"Cash for Clunkers"

Abwrackprämie rettet US-Automarkt

Auf dem US-Automarkt zeichnet sich dank der staatlichen Abwrackprämie eine Trendwende ab. Fast alle Marken konnten zuletzt deutlich profitieren. Ford legte ertsmals seit Jahren sogar wieder zu.

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Auch in den USA entwickelt sich die Abwrackprämie zum Erfolgsmodell. Die erste Milliarde an Staatszuschüssen ist bereits augezehrt.
Die US-Autoindustrie befindet sich in einer gefährlichen Schieflage. Zwei der "Big Three", General Motors und Chrysler, haben nun Insolvenz angemeldet. Doch noch besteht Chance auf einen Fortbestand der Konzerne. Wenn ...
... da nicht die strukturelle Krise der gesamten US-Autobranche wäre.
In den vergangenen Jahrzehnten hieß es bei GM, Ford und Chrysler: Hauptsache groß. Dabei kamen Autos wie der F-450 von Ford ...
... oder der F-150 ebenfalls von Ford, ...
... der Hummer H2, ...
... der Chevrolet Colorado oder der ...
... Dodge Ram, hier als Megacab-Version, heraus. Und damit für jeden etwas dabei ist, setzten die US-Autoriesen zudem auf eine breitgefächerte Markenpalette.
Zu Ford beispielsweise zählen neben der Hauptmarke, ...
... die immerhin die Fließband-Produktion erfunden hat (Modell T), ...
... und mit dem F1 (1948) auch einen der ersten Pickups baute, ...
... die Luxusmarke Lincoln mit den Modellen Lincoln Mark LT, ...
... oder Lincoln MKX.
Darüberhinaus ist Ford auch an dem japanischen Autobauer Mazda beteiligt, will seinen Anteil aber abstoßen. (Im Bild: Mazda RX-8).
Zum Markenportfolio von Ford zählten auch Landrover (im Bild ein Defender Baujahr 1948) und ...
... Jaguar. Die zeitlos schönen Raubkatzen mit Modellen wie dem E-Type von 1961, dem ...
... F-Type oder dem ...
... XK gehören aber bald zum indischen ...
... Tata-Konzern. Auch ...
... die Marke Landrover wird sich Tata einverleiben. Zum Verkauf steht zudem ...
... die schwedische Traditionsmarke Volvo. (Im Bild: Volvo XC 90)
Ford will sich auf sein Hauptgeschäft und ... (Im Bild: Ford Explore)
... auf seine eigene Marke konzentrieren. (Im Bild: Ford Explorer)
Mit dem Ford Fusion Hybrid hat das Unternehmen auch bereits ein umweltfreundliches Modell am Start.
"Kleinwagen" wie den Ford Ka sucht man allerdings auf dem US-Markt vergeblich.
Für die US-Autokäufer putzte Ford jüngst den Sportwagen Mustang neu heraus.
Das Modell war bereits in den 60ern ein Verkaufsschlager. Angepriesen wurde es damals als "Niedrigpreisiger Sportwagen für vier Passagiere".
Der Ford Shelby GR1 ist da das genaue Gegenteil.
Auch Chrysler wollte mit großen Modellen, zum Teil im Retro-Look wie beim PT Cruiser, hoch hinaus. Geschafft hat es der Konzern aber nicht.
Modelle wie der Chrysler 300 oder der ...
... Chrysler Aspen stehen derzeit wie festgewachsen in den US-Autohäusern.
Auch beim Chrysler Voyager, einem früheren Verkaufsschlager, liefen die Geschäfte schlecht.
Neben der Hausmarke vereint die ehemalige Daimler-Tochter noch weitere Marken unter ihrem Dach. Dabei wird nicht nur die Tradition groß geschrieben. Kleine, umweltfreundliche Autos von Dodge? Fehlanzeige! Die Viper ist das Gegenteil dieser Attribute.
Auch der Dodge Nitro schlägt nicht in diese Kerbe.
Der Dodge Challenger aus dem Jahr 2006 spielt zwar mit den Wurzeln einer großen Vergangenheit wie ...
... beim gleichnamigen Modell aus dem Jahr 1959 zu sehen ist.
Sparsam beim Spritverbrauch waren die Dodge-Modelle aber noch nie. (Im Bild: Dodge Charger aus dem Jahr 1970)
Da machte auch ein 60er Dodge Dart keine Ausnahme.
Auch Jeep zählt zum Chrysler-Konzern. (Im Bild: Jeep Wrangler)
Einer der bekanntesten Vertreter dieser Chrysler-Marke dürfte der Jeep Grand Cherokee sein.
