N24 Wissen - Wissenschaft, History und Dokumentationen
 

1. September 1939

Der Beginn des Zweiten Weltkrieges

Am 1. September 1939 beginnt mit dem deutschen Überfall auf Polen der 2. Weltkrieg. Es ist ein Krieg, wie ihn die Menschheit bis dahin noch nicht erlebt hatte - mit mehr als 50 Millionen Toten.

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"Wir haben nichts zu verlieren, nur zu gewinnen", erklärte Adolf Hitler am 22. August 1939 vor führenden Militärs. Nur wenige Tage später markierte der deutsche Überfall auf Polen den Beginn des 2. Weltkriegs. Dem Angriff am 1. September 1939 ging ...
... keine formale Kriegserklärung voraus. Kurz darauf maschierte auch die Sowjetunion in das Nachbarland ein. Die unterlegene polnische Armee wurde schnell besiegt und unter den beiden Großmächten aufgeteilt. Bereits Tage vorher war ...
... Polen im geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt aufgeteilt worden. Der "Hitler-Stalin-Pakt" konnte aber nicht über Hitlers oberstes Ziel hinweg täuschen: Die Eroberung des gesamten Ostens. "Alles, was ich unternehme, ...
... ist gegen Russland gerichtet. Wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten ...
... Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden", sagte Hitler 1937. 1939 war es dann soweit. Nachdem das Deutsche Reich ihr Ultimatum, sich aus Polen zurückzuziehen, ignoriert hatte, erklärten Frankreich und England am 3. September Deutschland den Krieg.
Der Angriff blieb allerdings aus. Ebenso wie die Kriegserklärung an die Sowjetunion, die ebenfalls in Polen eingefallen war. Am 5. September kam es seitens der Franzosen zu einer eher symbolischen Offensive gegen das Saargebiet. Danach ...
... blieb es ruhig an der Westfront. Am 10. Mai 1940 begann der "Fall Gelb". Ingesamt sieben Armeen des deutschen Reichs besetzten die neutralen Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg. Schon am 9. Juni überschritten sie auch die Seine und ...
... besetzten Teile von Paris. Trotz der Niederlage Frankreichs ging der Krieg weiter, da Großbritannien Hitlers Friedensangebot nicht annahm. Hitler bemühte sich, seine Herrschaft über das „Neue Europa“ zu konsolidieren und durch weitere Bündnisse ...
... zu festigen. Spanien blieb zurückhaltend, Italien hingegen war im Juni 1940, kurz vor der französischen Kapitulation, Hitlers Kriegsverbündeter geworden. Zusammen mit Japan schlossen Mussolini und Hitler am 27. September 1940 in Berlin ...
... den Dreimächtepakt. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion entstand am 22. Juni 1941 eine neue Front im Osten Deutschlands. Ein halbes Jahr später wurden auch die USA, die zunächst formal Neutralität gewahrt hatten, offizieller Kriegsgegner.
Den Wendepunkt markierte der 7. Dezember 1941, als Japan die amerikanische Pazifikflotte Pearl Harbor angriff. Die in den USA weit verbreitete Grundstimmung, sich aus den Gefechten herauszuhalten, verschwand ...
... und nun befanden sich auch die USA im Krieg mit den Achsenmächten. Trotz der angespannten ...
... Kräfte- und Nachschubssituation plante Hitler das nächste Angriffziel: Stalingrad. In erbitterten Einzelkämpfen in den Häusern und Straßen der Stadt kamen die Deutschen im August 1942 nur mit hohen Opfern voran. Ebenso hohe Verluste verzeichneten ..
... die Sowjets bei dem verbissenen Versuch, die Stellung zu halten. Im November 1942 begann die Gegenoffensive der "Roten Armee". Die vom deutschen Reichsmarschall Göring zugesagte Luftversorgung war völlig unzureichend. Kurze Zeit später führte dies ...
... zur Unbeweglichkeit und völligen Entkräftung der Soldaten. Die 6. Armee war eingekesselt. Knapp 100.000 Soldaten gerieten in Gefangenschaft, von denen nur etwa 6.000 nach dem Krieg in ihre Heimat zurückkehrten. Die Schlacht von Stalingrad ...
... markierte einen psychologischen Wendepunkt. Der Glaube an den "Endsieg" schwand zunehmend. Es folgten weitere größere Schlachten, die das westliche Vordringen der Sowjetunion ermöglichten. Kurz darauf wurde auch Italien von den Alliierten ...
... besetzt. Die neue Regierung unter Pietro Badoglio wandte sich gegen das Deutsche Reich. Mit der kampfstarken Partisanenarmee aus Männern und Frauen drangen die Alliierten nur langsam voran. Im Westen landeten die Alliierten am ...
... 6. Juni 1944 in der Normandie: D-Day. Da die Deutschen und Hitler angenommen hatten, die Landung würde in Pas-de-Calais erfolgen, waren sie schlecht vorbereitet. Aufgrund der selbst zerstörten französischen Bahngleise konnte man nicht ...
... schnell genug für Nachschub sorgen. Die deutschen Truppen waren zunehmend geschwächt. Nachdem sie nun auch Paris von Süden her wieder eingenommen hatten, ging es für die Alliierten zügig voran.
Am 25. April trafen sich US-amerikanische und sowjetische Truppen in Torgau an der Elbe (Elbe Day). Deutschland zerfiel in zwei Teile.
