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324 Meter Freiheit: Funkmast Gartow gesprengt

Der 324 Meter hohe Funkmast Gartow verband einst telefonisch die Bundesrepublik und West-Berlin. Jetzt ist das imposante Bauwerk gesprengt worden. Sein "großer Bruder" darf jedoch bleiben.

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Binnen Sekunden sackt der Funkmast Gartow in sich zusammen. Jahrzehntelang verband er West-Berlin mit dem Rest des freien Deutschlands. Jetzt musste er weichen.

Eine Luftbrücke der freien Information ist Geschichte: Am Donnerstag ist der 324 Meter hohe Funkmast Gartow 1 bei Höhbeck im Wendland um Punkt 12.00 Uhr gesprengt worden. Drei Kilogramm Sprengstoff reichten, um den Boliden aus 1000 Tonnen Stahlgitter in zehn Sekunden sicher zu Fall zu bringen, sagte eine Telekom-Sprecherin. Mehrere hundert Zuschauer verfolgten die Sprengung. Viele nahmen Metallteile des Turms als Erinnerungsstücke mit. Die 1963 errichtete Sendeanlage an der ehemaligen Grenze zur DDR ermöglichte einst 2400 gleichzeitige Telefongespräche zwischen West-Berlin und der Bundesrepublik. Außerdem konnten viele DDR-Bürger dank des "Spargels" das ZDF und NDR-Fernsehen empfangen.

Nach der Abschaltung des analogen Antennenfernsehens 2008 wurde der Funkturm nicht mehr benötigt. Die Telefonleitungen waren bereits nach der Wiedervereinigung auf Glasfaserkabel gelegt worden. In Betrieb bleibt der benachbarte Mast Gartow 2. Von dem 344 Meter hohen Bauwerk werden weiter UKW-Radioprogramme gesendet. Gartow 2 hatte während der Teilung sogar 12.000 parallele Telefongespräche an die Gegenstelle Berlin-Frohnau übermitteln können. Der Mast in Frohnau wurde bereits im Februar 2009 gesprengt. Mit den Funkbrücken überwanden die Techniker eine Distanz von mehr als 130 Kilometern.

Dorn im Auge der DDR-Führung

Für die Sprengung hatte die Polizei das Gelände und die Straßen rund um den Funkturm in einem Radius von 500 Metern abgesperrt und vorsichtshalber zwei Wohnhäuser geräumt. Mit 16 Ladungen gelang es dem Sprengmeister, den Mast wie geplant in westlicher Richtung in eine Waldschneise stürzen zu lassen, sagte Telekom-Sprecherin Stefanie Halle. Im Sturz knickte der Turm unterhalb der Mitte ein. Vier Wochen wird es noch dauern, bis das Turmskelett auseinandergeschweißt und abtransportiert ist.

Dem DDR-Regime war das von Höhbeck in die DDR strahlende Westfernsehen ein Dorn im Auge, weil es das Bewusstsein für die Wiedervereinigung lebendig hielt und ein glaubwürdigeres Bild vom Leben in der DDR zeichnete als der Deutsche Fernsehfunk, sagte Prof. Ernst Elitz, der an der Freien Universität Berlin lehrt und das ZDF-Politmagazin Kennzeichen D moderierte, das sich mit deutsch-deutschen Themen befasste.

Es gab aber auch Kooperationen, zum Beispiel bei den Olympischen Spielen 1972 in München sowie der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland 1974. Weil die DDR Live-Farbfernsehbilder angefordert hatte, richteten die Techniker eine Richtfunkstrecke zwischen Gartow und dem Fernsehturm am Alexanderplatz in Ost-Berlin ein. Zu Spitzenzeiten arbeiteten 25 Fernmeldetechniker am Fuße des Turmes.

(dpa, N24, Dirk Averesch)

20.08.2009 20:11 Uhr

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