Leichtathletik-WM
Böse Pleiten mit dem Staffelstab
Das deutsche Staffelquartett vergeigte den zweiten Wechsel, dabei hatte es sich sogar Medaillenhoffnungen gemacht. Auch die USA sind raus - und Usain Bolts nächstem Triumph steht nichts mehr im Weg.
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Das deutsche Staffeldrama: Alexander Kosenkow (vorn) ist schon zu weit weg, Maruis Broening kommt nicht mehr ran. Wechsel verpatzt - das bittere Aus für die 4x100-Meter-Staffel.
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Diese Fingernägel sind für sich schon ein WM-Superlativ, doch die dazugehörige Sportlerin ist es auch. Die amerikanische Sprinterin Gail Devers ...
... ist die Frau mit den meisten WM-Siegen. Zwischen 1993 und 1999 heimste sie derer fünf ein. Die meisten Weltmeisterschaftsmedaillen nahm degagen ihre ...
... Dauerrivalin Merlene Ottey mit nach Hause. Insgesamt 14 Medaillen (3 x Gold, 4 x Silber, 7 x Bronze) ...
... gewann die Sprinterin aus Jamaika bei Weltmeisterschaften. Eine der bittersten Niederlagen setzte es für sie bei der WM 1993 in Stuttgart, als sich Ottey (l.) der neuen Weltmeisterin Gail Devers (r.) um weniger als Nasenlänge ...
... geschlagen geben musste. Die älteste WM-Teilnehmerin ist Ottey übrigens auch: Bei der WM 2007 in Osaka startete sie im Alter von 47 Jahren über 100 Meter - inzwischen für Slowenien. Sie musste ...
... aber bereits im Vorlauf die Segel streichen - und einsehen, dass sie ihren Leistungszenit weit überschritten hatte. Den Titel "Frau mit den meisten WM-Starts" konnte sie auch nicht mehr erringen, denn diesen ...
... hat sich bereits die deutsche Diskus-Queen Franka Dietzsch (Foto von 1997) gesichert. Neun Mal nahm die Neubrandenburgerin zwischen 1991 und 2007 an Weltmeisterschaften teil und es soll eine weitere ...
... hinzukommen. Bei der Heim-WM in Berlin will die 41-Jährige noch einmal zum großen Wurf ansetzen - danach ist aber Schluss mit dem Leistungssport. Heißt es.
Auf neun WM-Teilnahmen kann allerdings auch 800-Meter-Spezialistin Mario Mutalo aus Mosambik zurückblicken. Sie hat ihre Karriere ebenso bereits beendet wie ...
... die deutsche Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss. Sie fuhr die meisten WM-Siege in Folge ein. Bei den drei Weltmeisterschaften zwischen 1995 und 1999 gab es keine, ...
... die ihr das Wasser reichen konnte. Olympiagold 1996 in Atlanta setzte dieser Siegesserie die Krone auf.
Auch Carolina Klüft blickt auf drei WM-Siege in Serie zurück. Zwischen 2003 und 2007 war die Schwedin das Maß der Dinge im Mehrkampf. Noch einen Titel wird sie 2009 aber nicht draufsetzen: Ihre Karriere ...
... im Siebenkampf hat sie beendet und versucht es nun ausschließlich in der Sprunggrube. Allerdings ist sie verletzt und kann in Berlin gar nicht antreten.
Auf lange Zeit unerreicht wird in jedem Fall der männliche WM-Seriensieger sein. Der Ukrainer Sergej Bubka räumte von 1983 bis 1997 alle sechs WM-Titel im Stabhochsprung in Folge ab. Er verbesserte insgesamt 35 Mal den Weltrekord und schaffte ...
... 43 Sprünge über die Sechs-Meter-Marke. Mit 6,14 Meter hält der inzwischen 46-Jährige weiterhin den Weltrekord im Stabhochsprung.
Die meisten WM-Siege holte sich kein geringer als der "Leichtathlet des Jahrhunderts": Carl Lewis. 13 Jahre lang dominierte der Sprinter und Weitspringer das Wettkampfgeschehen, ...
... von 1983 bis 1991 fuhr er acht Siege bei Weltmeisterschaften ein. Gleichzeitig ist er auch Rekordhalter bei der Zahl der WM-Medaillen: Zu seinen ...
... acht Titeln kamen eine Silber- und eine Bronzemedaille hinzu. Dieser Erfolgsbilanz steht sein ...
... Sprinterkollege Michael Johnson in nichts nach. Mit seinem unvergleichlichen, gestreckten Laufstil fegte er über die Tartanbahnen und holte, ...