Am 30. April tötete Adolf Hitler sich selbst mit einem Pistolenschuss in die rechte Schläfe im Bunker unter der Reichskanzlei. Der 8. Mai 1945 war der Tag der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Doch der zweite Weltkrieg ...
... wurde im asiatischen Raum bitter weitergeführt. Neben verlustreichen Schlachten der US-Armee auf den japanischen Inseln Iwojima und Okinawa warfen ...
... die Amerikaner am 6. August 1945 die erste Atombombe auf Hiroshima. Es folgte eine weitere am 9. August auf Nagasaki. Die Atombombenexplosionen töteten insgesamt etwa 155.000 Menschen sofort. Weitere 110.000 Menschen starben innerhalb ...
... weniger Wochen an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung. Sechs Tage später verkündete der japanische Tenno im Rundfunk ...
... die Kapitulation Japans, die am 2. September in der Bucht von Tokio auf der USS Missouri unterzeichnet wurde.
Einen Krieg wie diesen hatte die Welt zuvor noch nie erlebt. Dabei ging es nicht nur um Land und Raum, sondern vor allem auch um Ideologien. So fielen Millionen Menschen nicht nur den Gefechten auf den Schlachtfeldern zum Opfer, ...
... sondern auch den zahlreichen vor allem von Deutschland begangenen Kriegsverbrechen. Diese richteten sich insbesondere ...
... gegen Juden, Sinti und Roma und die als „Untermenschen“ betrachteten Osteuropäer. Bereits vor dem Krieg ...
... war die gezielte Enteignung der Juden Europas ein integraler Bestandteil der nationalsozialistischen Politik. Doch bei ...
... der Beschlagnahmung ihres Besitzes als Teil der Rassenpolitik, die zu einem nicht unerheblichen Teil den Krieg finanzierte, ...
... sollte es nicht bleiben. Es folgte die systematische ...
... Deportation und Verteilung in Arbeitslagern. Unter den Bedingungen des Krieges ...
... verschärfte das Regime diese Politik schließlich zum systematischen Völkermord in Konzentrationslagern. Das Konzentrationslager ...
... Auschwitz-Birkenau war das größte deutsche Vernichtungslager. Hier starben allein zwischen 1942 und 1935 eineinhalb Millionen Menschen.
Von der nationalsozialistischen Machtergreifung bis ...
... zum Kriegsende wurden etwa 6 Millionen Juden ermordet. Der Vernichtungspolitik fielen insgesamt über 10 Millionen Menschen zum Opfer.
Zu den begangenen Kriegsverbrechen gehören auch die Vergewaltigungen von europaweit vier Millionen Frauen, ...
... davon 1,9 bis 2 Millionen vergewaltigte Frauen in Deutschland während des Vormarsches der Roten Armee gegen Kriegsende. (240.000 Todesfällen in Folge der Übergriffe)
Insbesondere gegen Chinesen ging Japan mit großer Brutalität vor. Dazu gehörten das Massaker von Nanking sowie grausame Experimente an Gefangenen. Ingesamt forderte der Zweite Weltkrieg 55 bis 60 Millionen Menschenleben.
Rüstungsindustrien in bis dahin unbekannter Größe, der erstmalige Einsatz atomarer Waffen und der nationalsozialistische Vernichtungswahn machten ihn zum bislang größten und verheerendsten Konflikt in der Menschheitsgeschichte.
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30. Januar 1933: Adolf Hitler wird zum Reichskanzler des Deutschen Reiches ernannt. In den politisch konservativen Kreisen der Weimarer Republik war man da noch zuversichtlich, dass...
...man Hitler und die nationalsozialistische Bewegung innerhalb des neuen Kabinetts zähmen konnte. Doch dies war ein Irrtum: Hitler begann...
...früh nach seiner "Machtergreifung" damit, das demokratische System zu beseitigen. Den Auftakt dafür bildete die "Reichstagsbrandverordnung". Sie trat am 28. Februar 1933 in Kraft, nachdem...
...in der Nacht zuvor ein Brandanschlag auf das Reichstagsgebäude verübt wurde. Da am Tatort der Kommunist Marinius van der Lubbe festgenommen wurde, nutzte Hitler dies als Anlass gegen seine politisch-ideologischen Gegner vorgehen zu können.
Die Verordnung setzte alle wesentlichen Grundrechte der Verfassung außer Kraft. Neben der Ausschaltung der KPD und der SPD zielte sie auch auf die jüdische Bevölkerung ab.
Weitere innenpolitische Schritte Hitlers folgten, die dem Ausbau und der Konsolidierung der NS-Herrschaft dienten. Mit dem sogenannten "Ermächtigungsgesetzes" vom 24. März 1933 wurde eine weitere Grundlage für...
...die Diktatur gelegt. Zudem entstand ein Personenkult um die Figur Hitler. Während das NS-Regime eine radikale Innenpolitik betrieb, knüpfte es außenpolitisch an die traditionellen Themen aus der Weimarer Zeit an. Oberste Priorität besaß dabei...
...die Revision des "Versailler Vertrages", der dem Deutschen Reich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg auferlegt worden war. Neben der militärischen Gleichberechtigung mit den Siegermächten ging es Hitler um die Zurückgewinnung der verlorenen Gebiete.
Wien 1938: Hitler annektiert Österreich und ein "Großdeutsches Reich" gebildet. 1936 läutete bereits die Besetzung des Rheinlandes die aggressive Außenpolitik Hitlers ein. Die Siegermächte ließen beide Schritte ohne größere Proteste zu.
