Die hessischen SPD-Rebellen und Ypsilanti-Gegner erwägen offenbar die Gründung einer eigenen Partei. Die "sozialliberale" Partei soll enttäuschte SPD- und CDU-Wähler auffangen.
Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.
Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:
Einige der hessischen SPD-Rebellen erwägen laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Gründung einer eigenen Partei nach der Bundestagswahl. Dafür solle auch der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement, der die SPD verlassen hat, gewonnen werden. Laut "FAS" soll die Formation rechts von der SPD angesiedelt und "sozialliberal" sein. Ziel sei es, nach der erwarteten Wahlniederlage der Sozialdemokraten enttäuschte Wähler und Anhänger aufzufangen.
Clement erteilte dem Vorschlag zur Mitbegründung einer neuen Partei jedoch umgehend eine Absage. "Ich habe derzeit nichts im Sinn damit", sagte Clement der "Financial Times Deutschland". Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und frühere nordrhein-westfälische Ministerpräsident bestätigte aber, dass er Kontakte zu den vier hessischen SPD-Rebellen um Jürgen Walter habe.
Streitpunkt Hessen-Wahl
Die vier hessischen SPD-Abgeordneten Jürgen Walter, Carmen Everts, Silke Tesch und Dagmar Metzger hatten sich im November 2008 geweigert, eine von der Linkspartei tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung in Hessen unter Andrea Ypsilanti zu wählen. Der frühere hessische Landesvize Walter hofft dem Bericht zufolge auch auf Abtrünnige aus der Union. Bereits im vergangenen November habe Walter darauf hingewirkt, im hessischen Landtag mit drei anderen SPD-Rebellen zunächst eine eigene Fraktion zu gründen. Metzger und Tesch hätten sich dem jedoch verweigert.
Clement war parteiintern wegen kritischer Äußerungen über Ypsilanti gerügt worden. Er trat dann im November 2008 aus der SPD aus.
Entscheidung im Ordnungsverfahren steht noch aus
Im Parteiordnungsverfahren gegen Walter steht der endgültige Spruch noch aus. Der SPD-Unterbezirk Wetterau hatte verlangt, Walters Mitgliedsrechte für zwei Jahre einzuschränken. Dieser will nur eine Rüge akzeptieren, wie sie auch Everts und Tesch erhalten haben. Beim Berufungsverfahren gegen Walter war es Anfang Juli zum Eklat gekommen. Dieser hatte unter Protest die Sitzung verlassen und der SPD-Schiedskommission "Moskauer Prozesse" vorgeworfen, weil sein Rechtsbeistand nicht zur Sitzung zugelassen wurde.
Walters Ankläger in dem Parteiordnungsverfahren, der ehemalige hessische Minister Jörg Jordan, sagte der "FAS", an Walters Verhalten könne man deutlich erkennen, dass er alle Brücken zur Partei abbreche. Er wolle seinen Ausschluss offensichtlich provozieren.