Gezerre um Opel-Zukunft
Scharfer Gegenwind für Ripplewood
Dem US-Finanzinvestor RHJ bläst im Übernahmestreit um Opel ein scharfer Gegenwind aus der deutschen Politik entgegen. Bundeskanzlerin Merkel und die Länderchefs positionieren sich klar für Magna.
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für den Einstieg von Magna und der russischen Sberbank bei Opel ausgesprochen. Das Konzept des kanadischen Autozulieferers biete eine "ausgezeichnete Chance" zur Rettung von Opel, sagte die CDU-Politikerin nach den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in Schleißheim bei München. Zugleich lehnte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck Staatshilfe für den Magna-Konkurrenten RHJ ab. "Wir setzen alles daran, die noch offenen Fragen zu lösen", sagte Merkel. Sie erwarte, dass Magna selbst seinen Beitrag dazu leiste. Der Erfolg der Verhandlungen der Opel-Mutter General Motors mit Magna war in den letzten Tagen in Zweifel gezogen worden, nachdem der belgische Investor RHJ International sein Konzept nachgebessert hatte.
Beck lehnte am Donnerstag auch das neue RHJ-Konzept für Opel klar ab. "Das ist für uns kein Lösungsansatz, der akzeptabel ist", sagte der SPD-Politiker nach einer ersten Prüfung der Unterlagen in Mainz. Es könne mitnichten davon die Rede sein, dass RHJ alle deutschen Opel-Standort erhalten wolle, sagte Beck. Vielmehr solle der Standort Eisenach für zwei Jahre stillgelegt werden. Es sei "abstrus" zu glauben, dass die Autofabrik danach wieder die Produktion aufnehmen werde.
Ministerpräsidenten sind sich einig
Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident kritisierte zudem, eine Rückübertragung von Opel auf Noch-Eigner General Motors sei offensichtlich vorgesehen. Es gebe zwar keine klare Vereinbarung zu einem Rückkauf, aber ein mehrfach abgesichertes Vorkaufsrecht für GM. "Das alles entspricht nicht der Interessenslage der Arbeitnehmer und der Standorte in Deutschland", sagte Beck. In diesem Punkt sei er sich mit den Ministerpräsidenten der übrigen Opel-Länder sowie mit Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) einig.
Beck forderte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf, sich der Position der vier Länder anzuschließen. Zunächst müssten die Verhandlungen mit dem kanadischen Zulieferer Magna zu Ende geführt werden. Dies sei Ende Mai vereinbart worden und darauf beziehe sich die Zusage der Bundesländer, den Einstieg eines Investors mit einer staatlichen Finanzhilfe abzusichern. Das Bundeswirtschaftsministerium lehnte es dagegen ab, Staatshilfe nur einem einzelnen Investor in Aussicht zu stellen. Die von Bund und Ländern gewährte Brückenfinanzierung für Opel sei nicht an ein bestimmtes Unternehmen gebunden, erklärte Staatssekretär Jochen Homann.
RHJ sieht sich im Vorteil
Der Finanzinvestor RHJ International (RHJI) sieht hingegen gute Chancen für sein Konzept. "Wir denken, dass unser Angebot äußerst attraktiv ist", sagte ein Sprecher der Beteiligungsgesellschaft. RHJI habe die notwendigen Finanzmittel, um Opel zu übernehmen, sagte der RHJI-Sprecher. Das Angebot sieht nach Angaben aus Branchenkreisen vor, keinen der deutschen und britischen Standorte des angeschlagenen Autobauers zu schließen. Zudem benötige die Beteiligungsgesellschaft weniger Staatshilfen als der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna bei seinem Angebot. Stellen will RHJI den Angaben zufolge aber trotzdem abbauen.
RHJI hatte sein Konzept am Mittwoch im Wirtschaftsministerium der Opel-Arbeitsgruppe aus Vertretern verschiedener Ministerien vorgestellt. Diese Gespräche seien in "sehr konstruktiver Weise" verlaufen, zitierte die "Bild"-Zeitung aus Verhandlungskreisen. Im Umfeld von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) würden dem RHJI-Angebot mehr Chancen eingeräumt als dem Konzept von Magna, berichtete das Blatt. "RHJ ist in Front", zitierte "Bild" eine mit den Vorgängen vertraute Person. Eine Ministeriumssprecherin wies dies allerdings zurück: Es gebe keinen Favoriten im Bieterkampf um Opel.
3900 Jobs sollen wegfallen
RHJ International will im Falle einer Opel-Übernahme im Werk Bochum 2200 Stellen streichen. Nach dem am Mittwoch in Berlin präsentierten Konzept sollen Deutschland-weit 3900 Stellen wegfallen. In Bochum arbeiten derzeit 4600 Menschen. Nach dem ersten Konzept von RHJ hätte das Werk allerdings geschlossen werden sollen. Nun soll der neue Zafira künftig dort statt in Rüsselsheim gebaut werden. Am deutschen Opel-Stammsitz fallen deshalb 1400 Stellen weg, weitere 300 sollen nach dem Plan in Kaiserslautern abgebaut werden. Insgesamt will RHJ in Europa 9900 Stellen streichen und das Werk in Antwerpen schließen.
RHJI geht ursprünglich auf den US-Finanzinvestor Ripplewood zurück, ist inzwischen nach eigenen Angaben aber unabhängig. Ripplewood hatte im Mai neben Magna und dem italienischen Autobauer Fiat ein Übernahmekonzept für Opel präsentiert. Ende Mai setzte sich allerdings Magna durch und verhandelt seitdem mit GM über eine Opel-Übernahme.
(dpa, AFP, N24)
16.07.2009 17:02 Uhr