Die Situation drohte jedoch dann im Zuge der "Sudetenkrise" zu eskalieren. Hitler wollte das Sudetenland mit den dort lebenden Deutschen wieder in das Reich eingliedern. Als Grund nannte er angebliche tschechische Übergriffe auf die deutsche Minderheit.
Um einen neuen europäischen Krieg zu verhindern, gaben die Siegermächte den Forderungen Hitlers nach und beschlossen am 29. September 1938 auf der "Münchener Konferenz" die Abtretung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Kurz darauf marschierte...
...die Wehrmacht in das Gebiet ein und wurde von der heimischen Bevölkerung jubelnd begrüßt. Hitler befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Popularität und Macht. Obwohl er aber versichert hatte, keine weiteren Forderungen zu stellen...
...marschierten fast sechs Monate nach der "Sudetenkrise" deutsche Truppen in Prag ein und besetzen die "Rest-Tscheschei". Nachdem dies von den Siegermächten geduldet wurde, richtete sich Hitlers Blick nun auf die ehemals deutschen Gebiete in Polen.
Die Grundlage für ein Vorgehen gegen Polen bildete der "Hitler-Stalin-Pakt" vom 23. August 1939. In einem geheimen Zusatzprotokoll wurde das Land zwischen Hitler und Stalin aufgeteilt.
Am 1. September 1939 zerstörten deutsche Soldaten die Grenzanlagen zu Polen und begannen mit dem Feldzug gegen den Nachbarstaat. Daraufhin erklärten Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg.
Die Luftwaffe bombardierte zahlreiche Städte in Polen. In einem "Blitzkrieg" eroberte die Wehrmacht binnen kürzester Zeit das Land vollständig. Nachdem im April 1940 auch Dänemark und Norwegen von Hitler erfolgreich besetzt wurden,...
...eroberte die Wehrmacht knapp zwei Monate später Paris. Als die Luftschlacht um England nicht gewonnen werden konnte, startete im Juni 1941 der Angriff auf die Sowjetunion. Nach anfänglichen Erfolgen kam...
...die deutsche Offensive im Winter des Jahres ins Stocken. In Stalingrad kam im Jahre 1943 dann die Kriegswende für das Deutsche Reich. Die Gegenoffensive der Roten Armee konnte lediglich verlangsamt, aber nicht gestoppt werden.
Als die Niederlage des Deutschen Reiches abzusehen war, regelten der britische Premierminister Churchill, der US-Präsident Roosevelt und der sowjetische Diktator Stalin auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 die Nachkriegsordnung Europas.
Anders als im Ersten Weltkrieg war diesmal auch das Deutsche Reich selbst Schauplatz des Krieges. Viele deutsche Großstädte wurden fast vollständig durch alliierte Luftangriffe zerstört. Aufgrund der aussichtlosen Lage beging Hitler am 30. April 1945...
...zusammen mit seiner Ehefrau Eva Braun im Berlin Suizid. In Hitlers politischen Testament wurde der Generalfeldmarschall Wihlem Keitel zum neuen Reichspräsidenten ernannt. Er unterschrieb...
...am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Berlin-Karlshorst. Damit waren der Zweite Weltkrieg in Europa und die NS-Herrschaft in Deutschland beendet.
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Als Auslöser des Ersten Weltkrieges gilt das „Attentat von Sarajevo“: Bei einem Besuch der bosnischen Hauptstadt werden am 28. Juni 1914 der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau Sophie …
… von dem serbischen Nationalisten Gavrilo Princip ermordet. Der gibt als Motiv seiner Tat die Unterdrückung der Serben durch Österreich-Ungarn an.
Das Attentat führt zu einer Reihe von Ereignissen, (Über-)Reaktionen und Missverständnissen in Europa, der sogenannten „Julikrise“, die innerhalb eines Monats den Ersten Weltkrieg auslösen.
Mit der Rückendeckung des deutschen Kaisers Wilhelm II. (Porträt 1905) und des Reichskanzlers Bethmann Hollweg - und somit Deutschlands - stellt Österreich Serbien am 23. Juli ein hartes Ultimatum, in dem es u.a. um die Aufklärung des Attentats geht.
Serbien erfüllt dieses Ultimatum zwar nicht, kommt Österreich aber entgegen. Dennoch bricht Österreich die diplomatischen Beziehungen ab und erklärt Serbien mit deutscher Unterstützung am 28. Juli 1914 den Krieg.
Aufgrund internationaler Verstrickungen und wechselseitiger Bündnisverpflichtungen weitet sich der Krieg rasch aus. Die Gesamtmobilmachung Russlands am 30. Juli 1914 führt dazu, dass das Deutsche Reich am 1. August 1914 Russland den Krieg erklärt.
Bald sind alle fünf europäischen Großmächte und Serbien verwickelt. Die Fronten, die gegeneinander kämpfen: Auf der einen Seite stehen Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich, auf der anderen Seite Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Serbien.
Zu Beginn herrscht überwiegend große Kriegsbegeisterung. Bayerische Soldaten winken im August 1914 freudig aus dem Fenster eines Zuges, der sie an die Front bringt.
