Börsenmanipulation?
Polizei stellt Wiedeking-Residenz auf den Kopf
Wendelin Wiedeking wird Manipulation von Börsenkursen vorgeworfen. Bei ihren Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft auch die Privaträume des Mustermanagers und Ex-Porsche-Chefs durchsucht.
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Die Übernahmeschlacht zwischen Volkswagen und VW hat an den Börsen für ordentlich Wirbel gesorgt. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob dabei alles mit rechten Dingen zuging.
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Höchststrafe für den größten Wirtschaftsbetrüger aller Zeiten: Bernard Madoff, der Privatleute wie Banken um rund 65 Milliarden Dollar geprellt hat, muss für 150 Jahre in den Knast.
Über ein Schneeballsystem machte Madoff seine Opfer glauben, mit ihm das große Geld zu verdienen. Doch der Broker investierte keinen müden Cent, nutzte die neuen Beiträge zum Auszahlen der alten Anleger.
Madoff ist Paradebeispiel für Manager, die die Gier überkommt: Gelder fließen in dunkle Kanäle, Top-Manager oder Angestellte wirtschaften auf das eigene Konto, Bilanzen werden gefälscht.
Wirtschaftskriminalität umfasst eine Vielzahl von Delikten: Geldwäsche, Korruption, Insiderhandel oder Unterschlagung.
Der typische Wirtschaftskriminelle ist laut einer Studie des Beratungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers (PWC) männlich und zwischen 30 und 50 Jahren alt. Ein Gangster in Schlips und Kragen mit weißer Weste.
Etwa jedes zweite deutsche Unternehmen ist betroffen, doch viele Straftaten bleiben laut PWC-Studie unentdeckt.
Etwa 20 Prozent der Betrüger kommen aus dem gehobenen Management, weitere 25 Prozent aus der mittleren Führungsebene.
Für Aufsehen sorgen in der Öffentlichkeit aber vor allem die "dicken Fische", die sich mit Betrügereien Geldbeträge in Millionenhöhe ergaunern: Kim Schmitz, einst eine schillernde Figur der New Economy, kommt durch illegale Börsengeschäfte zu Reichtum.
Der ehemalige Computer-Hacker Schmitz kauft unter Ausnutzung interner Informationen Aktien des "Internet-Warenhauses" Letsbuyit.com und erzielt so Millionengewinne.
Ende 2002 wird Schmitz zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Hinzu kommt eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro.
Jürgen Schneider, gescheiterter Bauunternehmer und Deutschlands Rekordpleitier, erschwindelt sich für den Kauf und die Sanierung hochwertiger Bauten bei zahlreichen Banken überhöhte Kredite.
Mit knapp 5,4 Milliarden D-Mark steht Schneider bei den Banken im Minus, knapp ein Viertel davon stammt von der Deutschen Bank. Schneider wird Ende 1997 wegen Betrugs zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.
Der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Hilmar Kopper, bezeichnete auf einer Pressekonferenz die entstandene Schadenssumme in Höhe von ca. 50 Millionen DM als "Peanuts".
Der wohl größte Wirtschaftsbetrug im Nachkriegsdeutschland: Bei Scheingeschäften mit 3.000 nicht vorhandenen Bohrsystemen entsteht für das Unternehmen FlowTex ein Schaden in Höhe von rund zwei Milliarden Euro.
Hinter dem groß angelegten Schwindel stecken die FlowTex-Hauptgesellschafter Manfred Schmider und …
… Klaus Kleiser. Beide werden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
Nichts gehört, nichts gewusst, nichts gesehen: Mit dieser Taktik versucht Ex-Enron-Chef Jeffrey Skilling von seinen dubiosen Geschäften abzulenken. Seine Vision vom weltgrößten Energieunternehmen will er durch Bilanzbetrug und Insiderhandel verwirklichen.
Das kostet aber mehr als 21.000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Die Anleger verlieren mehrere Milliarden Dollar. 2006 wird er zu 24 Jahren Haft verurteilt.
Nach Ansicht von Aktionärsschützern hat es kaum einer so weit getrieben wie er: Bodo Schnabel hat vermutlich seit der Gründung seines Unternehmens ComROAD fast den kompletten Umsatz frei erfunden …
… und Aktionäre und Analysten damit über Jahre hinweg betrogen. Der Telematik-Anbieter hat seinen Umsatz über eine offensichtlich nicht existierende Firma in Hongkong gefälscht. Gründer und Vorstandschef Bodo Schnabel wandert in Haft.
Der Moorhuhn-Erfinder und Spieleentwickler Phenomedia hat an seinen Bilanzen geschraubt. Zwei rasch gefeuerte Vorstandsmitglieder hatten den Vorwurf des Insiderhandels gestehen und wandern hinter Gitter (im Bild Markus Scheer).
Auch die Gründer des angeschlagenen Medienunternehmens EM.TV, Thomas Haffa und sein Bruder Florian, standen im Verdacht illegaler Machenschaften. EM.TV hatte für das Jahr 2000 hohe Gewinne versprochen, erzielt jedoch ein Milliarden-Defizit.