... sich zwischen 1991 und 1999 sogar neun Weltmeistertitel. Erfolgreich war er dabei über 200 und 400 Meter sowie mit der 4 x 400-Meter-Staffel. Die meisten WM-Teilnahmen hat aber ...
... ein weniger bekannter Athlet auf dem Konto: Der kanadische Geher Tim Berrett (l.) war zwischen 1991 und 2007 neun Mal bei Weltmeisterschaften am Start - ein Medaillengewinn gelang ihm allerdings nicht.
Die letzte Leichtathletik-WM in Deutschland - 1993 in Stuttgart - war gleichzeitig die WM der Weltrekorde. In fünf Disziplinen fiel die weltweite Bestmarke, unter anderem ...
... im 110-Meter-Hürdensprint. Der Rekord von 12,91 Sekunden, aufgestellt vom Briten Colin Jackson, hielt bis zum Jahr 2004.
Nun läuft die WM in Berlin: Zeit für neue historische Rekordwerte in der deutschen Hauptstadt.
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Berlin im Leichtathletikfieber: Das ist eher noch Wunschtraum als Wirklichkeit. Der nahezu Einzige, der sich fit präsentiert, ist Berlino - das Maskottchen der Leichtathletik-WM.
Einige Absagen von Medaillenkandidaten musste der deutsche Leichtathletik-Verband zuletzt verkraften, doch Hoffnungsträger gibt es in jedem Fall. Und - Berlino macht's vor - wir wollen sie jubeln sehen! Große Chancen dazu ...
... rechnet sich das deutsche Leichtathletik-Traumpaar Carolin Nytra und Sebastian Bayer aus. Vor allem der Weitspringer ...
... überzeugte in diesem Jahr. Bei der Hallen-EM setzt er 8,71 Meter in die Sandgrube - deutscher Rekord, Europarekord und nur acht Zentimeter hinter dem Weltrekord von Carl Lewis.
Bei der Deutschen Meisterschaft in Ulm verbesserte der 23-Jährige seine Freiluftleistung auf 8,49 Meter. Sein Ziel bei der WM ist das Finale - wir sagen: Da geht noch mehr!
Zu kämpfen hatte dagegen seine Freundin, um überhaupt das WM-Ticket zu lösen. Erst Ende Juli beim Grand Prix in Monte Carlo unterbot Carolin Nytra die Qualifikationsnorm. Ein WM-Erfolg ...
... wäre für die Hürdensprinterin schon die Teilnahme am Endlauf. Ansonsten sind die Medaillenaussichten für deutsche Athleten ...
... in den Laufwettbewerben auf dem blauen Berliner Rund traditionell bescheiden bis nicht vorhanden. Die große Sprinthoffnung, ...
... "Cover Girl" Sina Schielke, ist nach ihrer Babypause und neuerlichen Verletzungen alles andere als in Form. Sie wird sich um Töchterchen Jaime kümmern - und die WM im Fernsehen anschauen.
Zumindest auf der Langstrecke war die deutsche Medaille fest eingeplant - bis kurz vor der WM. Marathonläuferin Irina Mikitenko wollte am Tag ihres 37. Geburtstags (23. August) Gold in Berlin holen. Doch dann die Hiobsbotschaft: ...
... Mikitenko traf der Tod ihres Vater vor wenigen Wochen so sehr, dass an Wettkämpfe derzeit nicht zu denken ist. Eine Woche vor der Weltmeisterschaft sagte sie ihre Teilnahme ab, jubeln wird in Berlin eine andere.
Ziemlich mau sieht's auch bei den Männern aus: Hier ruhen die Hoffnungen am ehesten noch auf 800-Meter-Neuling Robin Schembera, nachdem der Olympiasieger aus dem Jahr 2000, Nils Schumann (hinten), seine Karriere endgültig beendet hat.
Gold wäre für die Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf ein etwas vermessenes Ziel, aber eine gute Platzierung sollte drin sein. Bei der letzten WM 2007 in Osaka ...
... überraschte sie mit Rang fünf, bei Olympia 2008 belegte sie Platz acht. Vielleicht geht in Berlin noch etwas mehr. Ganz bitter ist die Situation ...
... für ihren Mehrkampf-Kollegen, den Berliner Andre Niklaus. Der WM-Fünfte von 2007 wollte bei seiner Heim-WM groß auftrumpfen. Er muss allerdings verletzt passen.