Ein 70-jähriger Freiwilliger in Leipzig, ebenfalls im August 1914. Die Annahme, dass man an Weihnachten wieder Zuhause sei, stellt sich als absoluter Irrglaube heraus.
Letzten Endes kommt es zum ersten weltweit geführten Krieg, an dem 32 Länder beteiligt sind. Französische Soldaten blicken im Jahr 1915 in eine ungewisse Zukunft.
Weitreichende historische Bedeutung erhält der erste Weltkrieg auch als erster „moderner“ Krieg: Die Verwendung neuartiger Waffentechnik wie Panzer ...
... oder Kampfflugzeuge ...
... und der erstmalige Einsatz von Massenvernichtungswaffen in Form von Giftgas sorgen ...
… für ein Elend und eine Vernichtung in einem bisher unbekannten Ausmaß.
Eine junge, schwangere Frau liegt, verletzt durch einen Bombenanschlag, auf einer Pritsche.
Neu sind außerdem gewisse Methoden strategischer Kriegsführung, die auch die Zivilbevölkerung treffen. Durch die Blockade der Lebensmittelauslieferung etwa werden die Bürger gezielt dem Hunger ausgesetzt.
Der deutsche Kaiser Wilhem II (M.) studiert zusammen mit General Erich Ludendorff (r.) und Feldmarschall Paul von Hindenburg eine Karte.
In der Phase des Bewegungskrieges kann Deutschland zunächst im Osten – bei der Schlacht bei Tannenberg im August 1914 – und im Westen militärische Erfolge verbuchen.
Die Schlacht an der Marne 1914 führt allerdings nicht zur gewünschten Niederwerfung Frankreichs.
Von 1915 bis 1917 kommt es dann sowohl in Russland als auch im Westen zu Stellungskriegen, bei denen Material- und Ausblutungsschlachten vorherrschen.
Nach der Schlacht von Verdun 1916 etwa verzeichnen die Franzosen mit rund 275.000 und die Deutschen mit 240.000 Toten hohe Verluste.
Vor allem die deutsche Abwehr ist somit enorm angeschlagen.
In dem ebenfalls stattfindenden Krieg zur See werden U-Boote erstmalig im größeren Umfang zu militärischen Zwecken eingesetzt. 1917 versucht das Deutsche Reich auf diesem Wege England zu schwächen und eine Wende des Kriegs herbeizuführen.
Eine entscheidende Wende erhält der Krieg bald tatsächlich, allerdings zu Ungunsten der Deutschen: Am 6. April 1917 treten die USA in den Krieg ein und schließen sich den Alliierten an.
Mit dem Durchbruch britischer Panzer bei Amiens am 8. August 1918 erlebt das Deutsche Reich „den schwarzen Tag des deutschen Heeres“.
Durch die Oktoberrevolution scheidet zwar Russland als Kriegsgegner aus, trotzdem wird bald deutlich, dass die Situation für die Deutschen aussichtslos ist.
Etwa 70 Prozent der Soldaten geraten in Gefangenschaft.
Bis der Widerstand der bulgarischen, österreichischen und türkischen Bundesgenossen bricht, dauert es noch bis zum Herbst 1918.
Am 3. Oktober 1918 schickt die deutsche Seite ein Waffenstillstandsangebot nach Amerika auf der Grundlage des von US-Präsident Wilson im Januar vorgestellten 14-Punkte-Programms. U.a. beinhaltet dies die Einrichtung eines Völkerbundes.
Zugleich findet in Deutschland ein innerer, politischer Umschwung statt, der in der Novemberrevolution gipfelt. Revolutionäre Ideen breiten sich gegen Krieg und Kaisertum aus, Arbeiter- und Soldatenräte werden gebildet.
Die Ereignisse überstürzen sich: Auf eigene Faust gibt Prinz Max von Baden am 9. November 1918 in Berlin die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekannt, der daraufhin ins holländische Exil flüchtet (undatiertes Foto: Wilhelm II. im Exil).
Sozialdemokrat Philip Scheidemann ruft am selben Tag die Republik aus und übergibt die Reichskanzlerschaft an den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert (undatiertes Foto: Friedrich Ebert).
Am 11. November 1918 wird in Compiegne ein endgültiges Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet und somit der Krieg beendet.
Rund 17 Millionen Menschen haben ihr Leben gelassen.
Offiziell wird der Erste Weltkrieg am 28. Juni 1919 mit dem Friedensvertrag von Versailles abgeschlossen - genau fünf Jahre nach dem "Attentat von Sarajevo".
Sie diktieren 1919 den Inhalt des Versailler Vertrages (v. l. n. r.): Die Ministerpräsidenten David Lloyd George (England), Vittorio Emanuele Orlando (Italien), Georges Benjamin Clemenceau (Frankreich) und der amerikanische Präsident Woodrow Wilson.
Die alleinige Kriegsschuld wird dem Deutschen Reich zugewiesen.
Außerdem muss es Reparationsleistungen an die Siegermächte leisten sowie ...
... viele Gebiete (u.a. im Osten) und seinen Kolonialbesitz übergeben
Die Karte zeigt das veränderte Europa 1918 nach dem Ersten Weltkrieg.
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Claus Graf von Stauffenberg war hauptverantwortlich für das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Er wurde am 15. November 1907 in Jettingen (Bayern) als dritter Sohn einer traditionsreichen Adelsfamilie geboren.
Nach dem Abitur begann Stauffenberg seine Karriere in der Reichswehr. 1930 wurde ihm, nach Stationen in Bamberg, Dresden und Hannover, der Rang eines Leutnants in der Kavallerie verliehen.
