Machtkampf bei Conti

Ex-Kanzler Schröder schaltet sich ein

Der Machtkampf zwischen Schaeffler und Continental ist eskaliert, Conti-Chef Neumann muss gehen. Als Sachwalter der Interessen des Reifenkonzerns ergreift nun Altkanzler Gerhard Schröder das Wort.

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Gerhard Schröder ist in der Investorenvereinbarung zwischen Continental und Schaeffler als Garant zur Wahrung der Interessen des Hannoverschen Konzerns eingetragen.
Video: Chaos bei Krisenrunde - Schaeffler versucht Conti-Chef zu stürzen

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" in den Machtkampf bei Conti eingeschaltet. Er habe die Vertreter der Schaeffler-Gruppe zur Einhaltung der Investorenvereinbarung gemahnt, die der Großaktionär im August 2008 mit Conti geschlossen hatte, schreibt das Blatt. Der Ex-Kanzler ist in der Vereinbarung als Garant zur Wahrung der Interessen von Continental, ihrer Aktionäre und Arbeitnehmer genannt.

"Gerhard Schröder hat sowohl mit der Hauptgesellschafterin Frau Maria-Elisabeth Schaeffler als auch mit dem Conti-Aufsichtsratsvorsitzenden Herrn Rolf Koerfer telefonisch gesprochen", habe er der Zeitung mitteilen lassen. Der Aufsichtsratsvorsitzende habe Herrn Schröder ausdrücklich versichert, dass die Investorenvereinbarung uneingeschränkt gelte.

Schaeffler äußert sich nicht zur Nachfolge-Debatte

In der Vereinbarung hatte Schaeffler unter anderem zugesichert, die Strategie und Geschäftspolitik des Vorstands unter Beibehaltung des bisherigen Markt- und Markenauftritts zu unterstützen. Zudem sicherte Schaeffler Conti zu, keine Veränderungen in Bezug auf Unternehmensform, Sitz, Konzernzentrale und Geschäftsbereiche gegen den Willen des Konzerns zu fordern.

Zum Gerangel um die künftige Besetzung der Conti-Spitze lehnte der Schaeffler-Konzern eine Stellungnahme ab. "Wir wollen die zahlreichen Spekulationen und Gerüchte rund um die Aufsichtsratssitzung bei der Continental AG nicht kommentieren", sagte Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck auf Anfrage. Die Vertreter der Schaeffler-Gruppe im Conti-Aufsichtsrat hielten sich an die Verschwiegenheitsverpflichtung der Aufsichtsräte, fügte der Sprecher hinzu.

Ansonsten verwies er auf eine von Conti herausgegeben Mitteilung, wonach sich der Aufsichtsrat am 12. August mit der künftigen Besetzung der Conti-Chefposition befassen will.

Nemann weg - wer kommt?

Nach einem dramatischen Machtkampf mit Großaktionär Schaeffler droht Karl-Thomas Neumann die Ablösung. Die Arbeitnehmervertreter im Conti-Aufsichtsrat konnten die Entlassung Neumanns bei einer Marathonsitzung zwar noch blockieren. Nun trifft sich das Gremium aber am 12. August erneut, wie Conti mitteilte. Nach dem Mitbestimmungsgesetz kann Neumann dann allein mit den Stimmen der Arbeitgeberbank abgelöst werden. Als Nachfolger ist Schaeffler-Manager Elmar Degenhart im Gespräch.

Die Marathonsitzung des Conti-Aufsichtsrates in Hannover begann am Donnerstagmorgen und dauerte bis 23.30 Uhr. Dabei entzogen alle zehn Kapitalvertreter dem Conti-Chef das Vertrauen und stimmten für seine Abberufung. Nur der geschlossene Widerstand der Arbeitnehmerseite habe eine sofortige Ablösung Neumanns verhindert, sagte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Werner Bischoff am frühen Freitagmorgen nach der Sitzung.

Wie aus Aufsichtsratskreisen weiter verlautete, nominierten die fünf Vertreter von Schaeffler im Aufsichtsrat den Geschäftsleiter der Schaeffler-Automotive-Sparte, Elmar Degenhart, zum neuen Conti-Chef. Schaeffler-Finanzvorstand Klaus Rosenfeld wurde von ihnen als neuer Conti-Finanzchef vorgeschlagen. Derzeit ist Neumann auch noch für das Conti-Vorstandsressort Finanzen zuständig.

Neumann dankt Conti-Belegschaft

Am Ende seiner Sitzung gab der Conti-Aufsichtsrat dem Vorstand aber immerhin grünes Licht für die Vorbereitung einer Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Neumann informierte anschließend die Medien über den Beschluss und dankte dabei «diesem großartigen Continental-Team für die herausragenden Leistungen unter schwierigsten Bedingungen».

Die Auseinandersetzungen im Aufsichtsrat um seine Ablösung sprach der Conti-Chef nur indirekt an. Auf dem Weg zur Entscheidung über die Kapitalerhöhung habe es ungewöhnliche und sehr enttäuschende Entwicklungen gegeben, die er nicht kommentieren wolle. "Diese machen es mir aber schwer, sehr schwer, auf Dauer vertrauensvoll mit unserem Großaktionär zusammen zu arbeiten", erklärte Neumann .

Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Bischoff bedauerte die bevorstehende Ablösung von Neumann. "Wir halten das für eine falsche Entscheidung", sagte das IG-BCE-Vorstandsmitglied mit Blick auf den bevorstehenden Führungswechsel. Mit Neumann gehe bei Conti "ein guter Mann von Bord".

Kritik am Verhalten des Großaktionärs Schaeffler

Auch IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine, der ebenfalls dem Aufsichtsrat angehört, kritisierte massiv das Verhalten der Kapitalseite und Familie Schaeffler in der Aufsichtsratssitzung. "Herr Neumann ist einer der besten Automobilmanager", betonte Meine.

Dem zwischenzeitlich ebenfalls als Neumann-Nachfolger gehandelten Conti-Aufsichtsratschef und Schaeffler-Berater Rolf Koerfer gaben Aufsichtsratskreise kaum Chancen. Dieser verfüge als Rechtsanwalt auch nicht über die notwendige fachliche Qualifikation für die Leitung des Unternehmens, hieß es.

Nach Angaben von Bischoff leiteten die Arbeitgebervertreter, dass bei Stimmenpatt im Aufsichtsrat vorgesehen Vermittlungsverfahren noch am Donnerstag ein. Damit kann ein Nachfolger von Neumann am 12. August allein mit den Stimmen der Kapitalseite gewählt werden, wobei die Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden dabei doppelt zählt.

(AP, dpa, N24)

31.07.2009 16:05 Uhr

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