Sale, Sale, Sale

Rabattwelle rollt schon vor dem Schlussverkauf

Die roten Plakate mit den Prozente-Zeichen sind längst da: Wenn im deutschen Einzelhandel wieder der Sommerschlussverkauf beginnt, ist der Kampf um Schnäppchenjäger bereits kräftig in Gang.

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"Sale" ist der neue Begriff für Rabatte bei vielen Händlern.

Seit Wochen werben Ketten und Warenhäuser vor allem in Großstädten mit Rabatten für Oberhemden, Topfsets oder Computerzubehör - nun sollen nochmalige Preissenkungen um bis zu 75 Prozent weitere Käufer locken. Zwar sind die einst ehernen Ausverkaufstermine im Sommer und Winter nicht mehr strikt geregelt. Aufgeben will die Branche die bekannten Höhepunkte im Geschäftsjahr aber nicht. Trotz der Insolvenzfälle bei Traditionsfirmen wie Karstadt und Hertie registrieren viele Händler noch einigermaßen glimpfliche Auswirkungen der Wirtschaftskrise.

Sommerkleider zu 35 Euro, zwei Herrenanzüge für zusammen 80 Euro, "Trend-Sandalen" reduziert auf 19,95 Euro: Zum Startschuss für den SSV sollen Extra-Angebote noch einmal für neue Aufmerksamkeit bei der Kundschaft sorgen. In Prospekten trommeln Filialisten für "frische" oder "extrascharfe" Schnäppchen, andere verkünden: "Bei uns rocken die Preise."

Von einem Countdown der Rabatte zum Saisonfinale spricht der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), der die Schlussverkäufe nach dem Wegfall der gesetzlichen Beschränkungen 2004 bundesweit koordiniert. Mit von der Partie wollten wieder rund zwei Drittel der Geschäfte sein, sagt Sprecherin Ulrike Hörchens.

Rabatte schon seit Frühjahr

Dabei rollt die Rabattwelle - unter dem inzwischen eingebürgerten Namen "Sale" - in diesem Sommer vielerorts schon seit dem Frühjahr, nachdem die Umsätze teils schwach ausgefallen waren. Das führte zu "Unruhe an der Preisfront", so dass der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) Anfang Juni an die Geschäfte appellierte, den Rotstift vor dem Saisonende nur "mit Augenmaß anzulegen". Denn in der Kalkulation für ihre Rendite geht es den Läden eigentlich darum, möglichst lange zu regulären Preise zu verkaufen. Ein wichtiger Faktor ist das Wetter - ist es warm, dürfte Bademode im SSV kaum noch drastisch reduziert werden.

Generell hat sich die Bedeutung der Schlussverkäufe gewandelt. Nach wie vor sollen sie Platz für Folgekollektionen schaffen und Geld zur Finanzierung des laufenden Geschäfts einbringen. Modehersteller liefern aber mittlerweile fast monatlich neue Programme, für die es jeweils kleine Schlussaktionen in Läden und Warenhausshops gibt.

Permanente Aktionen

Ketten mit bundesweiter Präsenz locken zudem fast permanent mit Aktionen - bei Karstadt gingen die "Sale"-Wochen mit 50-Prozent- Rabatt in den SSV mit 20 Prozent "Zusatzrabatt" über, der schon am vergangenen Montag begann. Auch Konkurrent Kaufhof preschte mit einer "Saisonräumung" und Reduzierungen um bis zu 70 Prozent vor. Zum SSV soll es nun aber auch Rabatte in Fachgeschäften und kleineren Städten geben.

Von der allgemeinen Konjunkturflaute sieht sich die Branche bisher weniger hart getroffen als andere Wirtschaftszweige. "Die Verbraucher haben durchaus Kauflaune", sagt HDE-Sprecherin Hörchens. Im ersten Halbjahr dürfte der Umsatz "vergleichsweise moderat" um nominal zwei Prozent gesunken sein, bei Textilien sogar so gut wie gar nicht.

Deutsche weiter in Kauflaune

Die Abwrackprämie hat aber Geld in die Autohäuser gelenkt, weshalb der Verband auch fürs Gesamtjahr mit einem Minus von zwei Prozent rechnet - viel hängt indes noch von der Arbeitsmarktentwicklung ab. Indirekte Krisenauswirkungen zeigten sich etwa bei Reisegepäck, das bisher weniger gefragt war, wie BTE-Hauptgeschäftsführer Jürgen Dax sagt. "Wer statt zu fliegen mit dem eigenen Auto verreist, kauft nicht unbedingt einen neuen Koffer."

(Sascha Meyer, dpa, N24)

22.07.2009 08:54 Uhr

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