Stauffenberg (l.) befürwortete die Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933. Er half bei der Ausbildung der SA und erhielt ab 1936 eine Generalstabsausbildung in Berlin. 1938 wurde er Zweiter Generalstabsoffizier.
Stauffenberg nahm 1938 an der Besetzung des Sudetenlandes und 1939 am Einmarsch in Polen teil.
Auch an der Westoffensive in Frankreich war Stauffenberg (Hier nicht im Bild) 1940-42 beteiligt. Ende 1942 wurde er nach Tunesien versetzt, um dort ...
... den Rückzug von Generalfeldmaschall Erwin Rommel (m.) zu unterstützen. Dabei wurde er bei einem Fliegerangriff schwer verletzt, büßte ein Auge, die linke Hand und mehrere Finger der anderen Hand ein.
Stauffenberg, inzwischen Oberst im Generalstab, kehrte sich innerlich von Hitler, seiner Politik und den Menschenrechtsverbrechen seines Regimes ab. Gemeinsam mit Generalmajor Henning von Tresckow, ...
... General Friedrich Olbricht, ...
... Generaloberst Ludwig Beck, ...
... Admiral Wilhelm Canaris, ...
... dem Diplomaten Friedrich-Werner Graf von der Schulenburg, ...
... dem früheren Leipziger Bürgermeister Carl Friedrich Goerdeler und weiteren Hitler-Gegnern plante Stauffenberg, den Sturz Hitlers und die Beseitigung des nationalsozialistischen Regimes.
Der erste Schritt der Operation "Walküre" sah vor, Hitler durch eine Bombe zu ermorden.
Die Chance dazu ergab sich für Stauffenberg am 20. Juli 1944. Vor einer Lagebesprechung im Führerhauptquartier Wolfschanze deponierte er dort einen Sprengsatz.
Bei dessen Detonation um 12.42 Uhr war Stauffenberg selbst wieder unterwegs nach Berlin, um dort ...
... die weiteren Schritte des Umsturzes, die Verhaftung von NSDAP, SS und Gestapo-Angehörigen durch die Wehrmacht, in die Wege zu leiten. Doch die Bombe hatte ihre Wirkung verfehlt.
Hitler hatte die Detonation überlebt. Er hielt noch am selben Abend eine Rundfunkansprache und ließ die Verantwortlichen des Umsturzversuches verhaften.
Um 0:15 Uhr des 21. Juli 1944 wurden Stauffenberg, Olbricht sowie die Mitverschwörer Werner von Haeften und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim ...
... im Hof des Bendlerblocks in Berlin, des damaligen Oberkommandos der Wehrmacht, erschossen.
An gleicher Stelle erinnern heute eine Statue und ...
... eine Gedenktafel an Stauffenberg und die anderen ...
... ermordeten Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944.
Jährlich wird dort der erfolglosen Hitler-Attentäter gedacht.
Auch am ehemaligen Führerhauptquartier Wolfschanze erinnert eine Tafel an Stauffenberg und seine Komplizen.
Ihnen zu Ehren legt hier Berthold von Stauffenberg, einer der Söhne Claus Schenk Graf von Stauffenbergs, am 22. Juli 2004 Blumen nieder.
In der Gedenkstätte" Deutscher Widerstand in Berlin" wird an sie und andere ...
... ermordete Gegner des Nazi-Regimes erinnert.
Nach Stauffenberg sind heute Straßen, Schulen und Kasernen benannt.
Die Post hat Briefmarken mit dem Antlitz der Widerstandskämpfer veröffentlicht. Nicht zuletzt wird die Erinnerung an die Verschwörer des 20. Juli 1944 auch durch ...
... diverse Verfilmungen wachgehalten. Hier Ulrich Tukur als Oberst Henning von Tresckow (l.) und Sebastian Koch als Claus Schenk Graf von Stauffenberg (r.) im TV-Film "Stauffenberg".
"Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat" ist die neueste filmische Umsetzung des missglückten Hitler-Attentats.
Diesmal übernahm der Hollywood-Schauspieler Tom Cruise ...
... die Rolle des Widerstandskämpfers Claus Schenk Graf von Stauffenberg.
Im November 1938 organisierte und lenkte das nationalsozialistische Regime unter Führung von Reichskanzler Adolf Hitler die Zerstörung von Leben, Eigentum und Einrichtungen der im Deutschen Reich lebenden Juden (undatierte Aufnahme).
Seit der Machtergreifung Hitlers 1933 wurden deutsche Juden diskriminiert, ausgegrenzt, verhaftet, ermordet und vertrieben. Doch die Novemberpogrome von 1938 stellten einen Paradigmenwechsel dar (Foto: April 1938 in Berlin).
Mit den Pogromen begann die systematische Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden im gesamten Macht- und Einflussbereich des Nationalsozialismus (Foto: 'Hetzmarsch' der SA in Berlin 1938).
Im April 1933, acht Wochen nach Hitlers Machtergreifung, kam es reichsweit zum sogenannten 'Judenboykott'. Viele Juden mussten ihren Beruf aufgeben, darunter Ärzte, Richter und Anwälte. Zehntausende verließen Deutschland (Foto: Stadt Greifenberg 1935).
1935 verkündete der damalige Reichtagspräsident Hermann Göring die 'Nürnberger Rassengesetze'. Diese führten zu einer strikten 'Rassentrennung' und stellten die antisemitische Ideologie auf eine juristische Grundlage.
Das 'Blutschutzgesetz' untersagte die Ehe zwischen Juden und Nichtjuden. Verstöße wurden als 'Rassenschande' mit Zuchthaus bestraft (Foto: Hochzeit von Joseph und Magda Goebbels 1931 in Berlin).
