Bürgerschaftswahl in Hamburg
 

Erfolg für Web-Aktivisten

Piraten kapern Stadtparlamente

Der Wahlkampf für die Piratenpartei hat sich gelohnt. In Sachsen erreichte die vor einem Jahr noch nahezu unbekannte Partei fast zwei Prozent, in NRW zieht sie in zwei Stadtparlamente ein.

Sie benötigen einen Flashplayer, mindestens in Version 8 sowie aktiviertes JavaScript.

Alternativ können Sie sich die Medien-Inhalte (Bilder und Videos) über folgende Links direkt ansehen:

Thomas Gerger ist einer der beiden Piraten, die in Stadtparlamente einziehen. Er wurde für das Aachener gewählt.
Video: Wahlprognosen via Twitter - Benjamin Nickel über Wahlergebisse im Netz
Video: Wahl in Sachsen - Ministerpräsident Tillich zum Wahlausgang

Die 2006 gegründete Piratenpartei Deutschland hat eine positive Bilanz der Wahlen vom Sonntag gezogen. Bei der Landtagswahl in Sachsen erreichten die Internet-Aktivisten 1,9 Prozent der Stimmen. Die Zahlen der sächsischen Landtagswahl zeigten deutlich, dass sich die Piratenpartei seit der Europawahl im Juni kontinuierlich habe steigern können, teilte die Partei mit. Sie hat derzeit rund 6800 Mitglieder.

Der sächsische Kandidat Michael Winkler sagte, für eine Partei, die vor einem Jahr nahezu unbekannt gewesen sei, könne sich das Ergebnis sehen lassen. Am besten schnitt die Partei im Wahlkreis Dresden mit 4,5 Prozent ab. Die Sachsen-Wahl sei ein "Wegbereiter für die Bundestagswahl", sagte Winkler. Wahlforscher halten einen Einzug ins Bundesparlament aber für unwahrscheinlich. Im Saarland und in Thüringen war die Partei nicht angetreten.

Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen zogen sie mit jeweils einem Sitz in die Stadtparlamente von Aachen und Münster ein. In Aachen wird Thomas Gerger die Piratenpartei vertreten.

Die ersten Stadtrat-Piraten

In Münster entert Marco Langenfeld das Stadtparlament. Er ist erst vor drei Monaten zur Piratenpartei gestoßen. Am Sonntag ist der 22-Jährige schon in den Stadtrat von Münster eingezogen. Der Kfz-Mechatroniker kann es am Tag darauf immer noch nicht ganz fassen und schüttelt leise lächelnd den Kopf. "Da ist mir schon ein bisschen mulmig", sagt der junge Mann, der mit Hilfe von 1,55 Prozent der Wählerstimmen einen Sitz im Stadtparlament geentert hat. Er und ein Parteifreund in Aachen sind bundesweit die ersten gewählten Mandatsträger der Piratenpartei.

Der Münsteraner Stadt-Pirat stürzt sich jetzt in die Lokalpolitik. "Ich werde mich richtig einarbeiten", kündigt er an. Er will sich mit seiner Partei beraten und absprechen. Einer allein könne nicht so viel bewirken, meint der große, dunkelhaarige Mann - er hat sich über die Rechte des Stadtverordneten schon informiert. Kommunalpolitik kennt er bislang nur aus Zeitung und Internet. Ein Thema liegt dem frischgebackenen Parlamentarier besonders am Herzen: Er ist gegen die Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen, etwa am Bahnhof von Münster oder in Bussen.

