Ziegelfabrik besucht

Kim Jong Il wieder da

Trotz einer mutmaßlichen Krebserkrankung hat sich Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il in der Öffentlichkeit gezeigt. Bei einem Besuch in einer Ziegelfabrik, sprach er erneut von einer mächtigen Nation.

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Kim Jong Il besuchte eine Ziegelfabrik in Pjöngjang.
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Er erscheint wie ein Relikt und doch ist Kim Jong Ils Leben interessanter denn je: Der Mann mit der toupierten Fönwelle, …
... dem eintönigen, unmodernen Kleidungsstil, …
... der eingefrorenen Mine und ...
… immer gleichen Sonnenbrille lässt an eins denken:
Täglich grüßt das Murmeltier!
Ja, Coolness sieht irgendwie anders aus. Auch wenn man jetzt schmunzeln muss, …
…das Lachen vergeht einem beim Gedanken an die Politik des Diktators. Der nordkoreanische Machthaber regiert sein Land mit harter Hand.
Er isoliert Nordkorea von der Außenwelt und verwandelte es in eine Nuklearmacht (Foto: Atomanlage in Yongbyon). Kritiker steckt er in Gefangenenlager.
Sein Volk leidet. Unter Kim sollen zwischen 1996 und 1999 rund eine Millionen Menschen verhungert sein.
Seine Ausdauer im Amt führt Nordkorea-Kenner Andrej Lankow auf eine "auffallende Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden des Volkes" zurück.
Kims Macht stützt sich auf das Militär. Nordkorea ist bis an die Zähne bewaffnet. Das stehende Heer hat 1,1 Millionen Soldaten unter Waffen.
Das Amt "erbt" Kim Jong Il 1997 von seinem Vater, dem Gründer Nordkoreas, Kim Il Sung. Drei Jahre nach seinem Tod tritt der Sohn die Nachfolge an.
Gleichzeitig übernimmt er den Personenkult. "Geliebter Führer", "ewiger Sohn der ewigen Sonne", "unser Vater" oder "immerwährender Himmel" lässt sich Kim Jong Il nennen.
Das rührt laut offizieller Biografie daher: "Als Kim Jong Il am 16. Februar 1942 am heiligen Berg Paektu das Licht der Welt erblickte, verkündeten ein doppelter Regenbogen und ein heiliger Stern die Ankunft des Erleuchteten."
Und das ist die Wahrheit: Kim ist in einem sowjetischen Ausbildungslager in Sibirien geboren worden. Dorthin flüchten seine Eltern aber nicht wegen der Sonne, sondern wegen der Japaner.
Kim Jong Il – ein geistig umnachteter Mann? Die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright versichert nach einem Treffen …
… im Jahr 2000: "Er ist nicht verrückt." Sie sprach von einem ausgekochten Taktiker mit einem scharfen Verstand – von einem "Mann mit Einsicht".
Der frühere südkoreanische Präsident Kim Dae Jung lernt ihn sogar als einen gastfreundlichen, zuweilen sogar charmanten Machthaber kennen.
Beim gemeinsamen Abendessen singt man alte Volkslieder. Auch der Südkoreaner bescheinigte ihm einen "gesunden Menschenverstand".
Dennoch bleibt Kim Jong Il ein Mysterium. Viele Informationen und Fotos gibt es nicht von ihm. Einzig Südkorea berichtet gern vom Thronfolger …
… in der kommunistischen Dynastie des Nordens. Demnach soll er eitel sein, zuweilen auch cholerisch – und offen für jede Art von Luxus. Während das Volk Hunger leiden muss, …
… hat er angeblich eine Vorliebe für die Cognac-Marke "Hennessy Paradis".
Kims früherer Leibkoch Kenji Fujimoto berichtet nach seiner Flucht aus Nordkorea von Trinkgelagen und feinen Speisen, aber auch …
… von seiner ständigen Angst, in Ungnade zu fallen - denn das endet mit Arbeitslager oder Hinrichtung.
Schwer zu glauben, aber wahr: Kim soll ein Playboy sein. Dafür sprechen immerhin vier Ehen, vier eheliche und angeblich mindestens neun uneheliche Kinder.
Gut dokumentiert sind auch andere Eigenarten: So hat er Flugangst und reist nur in seinem privaten, gepanzerten Zug.
Er trägt Plateauschuhe, um seine geringe Körpergröße von ungefähr 1,60 Meter zu kaschieren.
Und Kim liebt Filme. Diese Leidenschaft geht soweit, dass er 1977 den Regisseur Shin Sang-ok und dessen Frau Choi Eun-hee, eine bekannte südkoreanische Schauspielerin, entführen lässt.
Doch auch Kim wird älter. Mittlerweile ranken sich viele Gerüchte um seinen Gesundheitszustand. Im Jahr 2008 hieß es, er soll an Diabetes leiden und herzkrank sein. Es schlägt hohe Wellen, als er im September 2008 bei der Truppenparade …
… zum 60. Jahrestag der Gründung der Demokratischen Volksrepublik Korea ...
... nicht an seinem angestammten Platz steht.
Der südkoreanische Geheimdienst berichtet, dass der Diktator einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung erlitten habe.
Als Kim Jong Il sich auch Wochen danach nicht blicken ließ, spekulieren Medien über seinen Tod. Nordkorea dementiert.
Das nordkoreanische Fernsehen zeigt daraufhin seinen "geliebten Führer" beim Besuch einer Fraueneinheit der Armee. Es wird allerdings nicht berichtetet, wann der Besuch stattgefunden hat.
Es dauert lange, bis neue Bilder von Kim Jong Il auftauchen. Am 8. Juli 2009 zeigt ihn das nordkoreanische Staatsfernsehen bei der Gedenkfeier zum 15. Todestag von Staatsgründer Kim Il-Sung.
Kim Jong Il sieht schwach und mager aus. Außerdem soll er hinken, vermutlich eine Folge seines Schlaganfalls. Wieder gibt es Diskussionen über seinen Gesundheitszustand.
Knapp eine Woche später wird er bei der Besichtigung einer Ziegelfabrik in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang gezeigt. Westliche Medien berichten daraufhin, …
… dass Kim Jong Il an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt sein soll. Der Krebs soll so aggressiv sein, dass …
… der Diktator vermutlich nur noch fünf Jahre leben wird. Der bösartige Tumor soll bei ihm …
… im Sommer des vergangenen Jahres gefunden worden sein, als er einen Schlaganfall erlitten haben soll.
Kims Gesundheitszustand hat wiederum Spekulationen über einen Machtkampf um seine Nachfolge ausgelöst.
Sein dritter und jüngster Sohn, Kim Jong Un, gilt als Wunschnachfolger. Dieser ist erst Mitte Zwanzig.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il hat sich erneut in der Öffentlichkeit gezeigt. Kim habe in Pjöngjang eine neu errichtete Ziegelfabrik besichtigt und den Verantwortlichen Ratschläge gegeben, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Der südkoreanische Nachrichtensender YTN hatte zuvor berichtet, Kim sei an Bauchspeicheldrüsen-Krebs erkrankt.

