Spitzentreffen in Berlin

GM hält Opel fest in der Hand

Außer Spesen nichts gewesen: So könnte das Fazit des Opel-Spitzentreffens in Berlin lauten. GM bleibt cool. Vor der Bundestagswahl wird es also keine Lösung geben - zum Leidwesen von Union und SPD.

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Video: Weiter in Warteschleife - General Motors will Opel nicht rausrücken
Wird Opel verkauft? Und wenn ja, an wen? Ob man in diesen Fragen beim Spitzentreffen vorangekommen ist, bliebt zunächst geheim.
Solidarität für Opel zeigen nicht nur die Mitarbeiter. Jetzt sind auch die Anhänger des angeschlagenen Autobauers auf die Straße gegangen.
Ein aufgespannter Regenschirm über dem Opel-Logo: Fans haben sinnbildlich ihren Rettungsschirm aufgespannt.
In Rüsselsheim fanden sich 3.500 Menschen ein. Der "Rettungsschirm" schützte auch gleichzeitig vor dem starken Regen.
Es erübrigt sich die Frage, wie die Opelaner anreisten. Vom Kleinwagen bis zum Oldtimer versammelten ...
... sie sich auf dem Parkplatz des Adam-Opel-Hauses und protzten mit dicken Spoilern oder ...
…mit getunten Pferdestärken Marke Eigenbau: In diesem Manta (Bj. 1986) ist eine drei-Liter-Maschine eines Opel Senators versteckt.
Ein Oldtimer-Liebhaber zeigte die Innenansichten seines Opel-Rekords oder …
… einen alten Opel-Blitz.
Es scheint, als ob dieser Fan wusste, dass Opel irgendwann mal viel Glück braucht.
Apropos Glück: Ein frisch vermähltes Pärchen ist nach der Trauung zur Solidaritätskundgebung gefahren und hat dort den Hochzeitskuss nachgeholt. Hoffentlich steht die Ehe unter einem guten Stern.
"Wir sind Opel" war an diesem Tag, …
... hundertfach auf den T-Shirts der Markenanhänger zu lesen.
Den Kindern wurde kurzerhand auch ein Shirt verpasst.
Eine besondere Showeinlage für die Opel-Fans: Der Solidaritätssong "Seht das Zeichen" wird bestimmt zum "Opel-Nummer-1-Hit“. Der wurde im übrigen von Mitarbeiter-Kindern gesungen.
Die Opel-Fans zeigten trotz schlechtem Wetter Durchhaltevermögen.
Kinder von Opel-Fans fahren natürlich kein einfaches Bobby-Car, sondern die Corsa-Variante mit dem Blitz.
Für die Kundgebung wurden manches Vehikel passend umgestylt: Ein Opel-Blitz als "Katastrophenkommando" oder …
… ein anderer Blitz mit der Aufschrift "Opel Rettung - Es brennt".
Die Fans zeigten viel Kreativität: Hier wurde kurzerhand das Haupthaar genutzt.
Auch bei den Opel-Mitarbeitern haben sich in den letzten Wochen bei den zahlreichen Kundgebungen einige kreative Highlights heraus kristallisiert.
Der Kinofilm "Free Willy" wurde in "Free Opel" umgetauft.
"Yes we can", der Leitspruch von US-Präsident Barack Obama wurde ebenfalls verwendet und etwas umfunktioniert.
Und ganz traditionell wurde in die Reimkiste gegriffen: "Der Enkel und der Opa woll'n Opel für Europa".
Für den neuen Opel Astra ist der FlexFix-Fahrradträger als Extra verfügbar
Das System hat Platz für zwei normale Erwachsenenräder
FlexFix basiert auf einer Art Schublade im Heckstoßfänger. Eigene Rückleuchten sind integriert
Auch das Nummernschild bleibt sichtbar - es wird mit herausgezogen
Das System ist vom Corsa bekannt; dort kostet es 530 Euro
Auch beim Antara ist FlexFix bestellbar - für 650 Euro. Hier beinhaltet die Schublade ein zweites Nummernschild, das im eingeschobenen Zustand eingeklappt in der Schublade liegt
Video: Börse am Mittag - Zitterpartie um Opel geht weiter
Video: Börse am Mittag - GM lässt sich Zeit mit Opel

Mitten im Wahlkampf droht den deutschen Politikern ein Schleudertrauma: Die General-Motors-Spitze dreht seit Tagen in den Opel-Verhandlungen so wild am Lenkrad, dass die auf der Rückbank sitzenden Merkel, Steinmeier, Guttenberg & Co. heftig durchgeschüttelt werden.