Ab 1937 ging der Staat dazu über, Juden durch Enteignung aus dem Wirtschaftsleben zu verdrängen. Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, sprach erstmals öffentlich von der 'Entjudung' Deutschlands.
Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland kam es in Wien zu wochenlangen Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte. Schlägertrupps der SA zogen prügelnd durch Betriebe, Geschäfte und private Wohnungen (undatierte Aufnahme aus Wien).
Die Nachbarstaaten kämpften mit einer Flüchtlingsflut aus Deutschland und Österreich. 1938 beschlossen sie, keine Juden mehr aufzunehmen. Die Schweiz warnte vor einer 'Verjudung' durch den Zuzug der Flüchtlinge (Foto: Polnischen Botschaft in Wien).
Daraufhin wurden den deutschen Juden die Reisepässe entzogen und durch Sonderausweise ersetzt, die die Ausreise in die Schweiz unmöglich machen sollten (Foto: Ausweis der deutschen Widerstandskämpferin Beate Kosmala).
Adolf Eichmann, der Organisator des Holocaust, richtete eine Zentralstelle für jüdische Auswanderung ein, woraufhin eine Flüchtlingswelle aus Deutschland einsetzte.
Flüchtlingskinder im Alter von fünf bis sechszehn Jahren erreichen von Hamburg kommend den Hafen von New York.
Wie hier in der Berliner Münzstraße entstanden in größeren Reichstädten Ghettos, in denen die Juden gewungen wurden zu leben. Die Konzentration der Menschen auf bestimmte Viertel erleichterte auch später deren Deportation in die Vernichtungslager.
Ab 1938 kam es zu Vorbereitungen für umfangreiche Pogrome und Massenverhaftungen, u.a. durch den Ausbau von Konzentrationslagern und der Einrichtung einer reichsweiten 'Judenkartei' (Foto: Zwangsarbeit im KZ-Dachau).
Der 9. November 1938: Wie hier in Hannover brannten in ganz Deutschland und Österreich nahezu alle Synagogen nieder, unzählige jüdische Friedhöfe wurden geschändet oder zerstört.
Feuerwehrleute vor der ausgebrannten Ruine der Berliner Synagoge in der Fasanenstraße am 10. November 1938.
Über 7000 Geschäfte wurden von marodierenden Nazi-Banden geplündert, in Brand gesteckt, die Inhaber verprügelt, ermordet oder vertrieben (Aufnahme: Berlin 1938).
Ein Mann beseitigt am 10. November in Berlin die Scherben einer zertrümmerten Fensterscheibe. Das Wort 'Reichskristallnacht' geht vermutlich auf das Glitzern der reflektierten Flammen in Glassplittern zurück.
Die NS-Propaganda verklärte die Ausschreitungen gegen die Juden zum 'spontanen Volkszorn' als Reaktion auf die Ermordung eines deutschen Diplomaten durch einen Juden (Foto: Berlin am 10. November 1938).
Tatsächlich sollte durch die staatlich organisierten Verbrechen die Enteignung der deutschen Juden beschleunigt werden, um eine drohende Insolvenz des Reiches abzuwenden und neue Mittel für die Aufrüstung Deutschlands zu gewinnen (Foto: Nürnberg 1937).
In den Vereinigten Staaten protestierten jüdische Organisationen gegen die Verfolgung der Juden in Deutschland und Österreich (Foto: Mitglieder des Jewish People’s Committee in New York City, am 24. Juni 1938).
Zwischen dem 7. und 13. November 1938 wurden 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben und 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert. Viele von ihnen wurden ermordet oder starben durch die unmenschlichen Haftbedingungen.
Deutsche Bürger schlossen sich den mordenden und brandschatzenden Truppen an, beteiligten sich an Verbrechen gegen Juden, denunzierten, beschimpften und schlugen Nachbarn, Kollegen oder völlig fremde Menschen.
Der 9. November steht für den Beginn der staatlich organisierten Vernichtung der Juden. Das weltweite Symbol für den millionenfachen Mord ist das Vernichtungslager Birkenau, eine Außenstelle des Arbeitslagers in Auschwitz.
Am 25. April 1983 lud das Magazin "Stern" Journalisten aus aller Welt zur Präsentation eines echten Knüllers in sein Verlagsgebäude in Hamburg.
Stern-Reporter Gerd Heidemann präsentierte stolz seinen Fund: Die bis dahin völlig unbekannten Hitler-Tagebücher, von denen das Magazin insgesamt 62 Stück von einem dubiosen Antiquitätenhändler erstanden hatte.
Äußerlich sahen die Tagebücher völlig authentisch aus, bis auf einen Schönheitsfehler. Auf den Buchdeckeln pappten statt der Initialen "AH", für Adolf Hitler, die Buchstaben "FH".
Der Inhalt der Tagebücher galt als sensationell. Der Stern-Chefredakteur Peter Koch behauptete gar: "Große Teile der deutschen Geschichte müssen umgeschrieben werden."
Doch nur wenige Tage später stellte sich alles als großer Schwindel heraus. Die Tagebücher stammten nicht aus der Führer-Feder, sondern von dem Fälscher Konrad Kujau, der dafür ein Jahr später vor Gericht kam.
Kujau wurde 1985 zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der nahm es aber mit Humor und konnte es noch immer kaum glauben, dass er das große Hamburger Magazin an der Nase herumführen konnte.
1996 präsentierte der wahre Urheber der Hitler-Tagebücher seine "Die geheimen Tagebuecher des Konrad Kujau".