Kim stimmt Jubelarie an

Kim machte laut KCNA einen Rundgang durch die Taedonggang-Ziegelfabrik. Wann dies geschah, teilte die Agentur allerdings nicht mit. Kim habe hervorgehoben, dass die Fabrik ausschließlich örtliche Materialien verwende. "Solche erfolgreichen Anstrengungen zeigen den unerschütterlichen Glauben des koreanischen Volks, durch ihre eigenen Bemühungen, Ressourcen und Technologien eine große blühende und mächtige Nation zu erschaffen", zitierte die Agentur den Machthaber.

Keine offiziellen Angaben zur Krebserkrankung

Südkoreanische Stellen und das US-Außenministerium erklärten, sie könnten keine Informationen zu dem YTN-Bericht über Kims Pankreas-Krebs geben. Der Bericht hatte sich auf südkoreanische und US-Geheimdienstkreise berufen. Angesichts der besonderen Aggressivität der Krebsart betrage die Lebenserwartung des 67-jährigen Staatschefs wohl nicht mehr als fünf Jahre, hieß es in dem Bericht außerdem unter Berufung auf Mediziner in Peking. Bereits am Freitag hatte der japanische Fernsehsender TBS berichtet, Kim leide unter einer schweren Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung. Kims Gesundheitszustand bietet seit Monaten Anlass zu Spekulationen.

Schlaganfall im letzten Jahr

Im vergangenen August erlitt der umstrittene Staatschef Berichten zufolge einen Schlaganfall. Im April sendete das Staatsfernsehen erstmals wieder Bilder des nordkoreanischen Führers, der offenbar stark abgenommen hatte. Die jüngsten Aufnahmen stammen von Mittwoch vergangener Woche. Sie zeigen Kim abgemagert, leicht hinkend und mit ausgedünntem Haar bei einer Gedenkfeier für seinen 1994 gestorbenen Vater, den Staatsgründer Kim Il Sung.

Nachfolger Kim Jong Un?

Seit Wochen mehren sich auch Berichte über Vorbereitungen auf einen Machtwechsel in Pjöngjang. Dem südkoreanischen Geheimdienst zufolge baut der Machthaber seinen jüngsten Sohn Kim Jong Un zu seinem Nachfolger auf. Der 26-Jährige soll seit März die Zentrale der Geheimpolizei leiten. Eine japanische Zeitung berichtete zuvor, Kim Jong Un sei zum Stellvertreter seines Vaters an der Spitze des nationalen Verteidigungsausschusses aufgerückt.

International isoliert

Nordkorea ist nach einer Reihe von Waffen- und Atomtests international isoliert. Vor einer Woche hatte Pjöngjang nach südkoreanischen Angaben sieben Raketen mit einer Reichweite von 500 Kilometern ins Japanische Meer abgefeuert. Seit seinem zweiten Atomtest Ende Mai testete das stalinistisch regierte Land immer wieder Raketen, darunter Anfang April auch eine Langstreckenrakete.

(AFP, N24)

14.07.2009 12:33 Uhr

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