Der Aktienkurs rutscht von über 110 Euro ins Bodenlose und liegt zuletzt bei gut einem Euro. Im Jahr 2003 werden Florian und Thomas Haffa (im Bild) zu hohen Geldstrafen verurteilt.
Millardenschwere Schmiergeldbeträge belasten den Münchener Technologiekonzern Siemens: Mit schwarzen Kassen, Korruption und einem dubiosen Kontengeflecht wurde Geld verdient. Das System flog auf.
Zahlreiche Führungskräfte müssen ihren Posten räumen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer gibt unter dem öffentlichen Druck den Vorsitz im Aufsichtsrat auf.
Gegen Ende 2003 kommt einer der größten Skandale in der Geschichte des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat ans Licht: In der Bilanz fehlen acht Milliarden Euro.
Firmengründer Calisto Tanzi bestreitet vor Gericht, für den Betrug auf Kosten Tausender Kleinanleger verantwortlich zu sein. Er gibt zwar zu, Schwarzgelder an Politiker gezahlt zu haben, er habe aber nicht geahnt, dass die Firma zusammenbrechen könnte.
Für seine Firma, die Schuhfabrik Erich Rohde KG, soll Friedrich Wilhelm Schmitt fast alles getan haben: Jahrelang hat er nach Auffassung der Staatsanwaltschaft betrogen und Steuern hinterzogen, faule Kredite aufgenommen und Gläubiger vertröstet.
Dieser Skandal stinkt im wahrsten Sinne des Wortes: Die Brüder Dieter (li.) und Johannes Löbbert haben jahrelang in ihrem Dülmener Abfallentsorgungs-Imperium Bilanzen gefälscht, um sich bei Banken günstige Kredite zu erschleichen und Aktionäre zu täuschen
Die Balsam AG, einst der weltweit führende Hersteller von Sportböden, hat mit fingierten Aufträgen insgesamt 45 Banken um Milliardenbeträge geprellt. Firmengründer Friedel Balsam wird zu acht Jahren Haft verurteilt.
Für einen der weltweit größten Börsenskandale sorgt die Telefongesellschaft Worldcom. Dem Gründer und ehemaligen Vorstandschef, Bernard Ebbers, wird Bilanzfälschung, Wertpapierbetrug und Verschwörung vorgeworfen.
Ebbers wird zu zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt.
Der ehemalige Presse-Magnat Conrad Black kauft in den 1980er und 1990er Jahren namhafte Zeitungen wie den "Daily Telegraph" in London oder die "Sun Times" in Chicago. Sein Vorbild ist der Medien-Mogul Rupert Murdoch.
Als die Erträge stocken, greift Black in die Firmenkasse: 2005 wird er in Chicago angeklagt, 84 Millionen Dollar in die eigene und in die Taschen von Komplizen umgeleitet zu haben.
Im Zuge der Ermittlungen gegen Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den früheren Finanzvorstand Holger Härter sind auch Privatwohnungen der Manager durchsucht worden. Wie der "Spiegel" berichtet, waren an der Aktion, bei der auch Geschäftsräume ins Visier genommen wurden, mehrere Dutzend Beamte beteiligt. Eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft sagte, die Durchsuchung von Privaträumen sei im Rahmen einer solchen Aktion normal. Porsche-Sprecher Frank Gaube sagte, zu Details der Ermittlungen werde sich das Unternehmen nicht äußern.
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Wiedeking und sein Finanzvorstand Härter waren im Zusammenhang mit der VW-Porsche-Fusion ins Visier der Stuttgarter Staatsanwaltschaft geraten. Bei den Ermittlungen geht es um den Verdacht der Marktmanipulation und der Verletzung aktienrechtlicher Publizitätspflichten, wie Porsche am Donnerstag mitgeteilt hatte. Geschäftsräume seien durchsucht und "diverse geschäftliche Unterlagen" beschlagnahmt worden. Porsche-Sprecher Gaube betonte am Samstag erneut, dass der Konzern die erhobenen Vorwürfe zurückweise. Sie entbehrten jeglicher Grundlage.
Ende Oktober 2008 hatte Porsche angekündigt, seinen Anteil an VW auf 75 Prozent aufstocken zu wollen. Der Kurs der VW-Aktie schoss daraufhin in die Höhe und stieg in nur zwei Tagen auf zeitweise mehr als 1.000 Euro. Bis Ende November fiel der VW-Kurs dann auf nur noch 270 Euro zurück, nachdem Porsche Optionen auf VW-Aktien aufgelöst hatte. Die Finanzaufsicht BaFin leitete damals wegen der Kurssprünge eine Untersuchung ein. Im Frühjahr stellte die BaFin die Untersuchungen zunächst ein, nahm sie aber im Mai wieder auf und erstattete schließlich Anzeige.
(AP, N24)
22.08.2009 14:41 Uhr
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