"Wir haben nichts zu verlieren, nur zu gewinnen", sagte Adolf Hitler am 22. August 1939 vor führenden Militärs. Er nannte in seiner Ansprache Gründe seiner Planung eines Polenfeldzugs und sagte weiter: "Unsere wirtschaftliche Lage ist infolge unseren Einschränkungen so, dass wir nur noch wenige Jahre durchhalten können. Uns bleibt nichts anderes übrig, wir müssen handeln." Großbritannien sei nicht in der Lage, Polen zu helfen. Auch gebe es dort nirgends Interesse an einem langen Krieg.

Am Abend vorher war öffentlich bekannt geworden, dass Außenminister Joachim von Ribbentrop mit seinem sowjetischen Kollegen Wjatscheslaw Molotow in Moskau einen deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt ausgehandelt hatte. Der Pakt mit dem ideologischen Feind würde die bei einem Krieg gegen Polen gedrohte Einkreisung Deutschlands ausschalten. Damit erfüllte das Abkommen seinen Hauptzweck für Hitler. Doch er verlor nicht aus den Augen, dass die Eroberung von "Lebensraum" noch weiter im Osten sein "höchstes und letztes Ziel" war, wie der britische Historiker Alan Bullock in seinem Werk "Hitler und Stalin" konstatiert.