Der schöne Wahlkampf-Traum von Union und SPD, sich mit der Opel-Rettung als erfolgreiche Krisenmanager feiern zu lassen, droht zu platzen. Eine Lösung vor der Bundestagswahl am 27. September gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Und für die Politik kommt es noch dicker. Es verdichten sich die Zeichen, dass der wiedererstarkte Weltkonzern GM Opel behalten will.

Am Dienstag flog Vize-Chef John Smith aus Detroit in Berlin ein. Vor dem Treffen überschlug sich die Polit-Prominenz mit Forderungen. GM müsse alle Karten auf den Tisch legen, die 25.000 Opelaner in Deutschland bräuchten endlich Gewissheit. Nach dem knapp zweistündigen Gespräch des GM-Managers mit drei Staatssekretären wurde es ruhiger.

GM-Vize hört geduldig zu

Bund und Länder müssen einsehen, dass sich GM nicht aus der Reserve locken lässt. Geduldig hörte sich Smith an, dass Berlin das Magna-Angebot gut finden. Ebenso geduldig erklärte der Amerikaner den Beamten, dass GM den Finanzinvestor RHJI lieber hätte. Smith versprach noch, er werde den GM-Verwaltungsrat über die deutsche Position informieren. Unterm Strich hieß das: Außer Spesen nichts gewesen.

Die Bundesregierung hat praktisch nichts mehr in der Hand. Die am Wochenende dezent über den Atlantik geschickten Warnungen, eine Opel- Hängepartie könnte die deutsch-amerikanischen Beziehungen belasten, verhallten. US-Präsident Barack Obama ließ an seinem Urlaubsort verkünden, die GM-Spitze habe freie Hand. Er wolle sich nicht einmischen. Klarer ging es nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kann sich also einen Anruf sparen.

Warten auf GM-Verwaltungsrat

Die Deutschen müssen jetzt abwarten, was der GM-Verwaltungsrat will. Dort hat die US-Regierung nach der staatlichen Rettungsaktion viele neue Gesichter platziert. Branchenexperten glauben, dass die Einsicht wächst, dass der neue GM-Konzern mit Opel besser in eine erfolgreiche Zukunft fahren kann.

Für die "Malocher" an den Opel-Bändern und die Betriebsräte wäre es der blanke Horror. Sie sehen GM als böse amerikanische Stiefmutter, die Schuld an der desolaten Lage in Rüsselsheim hat. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Unfähige US-Manager kamen und gingen, Qualität und Image der Marke wurden in den 90er Jahren beschädigt und Opel wurde verwehrt, eine globale Marke zu werden.

Der schlimmste Fall

Wenn es hart auf hart kam, ließ GM mit harten Sanierungsprogrammen und dem Abbau tausender Stellen Opel "ausbluten", so wird geklagt. "Wir werden nicht akzeptieren, dass GM das Rad wieder zurückdreht und uns mit seinem desaströsen 'Weiter so' in den Abwärtsstrudel mitreißt", wettert Ober-Betriebsrat Klaus Franz. Als ersten Schritt nahmen die Mitarbeiter ihren Urlaubsgeld-Verzicht zurück.

Fakt ist aber: Ohne die Mutter General Motors, die vor genau 80 Jahren die Rüsselsheimer übernahm, wäre Opel schon längst nicht mehr am Leben. Die Milliarden-Überweisungen aus Amerika haben den Autobauer stets über Wasser gehalten. Experten loben deshalb die Option, wenn Opel bei GM bliebe.

"Opel alleine ist nicht lebensfähig - mit GM zusammen aber schon", sagt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. Jeder neue Partner - egal ob Magna oder RHJI - stünde vor großen Problemen. Er müsste Opel wettbewerbsfähig machen und schnell globalisieren. Das ist keine leichte Aufgabe bei Automärkten, die weltweit schrumpfen. Zudem werden die Rüsselsheimer für Detroit immer wichtiger, weil sie im Entwicklungszentrum die sparsamen Autos der Zukunft planen - das stärkt die Position von Opel im GM-Verbund.

Insider glauben nicht an Verkauf

Insidern ist klar: GM wollte Opel nie wirklich verkaufen. Jetzt, nach dem Ende des nur 40-tägigen Insolvenzverfahrens, werde das ganz deutlich. "GM will der größte Autobauer der Welt sein - und zwar mit Opel. Warum sollte sich ein gesunder Mann den rechten Arm abhacken?", sagt Christoph Stürmer vom Prognose-Institut Global Insight. GM sei wieder wer und könne sich am Kapitalmarkt frisches Geld beschaffen, um in Opel zu investieren.

(Tim Braune und Marion Trimborn, dpa, N24)

24.08.2009 14:12 Uhr

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