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Karl Marx

Philosoph, Ökonom, Revolutionär

Auch lange nach seinem Tod (14.3.1883) gilt Marx als großer Philosoph und Ökonom, der wie kein anderer Deutscher der Neuzeit die Welt verändert hat.

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Marx, Begründer der klassischen Nationalökonomie und bedeutendster Theoretiker des Kommunismus ...
... wurde 1818 in diesem Haus in Trier geboren.
Sein Freund Friedrich Engels unterstützte den nicht gerade reichen Marx über lange Zeiten nicht nur finanziell.
Gemeinsam verfassten sie die Schrift "Manifest der Kommunistischen Parteit", welche 1848 erstmals einer kommunistischen Partei ein Programm gab.
Das Hauptwerk von Karl Marx "Das Kapital" ist Analyse und Kritik der politischen Ökonomie des Kapitalismus.
Vor allem an diesem Werk arbeitete Marx in der Britischen Bibliothek in London, wo unter anderen auch Ghandi und G.B. Shaw studierten.
Besonders in der ehemaligen DDR hat man Karl Marx verehrt. Sein 100. Todestag wurde 1983 in der Großen Halle des Volkes im Palast der Republik feierlich begangen.
Fast überall war er (und ist es teilweise noch) präsent. Das heutige Chemnitz trug in sozialistischen Zeiten seinen Namen: Karl-Marx-Stadt. Sein Denkmal dominiert noch heute einen der zentralen Plätze der Stadt.
Inzwischen unter Denkmalschutz steht diese Zweiergruppe der beiden Philosophen und Freunde Marx und Engels. Hinter ihnen wird zur Zeit der Palast der Republik abgerissen.
Als Relikt aus vergangenen Zeiten besitzt das Denkaml inzwischen Kultcharakter. Hier posiert die Blue Men Group mit Marx und Engels.
Wer es "geschafft" hatte in der DDR, der bekam den Karl-Marx-Orden, die höchste Auszeichnung, die das kleine Land zu vergeben hatte.
Dschingderassabumm alljährlich zum Republiksgeburtstag - natürlich auf der Karl-Marx-Allee.
Auch Betriebe bekamen seinen Namen, hier die "Karl-Marx-Werke" in Magdeburg.
Die Berliner Karl-Marx-Alle heißt heute noch so, gesäumt wird sie von den sogenannten Stalin-Bauten, nach dem Krieg als "Paläste für die Arbeiter" im russischen Stil errichtet.
Nicht nur Bürger der DDR konnten den Karl-Marx-Orden bekommen. Dieses berühmte Foto entstand 1979 anläßlich seiner Verleihung an Leonid Breshnew durch Erich Honecker.
In fast unerreichbarer Höhe hängt das Porträt von Marx über dem Schreibtisch Stalins.
Und auch heute ist Marx noch präsent in der ehemaligen Sowjetunion. Gennadi Andrejewitsch Sjuganow, Chef der Kommunisten Russlands, posiert vor einem Karl Marx aus Stein.
Bei Demonstrationen der Kommunisten in Moskau wird gern das Dreigestirn getragen: Marx, Engels, Lenin.
Auf einem Poster der Pro-Kreml-Bewegung "Wir gehen zusammen" wird die Reihe munter fortgesetzt: (von links) Marx, Engels, Lenin, Stalin, Sjuganow, Schandybin und Beresowski.
Für Anhänger der Kommunistischen Partei Äthiopiens reichen wieder Marx, Engels, Lenin.
Bis Peking dringt der Ruhm des Theoretikers ...
... und in Hongkong machen die drei Karriere auf Shirts wie einst Ché.
Wenn in Tibet das Schulfach Sozialismus auf dem Plan steht, dann im Zeichen von Karl Marx.
Im Karl-Marx-Theater von Havanna finden nur wichtige Veranstaltungen statt. Auch Fidel hält dort gern Reden.
Partisanen der Jemenitischen Sozialistischen Partei im Schutze von Marx, Engels und Lenin nahe der Grenze zum Südjemen.
Der Tienanmen-Platz in Peking hat schon vieles gesehen, auch die Gesichter von Karl und Freidrich, hier 1972.
Wer sich die Bilder zu Hause hinhängen möchte, der wird auf einem Markt in Peking fündig.
Bei einer nicht angemeldeten Demonstration in München 1968 gibt es mal eine andere Kombination , diesmal umrahmen Ho Chi Minh und Ché Guevara den überall anzutreffenden Karl Marx.
Und wenn sie nicht gestorben wären ...? Das würde die Linke Volksbefreiungsfront in Sri Lanka auch nicht vom Tragen ihrer Konterfeis abhalten.
Zum 190. Geburtstag von Karl Marx wurden in Trier drei lebensgroße Marx-Skulpturen des Bildhauers Klaus Kammerichs enthüllt.

Elf Menschen standen im März 1883 am offenen Grab von Karl Marx auf dem Londoner Friedhof Highgate. Friedrich Engels sprach von einem "unermesslichen Verlust für das kämpferische Proletariat" und rief dem langjährigen Freund nach: "Sein Name wird durch die Jahrhunderte fortleben und so auch sein Werk!" Engels hatte Recht: Seine Ideen spalteten die Welt in zwei Systeme und prägten die Geschichte des 20. Jahrhunderts - auch wenn sie heute so umstritten bleiben wie zu Marx' Lebzeiten.