Aber auch diese Marke hat eine Vergangenheit. Mit Jeeps kämpfte die US-Armee schon im Zweiten Weltkrieg.
Einige Marken hat Chrysler bereits aus seinem Portfolio gestrichen. Einen Plymouth (Prowler) sucht man seit Anfang des Jahrtausends vergeblich.
Und auch die Marke DeSoto (im Bild) wurde eingestampft - allerdings bereits Anfang der 60er Jahre. Die Marke Eagle gab es bis 1998.
Auch der US-Branchenprimus General Motors hat bereits einige Marken eingestellt. Seit 1. Januar 2005 gibt es beispielsweise keine Oldsmobile-Modelle mehr. Der Alero (im Bild war das letzte Oldsmobile.
Oldsmobile war vor allem in den 40er bis 60er Jahren den Autofahrern in den USA ein Begriff wie die Modelle Sedan aus dem Jahr 1941und ...
... F88 aus dem Jahr 1956 zeigen.
In Deutschland ist General Motors (GM) vor allem dank seiner Tochter Opel ein Begriff. Der Insgnia ist noch neu auf dem Markt.
Unter dem Namen Vauxhall wird Opel unter anderem in England verkauft. Auch Vauxhall zählt zu den Traditions-Automarken. Der 14DX stammt aus dem Jahr 1937. In Australien heißen die Opel/Vauxhall-Modelle Holden.
Zu GM gehört auch die Marke Saturn. (Im Bild: Saturn Sky)
Wesentlich bekannter und von GM: Hummer. In der US-Armee nennt man die Modelle schlicht Humvees.
Der Hummer ist vor allem bei den Reichen und Schönen beliebt. Eine extralange Limo-Version ist da ein Muss. Gedanken über den Benzinverbrauch sind reine Nebensache.
Ebenfalls zu den "Großkopferten" ist der Chevrolet Silverado zu zählen. Auch Chevy ist eine GM-Marke.
Auch wenn Chevrolet draufsteht, könnte Daewoo noch drin stecken. GM kaufte den südkoreanischen Hersteller. Lediglich in Südkorea selbst ließ der Konzern die Marke Daewoo unangetastet. (Im Bild: GM-Daewoo Sedan)
Chevrolet selbst hat eine breitgefächerte Modellpalette. Diese reicht vom HHR ...
... über den Colorado ...
... bis zum Malibu.
Auch der Coballt und der ...
... Aveo sind Chevrolets. An die Klasse und Eleganz einstiger Chevy-Modelle wie ...
... der Impala von 1958 oder die ...
... Corvette aus dem Jahr 1953 kommen die heutigen Chevys aber bei weitem nicht heran.
Die Corvette selbst ist da die einzige Ausnahme. Die Beweise: Modell Baujahr 77 und das Modell ...
... ZR1.
Elegant trat einstmals auch die GM-Marke Buick auf, wie am Modell LeSabre von 1959 zu sehen ist.
Heute fahren dafür Buick-Autos mit Namen Lacrosse oder ...
... Enclave auf den US-Highways.
Bei der GM-Marke Pontiac erinnert nicht mehr allzuviel an die einstigen Sportwagen wie den legendären Firebird.
Pontiac baut heute beispielsweise den Vibe.
Eine der Hauptmarken des GM-Konzerns ist Cadillac. (Im Bild: Cadillac Escalade
Die Marke tritt für GM im Luxussegment an und soll der Ford-Marke Lincoln Konkurrenz machen. Der DTS mit seinem 4,6-Liter-V8-Motor kostet mehr als 100.000 Dollar.
Schon Al Capone fuhr einen Cadillac.
Der Cadillac Osceola stammt sogar aus dem Jahr 1905.
Einen Namen machte sich die Marke aber mit Modellen wie dem Eldorado (1958) oder ...
... dem Deville aus dem Jahr 1949.
Auch die schwedische Kultmarke Saab gehört zu GM.
Noch, denn Saab soll abgestoßen werden. (Im Bild: Saab Studie Salomon)
Ein Grund dafür vielleicht: Saab kann bisher nicht auf eventuelle Staatshilfen aus Schweden bauen. (Im Bild: Saab 9-3)
Die schwedische Regierung erteilte diesem Vorgehen eine Absage. (Im Bild: Saab 9-3X)
Bliebe bei GM noch GMC. Unter dieser Marke werden die richtig großen Modelle vertrieben.
Der GMC Denali auf der Denver Auto Show ist nur ein Beispiel der GMC-Familie.
Zu große Autos, zu viele Marken, zu lange auf das falsche Pferd gesetzt: Experten erwarten, dass mindestens einer der "Big Three" nicht überleben wird.

