kontrollen vor allem in der Gastronomie in zahlreichen Fällen Imitate entdeckt wurden, die als Schinken ausgegeben wurde. Sie bestehen aus einem großen Anteil schnittfestem Stärke-Gels, in das kleine Fleischstücke eingearbeitet sind. Vor wenigen Wochen war bereits öffentlich geworden, dass in überbackenen Produkten oft sogenannter Analogkäse verwendet wird, der mit echtem Käse nichts zu tun hat.

Die Verwendung von Lebensmittelimitaten, die normalerweise nicht gesundheitsgefährdend sind, ist in Deutschland nicht verboten, allerdings dürfen sie nicht als Original ausgegeben werden. Verbraucherschützer kritisieren aber, dass Kunden selbst dann, wenn die Imitate korrekt ausgezeichnet sind, häufig nicht klar erkennen können, was sie eigentlich kaufen. Sie fordern, dass Imitate klar als solche bezeichnet werden und zudem die Ergebnisse von Kontrollen öffentlich gemacht und Verstöße konsequent geahndet werden müssen.

Politische Debatte entbrannt

Die Verbraucherbeauftragte der Unionsfraktion, Julia Klöckner, sagte dem "Tagesspiegel", nötig sei eine bessere Kennzeichnungspflicht. Bei Imitaten müsse "auch draufstehen, dass es sich um Imitate handelt". Klöckner forderte zudem "eine große Aufklärungskampagne". Die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Bärbel Höhn warf der Union vor, sie habe "nichts unternommen, um die Verbraucherrechte gegenüber der Ernährungswirtschaft zu stärken". Um Verbrauchertäuschung zu verhindern, seien bessere Kontrollen und eine bessere Kennzeichnungspflicht nötig. Außerdem brauche man ein Verbraucherinformationsgesetz, "das die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen für alle öffentlich zugänglich macht".

Der baden-württembergische Verbraucherschutzminister Peter Hauk sieht dagegen nur begrenzte Möglichkeiten, gegen Lebensmittelimitate vorzugehen. Deren Herstellung und Verwendung liege in der Entscheidung der Unternehmen, sagte der CDU-Politiker. Wenn im Produktionsverfahren Pflanzenfette deutlich hitzebeständiger und haltbarer seien und sich am Ende das Käse-Imitat im Geschmack nicht von echtem Käse unterscheiden lasse, dann könne die Politik das der Industrie nicht verwehren. Er forderte die Industrie aber zu klaren Inhaltsangaben auf.

(AP, N24)

10.07.2009 18:51 Uhr

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