Mehr noch: In der heutigen Zeit, in der es weniger um Sozialismus oder Kapitalismus als um Globalisierung geht, sind die ökonomischen Analysen des revolutionären Denkers wieder aktuell. Marx ist für Politiker wieder zitierfähig: Im "globalisierten Turbokapitalismus", in dem nur noch Kapital und Rendite das Sagen haben, ist plötzlich die Rede vom "Primat der Ökonomie über die Politik", einer "neuen Klassengesellschaft", "Heuschrecken" und der "Ökonomisierung aller Lebensbereiche". Es ist die Ohnmacht vor einer unüberschaubaren Welt, die nach Erklärung ruft - und da taucht Marx "wie ein Steh-auf-Männchen" wieder auf, sagt die Leiterin des Museums Karl-Marx-Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung, Professorin Beatrix Bouvier, in Trier.

"Er hat in vielerlei Hinsicht das kapitalistische System in seiner Grundstruktur richtig beschrieben", sagt Politikwissenschaftler Klaus Körner in Hamburg. Die weitere Entwicklung der Gesellschaft in Krisen habe er aber nicht gesehen. "Er war vor allem ein Analytiker", sagt Historikerin Bouvier. Sein "Analyseinstrumentarium" sei heute noch gültig, auch wenn es nicht zu Lösungen führe. "Marx hatte keine Idee, wie die Gesellschaft aussehen könnte. Erst später wurden mit seiner Lehre geschlossene Systeme entwickelt, die den Missbrauch - ob von Lenin oder von Stalin - möglich gemacht haben."

Seine größte Wirkung hatte Marx, 1818 als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts in Trier geboren, im 20. Jahrhundert mit seiner Utopie einer klassenlosen Gesellschaft und von sozialer Gerechtigkeit: Die internationale sozialistische Bewegung erkannte ihn als Ahnherr des Kommunismus an und legte ihn nach Belieben aus. 1917 berief sich Lenin beim Sturz des russischen Zaren auf die Lehren von Marx, die er mit Betonung des Führungsanspruchs der Arbeiterpartei zum "Marxismus- Leninismus" ausbaute. Lenins Nachfolger, der sowjetische Diktator Josef Stalin, rechtfertigte den Mord von Andersdenkenden im zweistelligen Millionenbereich mit dem Primat der Kommunistischen Partei. Das entsprach nicht Marx' Ideal von der Freiheit mündiger Arbeiter, wurde aber mit seinem Namen missbraucht.

Auch in China, Vietnam und Lateinamerika kämpften Revolutionäre unter dem Etikett Marx. Und die Zwangsvereinigung von KPD und SPD 1946 in der späteren DDR fand vor einer überdimensionalen Marx- Büste statt. In den 1980er Jahren noch lebte fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Staaten, die sich auf den Marxismus beriefen. Obwohl der Begriff des Marxismus eigentlich von Marx-Gegnern stammte, die sich 1870 um den russischen Anarchisten Michail Bakunin scharten. Und Marx selbst einmal betont hatte: "Ich bin kein Marxist."

Das Denken von Marx war revolutionär: Der kommunistische Vordenker analysierte mit Friedrich Engels die Verhältnisse im Zeitalter der industriellen Revolution und beschrieb die Ausbeutung der Arbeiterklasse durch Unternehmer und Feudalherren. Die Behauptung, das Sein bestimme das Bewusstsein, stellte die bestehende Ordnung in Frage. Im 1848 veröffentlichten "Kommunistischen Manifest" rief Marx die Arbeiter mit dem legendären Appell "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" zum Handeln auf. Es sei der größte Verdienst von Marx gewesen, den Arbeitern erstmals ein Selbstbewusstsein zu geben, sagt Marx-Forscher Körner, der pünktlich zum 125. Todestag von Marx eine Biografie und ein Karl-Marx-Lesebuch auf den Markt gebracht hat.

In seinem Hauptwerk "Das Kapital", an dem Marx jahrelang schrieb, setzt er dem herrschenden System das Ziel einer "klassenlosen Gesellschaft" entgegen, die "die freie Entwicklung eines jeden" ebenso wie "die freie Entwicklung aller" garantieren soll. Er glaubt, langfristig werde der Kapitalismus an seinen eigenen Widersprüchen scheitern.

"Er war jedenfalls ein Denker, der auf die weitere Entwicklung der Geschichte in Europa und in der Welt einen enormen Einfluss genommen hat", sagt der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel. Noch 1891 war das Erfurter Programm der SPD in weiten Teilen von Marx' klassenkämpferischer Vorstellung bestimmt. Erst 1959 wandelte sich die SPD - unter dem Eindruck des in der DDR real existierenden Sozialismus und des Wirtschaftswunders im Westen - mit dem Godesberger Programm endgültig von einer sozialistischen Arbeiterpartei zu einer Volkspartei.

Mit dem Ende der DDR 1989, dem Fall der Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion war das Scheitern jener klar, die über Jahrzehnte die Interpretationshoheit über Marx beansprucht hatten. Die kommunistische Utopie vom irdischen Paradies war gescheitert.

(dpa, N24)

25.11.2009 17:59 Uhr

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