Bei der Leichtathletik-WM in Berlin hat Usain Bolt für eine weitere Sensation gesorgt. Dem Star-Sprinter gelang mit 19,19 Sekunden über 200 Meter nicht nur Gold, sondern auch eine neue Weltbestzeit.
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Nach dem Zieleinlauf ging er in die Knie und schaute leicht ungläubig in den Himmel. Usain Bolt staunte am Donnerstagabend über sich selbst. Er ist wieder Weltmeister, er lief wieder Weltrekord, das 200-Meter-Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaft gewann er trotz leichtem Gegenwind in 19,19 Sekunden. Seine eigene Bestzeit von 2008 verbesserte er damit noch einmal um elf Hundertstel. Außerdem hatte zuvor nie jemand in der WM- Geschichte über diese Distanz einen derart großen Vorsprung herausgelaufen. Alonso Edward aus Panama (19,81) und Wallace Spearmon aus den USA (19,85) wirkten hinter Bolt nicht wie die beiden weiteren Medaillengewinner, sondern wie Statisten.
"Man muss aus jedem Lauf das Beste machen. Das versuche ich in jedem Rennen", sagte Bolt bescheiden. "Hier in Berlin ist es großartig. Das ist eine Super-Atmosphäre." Aus seiner Sicht war das Finale perfekt terminiert. Bolt konnte danach nicht nur auf seinen zweiten Titel und seinen zweiten Weltrekord bei dieser WM anstoßen, sondern auch gleich in seinen Geburtstag hineinfeiern. Der Ausnahmesprinter aus Jamaika wird am Freitag 23 Jahre alt. Eine ausschweifende Party hat er aber "nicht geplant", wie er sagte: "Ich will den Tag für mich haben und muss ja außerdem schon am Samstag wieder in der 4x100-Meter-Staffel laufen."
Bolts Lieblingsdisziplin
Mit der kann Bolt in Berlin seine dritte Goldmedaille gewinnen. Aber schon jetzt ist diese WM für ihn eine Woche der Superlative. Nach Maurice Greene (1995), Justin Gatlin (2001) und Tyson Gay (2007) ist er der dritte Sprinter, der bei einer Weltmeisterschaft über 100 und 200 Meter gewann. Mit diesen beiden Titeln und zwei Weltrekorden hat er bereits 320.000 US-Dollar an Prämien vom Weltverband IAAF sicher. Außerdem holte er das vierte Sprint-Gold für Jamaika bei dieser WM. Die Karibik-Insel hat den großen Nachbarn USA damit in diesem Bereich endgültig abgehängt.
Bolts neuerliche Dominanz überraschte am Donnerstag niemanden mehr. Auch weil Titelverteidiger Tyson Gay verletzt fehlte, hatten die 60.000 Zuschauer vorab nur noch darüber diskutiert, ob der Jamaikaner erneut Weltrekord laufen würde oder nicht. Bolt selbst hatte im Vorfeld nicht daran geglaubt. Dabei läuft er die 200 Meter nach eigenen Angaben lieber als den Kurzsprint. "Nach der klassischen Lehre betrachtet ist er über diese Strecke noch stärker als über 100 Meter", erklärte der deutsche Lauf-Bundestrainer Rüdiger Harksen. "Mit seinen langen Beinen kann er aus der Kurve heraus noch einmal richtig beschleunigen." Ex-Weltmeister Frankie Fredericks traut Bolt sogar zu, die 200 Meter in weniger als 19 Sekunden zu laufen.
Bolt-Hype in Berlin
In Berlin ist in den vergangenen Tagen ein regelrechter Bolt-Hype ausgebrochen. Die Stadt überlegt sogar, den Superstar ihrer WM nach den Titelkämpfen in einer besonderen Art zu ehren. "Es gibt die Idee, das zu machen", bestätigte Senatssprecher Richard Meng am Donnerstag. Die Zuschauer tun das bereits auf ihre Weise: Sie feiern Bolt, wann immer er auf der Laufbahn oder Anzeigetafel zu sehen ist. Besonders beliebt im Stadion ist ein gelber Fanartikel seines Ausrüsters: Der zeigt Bolts Arme bei seiner typischen Jubelgeste. Den "Bogenschützen" gab er am Donnerstag auch nach seinem zweiten WM-Triumph.
Walker holt Gold über 400 Meter Hürden
Vor Bolt hatte am Donnerstag bereits die Olympiasiegerin Melaine Walker weiteres Gold nach Jamaika geholt. Über 400 Meter Hürden deklassierte sie erneut die gesamte Konkurrenz und setzte sich in 52.42 Sekunden in einer Zeit durch, die noch nie vor ihre eine Weltmeisterin schaffte. Es war der erste WM-Titel für die Karibik-Insel auf dieser Distanz. Bereits in Peking hatte sie im Olympia-Finale über eine Sekunde Vorsprung auf die Konkurrenz verbucht.
Die Weltjahresbeste Lashinda Demus aus den USA konnte ihrer Favoritenrolle nicht gerecht werden und belegte mit deutlichem Abstand in 52,96 Sekunden den Silberrang vor Josanne Lucas aus Trinidad und Tobago (53,20). Die Glanzzeiten der Deutschen über 400 Meter sind lange her. Bärbel Broschat bei einer 1980 in Utrecht ausgetragenen WM- Entscheidung, da diese Disziplin damals noch nicht olympisch war, und Sabine Busch 1987 erkämpften die beiden einzigen Titel noch für die DDR. In Berlin war Jonna Tilgner aus Bremen erwartungsgemäß im Halbfinale ausgeschieden.