Noch schlimmer sieht es bei den Stabhochspringern aus, die bekanntlich immer für eine Medaille gut sind bzw. waren. Danny Ecker konnte sich nicht qualifizieren und auch der Überflieger des Jahres 2008, ...
... Raphael Holzdeppe, kam in diesem Jahr nicht in Tritt. Er scheiterte bei der DLV-Gala in Wattenscheid zwei Mal an der Einstiegshöhe, brach dann den Wettkampf ab - und machte einen Haken unter die Saison.
Einzig verbliebener Hoffnungsträger ist Björn Otto: Er gewann jüngst das Inselspringen auf Norderney und zeigte sich damit fit für die WM. Wie er im Vergleich mit der Weltelite besteht, bleibt aber abzuwarten.
Sie fährt dagegen nach Berlin, um ihr WM-Trauma zu überwinden. In Osaka 2007 legte Silke Spiegelburg einen klassischen "Salto Nullo" hin - drei Mal scheiterte sie an ihrer Einstiegshöhe und schied aus. In diesem Jahr kratzte sie ...
... aber bereits am deutschen Rekord und rechnet sich bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land einiges aus. Das gilt umso mehr ...
... für Deutschlands Vorzeige-Hochspringerin Ariane Friedrich. Die flippige Sportlerin brachte früher ihren Trainer zur Verzweiflung, weil sie lieber in die Disco als auf den Trainingsplatz ging. Inzwischen arbeitet sie professioneller und vor allem ...
... erfolgreicher. Bei Olympia wurde sie siebte, in diesem Jahr ist sie die Nummer eins. Bei der Hallen-EM fuhr sie den ersten großen Titel ein, beim ISTAF entriss sie mit übersprungenen 2,06 Meter Hochsprunglegende Heike Henkel ...
... den deutschen Rekord. Mit Spannung erwartet wird nun Friedrichs Duell mit der amtierenden Weltmeisterin, der Kroatin Blanka Vlasic.
Hoch springen und sich vorne reinkatapultieren - das kann auch Raul Spank. Der Dresdner sprang sich in Peking erstmals ins Rampenlicht, wo er mit persönlicher Bestleistung (2,32 m) ...
... Fünfter wurde. Er gewann in diesem Jahr die DLV-Gala in Wattenscheid und schielt in Berlin auf eine Medaille.
Diskuswerfer Robert Harting dagegen hat schon eine olympische Silbermedaille und will nun auch bei der WM zuschlagen. Allerdings stiftete er schon im Vorfeld viel Verwirrung, stellte in einem Interview ...
... Gedanken über die Legalisierung des Dopings an. Hintergrund: Sein Trainer sieht sich mit Dopingvorwürfen aus DDR-Zeiten konfrontiert. Ob Harting das alles im Berliner Diskusring einfach ausblenden kann?
Das rabenschwarze letzte Jahr - ein enttäuschender Platz neun bei Olympia - will Hammerwerferin Betty Heidler vergessen machen und statt dessen lieber an ihren größten Triumph anküpfen: WM-Gold 2007 mit ...
... zwei Zentimetern Vorsprung. Heimspiel hat sie zudem: Die in Frankfurt/M. lebende 25-Jährige ist in Berlin geboren. Eine Medaille ist durchaus drin.
Einen weiten Satz in die Grube wünscht sich Bianca Kappler. Letztes Jahr plagte sie sich mit einer Achillessehnenverletzung, musste operiert werden. Nun ist sie wieder fit, ließ ...
... bislang aber noch Konstanz vermissen. Vielleicht geht ja in Berlin der Knoten wieder auf.
Zum Goldwurf könnte dagegen Steffi Nerius ansetzen: Die Speerwurf-Europameisterin von 2006 und Olympia-Fünfte von Peking träumt von ihrer siebten internationalen Medaille. Es wäre die Krönung zum Karriere-Ende für die 37-Jährige.
In dieser Saison zeigte sie sich in konstant guter Form: Dreimal bezwang sie bereits ihre ärgste Konkurrentin aus dem eigenen Lager, ...
... Christina Obergföll. Diese haderte bislang mit sich und ihrer Leistung und beschwerte sich zuletzt lautstark über die schlechte Vermarktung der Leichtathletik-WM. In einem ihrer letzten Wettkämpfe vor der WM blieb sie ...
... zehn Meter unter ihrem Europarekord (70,03 Meter), den sie bei der WM 2005 in Helsinki aufgestellt und damit den großen Durchbruch geschafft hatte. Im letzten Jahr gewann sie Bronze bei Olympia ...
