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Schweinegrippe

Impfchaos zu Lasten der Bevölkerung?

Städte und Kommunen sehen bei den geplanten Massenimpfungen gegen Schweinegrippe ein Chaos auf sich zukommen. Die Kostenfrage ist auch noch nicht geklärt und beschäftigt die Politik.

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Impfsonntage gegen die Schweinegrippe? Genauso umstritten wie die Kostenfrage.
Video: Schweinegrippe-Impfung - Riesiges Geschäft für Pharmakonzerne
Video: Schweinegrippe-Impfung - Krankenkassen wollen Beiträge erhöhen
Die rosigen Zeiten sind vorbei. Vom Glücksbringer ...
... mutiert das Borstentier zum armen Schwein. Die weltweite Panik vor einem ...
... mysteriösen Erreger treibt skurrile Blüten. So müssen die Abgeordneten im saarländischen Landtag sich von einer ...
... beliebten Umgangsform verabschieden. In einer Rundverfügung macht die Verwaltung des hohen Hauses Mitarbeiter und Politiker darauf aufmerksam, dass auf das gewohnte Begrüßungsküsschen (auch über Parteigrenzen hinweg) ...
… verzichtet werden müsse. „Beugen Sie einer Ansteckung vor, indem Sie nach Möglichkeit Abstand zu anderen halten. Verzichten Sie beispielsweise auf Händeschütteln oder Küsschen zur Begrüßung.“
Überhaupt geht der Mensch in Zeiten schweinischer Panik gern auf Abstand. Bitte bei Grippeverdacht dreimal hupen und vor der Klinik im Auto warten - das ist der neueste Rat der neuseeländischen Gesundheitsbehörden.
Der Kampf gegen die Schweinegrippe macht auch vor dem Internet nicht Halt: Im Spiel „Swinefighter“ müssen Spieler innerhalb weniger Sekunden so viele grüne Schweine wie möglich impfen. Virtuelle Viren ...
... machen japanischen Internetnutzern zu schaffen. Dort ist zwar noch kein Mensch an der Schweinegrippe erkrankt - aber die Computer kämpfen dort mit einem Virus gleichen Namens.
Helfenberg sucht das Superschwein: Mit Pig Brother (www.pigbrother.at) kann kann man via Livecam am Leben von vier kleinen Schweinderln teilhaben. Das Online Spe(c)ktakel soll das angeschlagene ...
... Image der Tiere aufbessern. Keine leichte Aufgabe, denn die Angst vor der Schweinegrippe ist ein panmedialer Gassenhauer.
Dabei haben Experten gleich mehrere Begriffe für die Virus-Erkrankung ins Spiel gebracht. Das Spektrum der Vorschläge reicht von „Mexiko-Grippe“ bis „Neue Grippe“. In Israel und der arabischen Welt wird die Namensfindung gar zum ...
... Politikum. Um den Namen eines „unreinen“ Tiers nicht in den Mund nehmen zu müssen, hat ein israelischer Regierungsvertreter kurzerhand den Begriff „Schweinegrippe“ aus dem offiziellen Wortschatz verbannt.
Der ägyptische Gesundheitsminister Hatem al-Gabali rät seinen Landsleuten derweil, als Vorsichtsmaßnahme gegen die Schweinegrippe auf der kleinen Wallfahrt nach Mekka nur auf dem eigenen Gebetsteppich zu beten.
Afghanistans einziges Schwein musste die Kehrseite des Ruhms kennenlernen. Der Star im Kabuler Zoo muss in Quarantäne. Es darf damit vorerst auch nicht mehr ...
... mit seiner besten Freundin, einer Ziege, durchs Gehege streifen. Seelische Grausamkeit, denn „es hat sich mit der Ziege angefreundet und ist immer glücklich, seine Zeit mit ihr zu verbringen“, so Zoodirektor Asis Gul Saqib.
Auch auf dem Fußballplatz wird in Sachen Grippe die Sau rausgelassen. Die südamerikanische Fußball-Konföderation CONMEBOL bestrafte ...
... Hector Reynoso (vorne im Bild) mit einer Sperre. Der Mexikaner hatte seinem Gegenspieler mit einer simulierter Spuck- und Nies-Attacke gestenreich ...
... die Ansteckung mit dem Schweinegrippe-Virus angedroht.
Dabei sind Schweine echte Sportsfreunde (im Bild: Schweineolympiade 2004 in Moskau).
Die armen Schweine werden völlig zu unrecht stigmatisiert, meint ein australischer Schweinezüchter. "Es ist sicherer ...
... ein Schwein zu küssen als eine Frau", weiß Ean Pollard. Er sei deshalb nach den ersten Grippemeldungen in den Stall marschiert und habe einige seiner Schweine abgeknutscht, berichtet der Mann aus der südwestaustralischen Stadt Young.
Auch wenn der Verzehr von Schweinefleisch kein gesundheitliches Risiko bergen soll, droht ...
... ganzen Wirtschaftszweigen der Bankrott. Auch emanzipierte ...
... Männer sehen ihr jahrelang gepflegtes Image bedroht.
Für Schweineliebhaber heißt es aber: Gute Miene zum bösen Spiel machen und die Krise aussitzen. Schließlich ...
... ist die mediale Sau bald durchs ganze Weltdorf getrieben. Dann kann man selbige auch endlich wieder ...
... im Mexiko-Urlaub raus lassen. Schwein gehabt. Und für all die Sauereien kommen jetzt erst mal fünf Euro ins Phrasenschwein.