Erste Trendwende auf dem US-Automarkt dank der Abwrackprämie nach deutschem Vorbild: Erstmals seit fast zwei Jahren hat Ford im Juli wieder mehr Autos verkauft als ein Jahr zuvor. Auch bei der bisherigen Opel-Mutter General Motors (GM), bei Chrysler und beim globalen Branchenprimus Toyota verlangsamte sich die US-Talfahrt zumindest deutlich.

Praktisch alle Hersteller erlebten den bisher verkaufsstärksten Monat des Jahres. Die deutschen Autobauer profitierten aber nur zum Teil von der US-Abwrackprämie. Für den gesamten US-Markt schraubten Analysten ihre Prognosen für das laufende Jahr spürbar auf klar über zehn Millionen Stück hoch. Im vergangenen Jahr waren es noch gut 13 Millionen.

Talfahrt deutlich abgebremst

Beim zweitgrößten US-Autobauer Ford stieg der Absatz im Juli zum Vorjahresmonat um mehr als zwei Prozent auf knapp 165.300 Fahrzeuge. Das letzte Verkaufsplus hatte der Hersteller im November 2007 vor Ausbruch der Krise erzielt. Im Juni war der Absatz noch um knapp elf Prozent gesunken. Ford kommt bisher anders als GM und Chrysler ohne staatliche Milliardenhilfen aus und fuhr zuletzt einen Quartalsgewinn ein. GM und Chrysler schafften gerade erst den Neustart nach der Insolvenz.

GM dämmte den Absatzrückgang auf 19 Prozent ein und verkaufte rund 189.450 Fahrzeuge. Im Juni hatte das Minus noch bei 34 Prozent gelegen. Im Vergleich zum Vormonat seien die Verkäufe gestiegen. Die Produktion in den Nordamerika-Werken soll im dritten Quartal gegenüber dem ersten Halbjahr wieder hochgefahren werden. Bei Chrysler fielen die Verkäufe zum Vorjahr lediglich noch um etwas mehr als neun Prozent auf 88.900 Autos. Im Juni waren sie noch um 42 Prozent abgestürzt.

Auch deutsche Marken profitieren

Volkswagen legte in den USA im Juli ganz leicht um 0,7 Prozent auf 20.590 Wagen zu. Die Nachfrage sei auch durch die US-Abwrackprämie befördert worden, so der Hersteller. Bei Daimler, BMW, Audi und Porsche ging es dagegen bergab - bei allen außer BMW allerdings weniger steil als zuletzt. Daimler verkaufte rund 24 Prozent weniger, insgesamt waren es rund 17.650 Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und smart. Trotzdem sei der Juli der bislang stärkste Monat in diesem Jahr gewesen.

Der Absatz der Marken BMW und Mini sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um insgesamt fast 27 Prozent auf 21.250 Fahrzeuge. Besonders schlimm war der Schwund mit fast 32 Prozent bei der Kernmarke BMW, der Mini hielt sich fast stabil. BMW habe nicht von der Abwrackprämie profitiert, sagte Nordamerika-Chef Jim O'Donnell. Bei Audi ging es um knapp sechs Prozent auf rund 6400 Wagen nach unten und damit etwas weniger als im Vormonat. Der Absatz beim Sportwagenbauer Porsche brach in Nordamerika erneut um 47 Prozent auf rund 1744 ein nach sogar minus 62 Prozent im Juni.

Toyota verkaufte mit 174.900 Fahrzeugen 11 Prozent weniger, hatte im Juni aber noch mehr als ein Drittel nachgegeben. Der Schub durch das "Clunkers"-Programm sei "signifikant" gewesen.

Abwrack-Mittel aufgestockt

Der große Erfolg der erst Ende Juli gestarteten US-Abwrackprämie überraschte Politiker wie Experten - trotz des bekannten Ansturms in Deutschland. In weniger als einer Woche hatten US-Käufer fast die kompletten Staatsmittel von einer Milliarde Dollar aufgebraucht. Weitere zwei Milliarden Dollar für das Programm "Cash for Clunkers" ("Bares für Rostlauben") wurden in Windeseile beschlossen, brauchen aber noch die Zustimmung des Senats. In Deutschland sind im Fördertopf nach einer Aufstockung fünf Milliarden Euro.

US-Autokäufer erhalten je nach Spritersparnis des Neufahrzeugs bis zu 4500 Dollar (knapp 3200 Euro). Dem ursprünglichen Programm nach sollten rund 250.000 Alt-Fahrzeuge durch neue Modelle ersetzt werden. Ob die Verkaufsanreize den Markt aber dauerhaft stabilisieren, ist offen. Auch in Deutschland hat die Abwrackprämie mitten in der Krise einen Boom beschert. Allerdings droht 2010 nach Auslaufen der Prämie wegen der vielen vorgezogenen Käufe ein harter Absturz.

(dpa, N24)

03.08.2009 22:15 Uhr

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