... und holte damit die einzige Olympia-Medaille für die deutschen Leichtathleten. Ihr Trainer hofft, dass sie bis zur WM das Gefühl für den Speer doch noch wiederfindet. Apropos Gefühl. Das wird bei ...
... der "Diskus-Oma" ganz groß sein. Die Heim-WM soll einer der letzten Wettkämpfe für die 41-jährige Diskuswerferin Franka Dietzsch werden. Dafür hat sie sich ...
... noch einmal richtig geschunden. Verletzungsbedingt musste sie letztes Jahr die Olympia-Teilnahme absagen, auch hinter dieser Saison steht bisher ein großes Fragezeichen. Dass es für eine WM-Medaille reicht, ...
... ist zwar eher unwahrscheinlich. Insgesamt sollte die Ausbeute der deutschen Athlethen im Vergleich zu den Olympischen Spielen aber doch deutlich steigen.
Video: Leichtathletik-WM - Bolt-Gold auch über 200 Meter
Video: Leichtathletik-WM - Pressekonferenz mit Harting & Dietzsch
Die deutsche 4x100-m-Staffel hat sich bei der Leichtathletik-WM in Berlin im Vorlauf durch einen Wechselfehler selbst um alle Chancen gebracht. Auch für die USA kam das Aus: Nach einem Protest der Briten wurden sie wegen Überlaufens der Wechselmarke disqualifiziert.
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Im Vorlauf verpatzte das als Weltranglisten-Fünfter (38,40 Sekunden) nicht ohne Medaillen-Hoffnungen an den Start gegangene deutsche Quartett den zweiten Wechsel von Marius Broening (Tübingen) auf Alexander Kosenkow (Wattenscheid), der wohl zu früh lossprintete, und schied aus. Schlussläufer Martin Keller (Chemnitz) kam gar nicht mehr zum Einsatz, Startläufer Tobias Unger (Kornwestheim-Ludwigsburg) hatte den Stab aussichtsreich im Rennen liegend auf Broening übergeben.
Totaler Sprint-Triumph mit Bolt Das US-Quartett, das ohne Vizeweltmeister Tyson Gay in 37,97 Sekunden die beste Zeit gelaufen war, hatte die letzte Stabübergabe von Shawn Crawford auf Darvis Patton verpatzt. Damit kommt es im Finale nicht zum Duell mit Jamaika. Die Staffel von der Karibikinsel mit ihrem Star Usain Bolt hatte bei Olympia 2008 in Peking den 4x100-m-Weltrekord auf 37,10 verbessert. Die US-Boys hatten im Vorlauf wie die US-Frauen den Stab fallen gelassen und waren so ausgeschieden.
Ohne Weltrekordler Bolt und den WM-Dritten Asafa Powell kamen die Jamaikaner in Berlin nur mit der siebtbesten Zeit (38,60) aus drei Vorläufen weiter. Dennoch hat Superstar Bolt weiterhin die Chance auf den totalen Sprint-Triumph. Das Kunstück, dreimal Gold jeweils mit Bestzeit zu gewinnen, war Bolt bei Olympia in Peking gelungen.
Frühstart von Kosenkow "Ich war konsterniert, geschockt, es hat nicht gepasst", sagte Marius Broening, der den Wechsel so schilderte: "Ich hätte mich nicht einmal mehr zur Übergabe nach vorne werfen können. Er war zu weit weg." Kosenkow dagegen wehrte sich gegen die Rolle des Sündenbocks: "Zu früh, zu spät, zu langsam - unsere Biomechaniker werden das auswerten. Unser aller Traum ist geplatzt, dabei haben wir uns super vorbereitet."
Keller wollte niemandem die Schuld in die Schuhe schieben: "Wir hätten zusammen gewonnen, und jetzt verlieren wir alle zusammen. Alexander läuft seit drei Jahren auf der Position drei. Wenn er sagt, er ist nicht zu früh losgelaufen, dann ist das auch so."
Spank legt klasse Wettkampf hin Wenig später gab es immerhin die nächste deutsche Jubelarie: Hochspringer Raul Spank gewann Bronze und feierte damit den größten Erfolg seiner Karriere. Der Olympia-Fünfte aus Dresden kam vor 42 400 Zuschauern im Olympiastadion mit übersprungenen 2,32 Meter gemeinsam mit Sylwester Bednarek aus Polen auf Rang drei. Gold holte der dreimalige Vize-Weltmeister Jaroslaw Rybakow (Russland) vor dem Zyprer Kyriakos Ioannou, die auch jeweils 2,32 Meter meisterten.
(SID, dpa, N24)
22.08.2009 08:49 Uhr