Kommt das Impfchaos? Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) warf den Kassen Verunsicherung vor. Sie erteilte den Krankenkassen auch eine Abfuhr für die Forderung nach einem eigens anberaumten Spitzengespräch. Eine Ende des Streits um die größte Impfaktion seit Jahrzehnten ist aber nicht in Sicht: Die Kommunen warnten von einem Chaos wegen unklarer Zuständigkeiten. Der Schnelltest für Grippe soll wegen Unzuverlässigkeit jetzt nur noch in Ausnahmefällen bezahlt werden.

Im Streit um die Finanzierung dringt die Barmer Ersatzkasse auf eine schnelle Klärung. "Um sachlich über die Finanzierungsfrage zu reden, fordere ich Bund und Länder zu einem Spitzengespräch mit den Krankenkassen auf", sagte der Barmer-Vorsitzende Johannes Vöcking. Eine Sprecherin Schmidts sagte: "Es hat längst mehrere Gespräche mit den Kassen gegeben." Schmidt sei zwar gesprächsbereit. "Sie erwartet aber, dass die Verunsicherung der Versicherten aufhört."

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) blieb bei seiner Forderung nach Steuermitteln oder höheren Beiträgen, um die Kosten von 600 Millionen bis 1 Milliarde Euro aufzufangen. "Schön wäre es, wenn die Politik ihre gesetzlich vorgeschriebene organisatorische wie finanzielle Verantwortung wahrnimmt und wir nicht mehr über die Kostenverteilung diskutieren müssten, sondern im Sinne der Versicherten über die Umsetzung der Massenimpfung reden könnten", sagte Sprecherin Ann Marini. Eine Entscheidung wird am Mittwoch mit dem Beschluss der entsprechenden Verordnung im Bundeskabinett erwartet.

Zusatzbeiträge für Millionen Versicherte

Der Essener Gesundheitsökonom Jürgen Wasem - ein führender Experte für die Kassenfinanzen - erwartet, dass auf die Hälfte der Versicherten Zusatzbeiträge zukommen, wenn die Kosten allein von den Kassen getragen würden, wie er der "Thüringer Allgemeinen" sagte. Auch mehrere SPD-Politiker wiesen den Kassen aber die Verantwortung für die Impfkosten zu. Auch die Wirtschaft warnte vor allgemeinen Beitragserhöhungen.

Der Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, verlangte: "Es muss schnellstmöglich geklärt werden, welcher Personenkreis eine freiwillige Schutzimpfung erhalten kann, inwieweit der öffentliche Gesundheitsdienst in die Impfaktion eingebunden werden soll und wie die Kostenerstattung geregelt wird." Die geplante Verordnung schaffe nicht genug Klarheit über die Rolle der Gesundheitsämter und Kommunen, monierte Landsberg. Die Ministeriumssprecherin entgegnete: "Jeder Beteiligte sollte vor Ort selbst seinen Beitrag leisten." In den nächsten Wochen würden die Länder Impfvereinbarungen mit den Kassen schließen. "Die Organisation der Impfungen muss mit den Akteuren in den Regionen festgelegt werden."

Wegen mangelnder Zuverlässigkeit wird der Schnelltest zur Schweinegrippe künftig nur noch in Ausnahmefällen angewendet. Das ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und dem Kassenverband. Stattdessen sollen Risikopatienten PCR-Tests von den Kassen bezahlt bekommen, wenn bei ihnen ein konkreter Verdacht auf Schweinegrippe besteht. Mit diesen Tests lässt sich die Viruskrankheit nachweisen. Nach Angaben des Leiters der Virologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Thomas F. Schulz, zeigen die Schnelltests zu mehr als 50 Prozent ein falsch negatives Ergebnis an.

Zählt ein Patient nicht zu einer Risikogruppe mit bestimmten chronischen Krankheiten, kann er einen PCR-Test veranlassen, den er dann aber selbst bezahlen muss. Andernfalls gebe es auch in diesem Fall einen Schnelltest, für den der Betroffene die Kosten selbst erstatten müsse, dann von den Kassen aber zurückerstattet bekomme.

Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts wies unterdessen Politikeraussagen zurück, dass ein Schweinegrippe-Impfstoff das Krebsrisiko erhöht. Die Weltgesundheitsorganisation habe für auf Zellkulturen mit Tumoreigenschaften basierende Impfstoffe schon vor etwa 20 Jahren ausreichende Regeln aufgestellt, sagte Johannes Löwer. Der SPD-Politiker Wolfgang Wodarg hatte vor einem möglichen Krebsrisiko durch den Impfstoff gewarnt.

(dpa, N24)

07.08.2009 16:50 Uhr

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