"Alles ist gegen Russland gerichtet"

Am 11. August hatte Hitler dem Schweizer Carl Jacob Burckhardt, Hoher Kommissar des Völkerbundes in Danzig, in einem Gespräch gesagt: "Alles, was ich unternehme, ist gegen Russland gerichtet. Wenn der Westen zu dumm und zu blind ist, um dies zubegreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden", sagte Hitler, wie Burckhardt in "Meine Danziger Mission 1937-1939" berichtet (1960). Dies Zitat wird in den meisten Darstellungen der Begegnung Hitler- Burckhardt erwähnt.

Seine Authentizität ist aber auch angezweifelt worden. Doch gibt es Hitlers Intentionen, wie dazu der Berliner Historiker Hagen Schulze in einem Text über den August 1939 konstatiert, treffend wieder. Mancher sah in einem Polenfeldzug auch die erste Etappe der Realisierung seiner schon seit den zwanziger Jahren gehegten "Lebensraum"-Vorstellungen.

Großbritanniens Verpflichtung gegenüber Polen

Am 22. Juni 1941 griff der Diktator dann die Sowjetunion an. Trotz der durch den Pakt mit Stalin deutlich verbesserten Situation stand Hitler Ende August wegen der ihn beunruhigenden Haltung Großbritanniens weiter unter Druck. Schon am 31. März hatte der britische Premier Neville Chamberlain erklärt, seine Regierung werde im Fall eines Angriffs auf Polen dessen Regierung "alle in ihrer Macht stehende Hilfe" gewähren. Am 23 August lässt er durch Botschafter Neville Henderson mitteilen: "Welcher Art auch immer das deutsch-sowjetische Abkommen sein wird, so kann es nichts an Großbritanniens Verpflichtung gegenüber Polen ändern." Am 25. August bekräftigt er seine Haltung durch den Abschluss eines Beistandsabkommens mit Polen. In der NS-Hierarchie wurde das sich Abzeichnende keineswegs einheitlich beurteilt.

Der Diplomat Albrecht von Kessel, der damals im Auswärtigen Amt tätig war, schildert seine Eindrücke in seinen postum veröffentlichten "Aufzeichnungen". "Ribbentrop will den Krieg, koste es, was es wolle, denn er will Rache an England nehmen", schreibt Kessel. Von Propagandaminister Joseph Goebbels heißt es, "diesem schlauen Rechner sagt der Gedanke des Krieges nicht zu". Generalfeldmarschall Hermann Göring und der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß neigten vielleicht noch stärker als Goebbels zum Frieden. Der Generalstab stehe auf der Seite des Friedens, aber der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, und eine kleine Clique hetzten zum Krieg.

Am 1. September ist es dann soweit:

Um 4.30 Uhr fallen an der deutschen Ostgrenze die ersten Schüsse. Am Spätnachmittag gibt das Oberkommendo der Wehrmacht bekannt, die deutschen Truppen seien in flüssigem Vorgehen auf ihre Tagesziele. Die Stimmung der Menschen im Reich liegt zwischen Sorge und Resignation - ganz im Gegensatz zur Begeisterung bei Kriegsbeginn 1914. Am 17. September marschierten sowjetische Truppen in Ostpolen. Im geheimen Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt hatten das Deutsche Reich und die Sowjetunion sich Polen bereits aufgeteilt.

Am Morgen des 3. September geht in der Reichskanzlei ein Ultimatum aus London ein: Großbritannien werde sich um 11 Uhr im Kriegszustand mit dem Deutschen Reich befinden, wenn dieses nicht seine Truppen aus Polen zurückziehe. Wie versteinert sitzt Hitler da und blickt vor sich hin. Dann sieht er den in der Nähe stehenden Ribbentrop an und fragt: "Was nun?". Kurz darauf folgt ein ähnliches französisches Ultimatum.

Am 6. Oktober kapitulieren die letzten polnischen Feldtruppen. Doch der vor fünf Wochen begonnene Krieg sollte noch lange dauern - bis am 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht vor ihren alliierten Gegner in Kraft tritt. Hitler hatte sich zehn Tage vorher im Bunker der Reichskanzlei mit einem Pistolenschuss in die rechte Schläfe das Leben genommen.

(N24, dpa, J. Szajak)

24.08.2009 17:25 Uhr

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