Internet-Partei stärker als bei Europawahl

Die Themen der Piratenpartei kreisen um die Informationsgesellschaft. Unter anderem will sie die Kontrollrechte des Einzelnen in Bezug auf die Nutzung seiner Daten stärken, fordert Transparenz in Politik und Verwaltung und lehnt Patente auf bestimmten Wirtschaftsfeldern ab. Seit der Europa-Wahl sei die Mitgliederzahl auf etwa 7.000 gesprungen, berichtet der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Jens Seipenbusch, ein Physiker, der in einer EDV-Abteilung der Universität Münster arbeitet. Das "Zugangserschwerungsgesetz" der Bundesregierung, wonach zur Bekämpfung von Kinderpornografie erstmals Internet-Seiten gezielt gesperrt werden sollen, habe den Zustrom verstärkt.

Im Herbst beginnt der Piratenvertreter in Münsters Stadtrat eine Ausbildung zum Kfz-Meister. Derzeit wohnt Marco Langenfeld bei seinen Eltern. Fürs Einarbeiten in die Lokalpolitik will er sich Unterlagen schicken lassen. "Ich weiß, dass es nicht einfach ist, habe aber fünf Jahre Zeit."

(Ulrike Hofsähs, dpa, N24)

31.08.2009 13:37 Uhr

Die Spitzenkandidaten für Hamburg

öffnenschließenChristoph Ahlhaus (CDU)
  • geboren am 28.8. 1969 in Heidelberg
  • seit 25.8. Erster Bürgermeister von Hamburg
  • Beruf: Anwalt

öffnenschließenOlaf Scholz (SPD)
  • geboren am 14.6.1958 in Osnabrück
  • 2007 - 2009: Bundesarbeitsminister; bis zuletzt SPD-Vorsitzender in Hamburg
  • Beruf: Anwalt

öffnenschließenAnja Hajduk (Grüne/GAL)
  • geboren am 8.6.1963 in Duisburg
  • bis November 2010 Umweltsenatorin in Hamburg
  • Beruf: Psychologin

öffnenschließenDora Heyenn (Die Linke)
  • geboren am 16.5.1949 in Kopendorf/Fehmarn
  • Fraktionschefin Die Linke in Hamburg
  • Lehrerin und Galeristin

öffnenschließenKatja Suding (FDP)
  • geboren 1975 in Vechta
  • Beruf: Kommunikationsberaterin

Politische Vorhaben

öffnenschließenWirtschaft
Für CDU und SPD steht der Hafen im Mittelpunkt ihrer Politik. Beide sprechen sich für die Elbvertiefung und eine Finanzierung des Hafens über Steuergelder aus. Darüber hinaus setzen sie sich wie die FDP für den Mittelstand und die Industrie ein. Die CDU will mindestens 100 Hektar Gewerbefläche ständig vorhalten. GAL und Linke anerkennen die Bedeutung des Hafens, setzen aber weitere Schwerpunkte. Die Linke will ein norddeutsches Hafenkonzept und ist wie die GAL gegen die Elbvertiefung. Die GAL möchte vor allem Ökologie und Ökonomie miteinander vereinen. So soll sich etwa das Hafengeld nach dem Umweltstandard der Schiffe ausrichten.

öffnenschließenFinanzen
Alle Parteien wollen den Haushalt sanieren und den Schuldenberg in Höhe von bald 25 Milliarden abtragen. Umstritten sind die Wege dorthin: Die SPD will kostenrelevante Projekte nur noch umsetzen, wenn die Finanzierung geklärt ist. Bis 2019 soll der Etat ausgeglichen sein. Danach sollen keine neue Kredite mehr aufgenommen werden. Das sieht auch die GAL so, will aber zudem mehr Steuerprüfer, eine höhere Erbschaftsteuer und einen höheren Spitzensteuersatz. Die CDU hält am Verschuldungsverbot schon ab 2013 in Hamburg fest und will von 2015 an jährlich 100 Millionen Schulden tilgen. Die Linke pocht auf höhere Steuern etwa für Reiche, will andernfalls weitere Kredite aufnehmen. Die FDP ist strikt gegen Steuererhöhungen, will sie teils sogar senken. Dafür soll jede zweite freiwerdende Stelle in vielen Bereichen des öffentlichen Dienstes nicht mehr besetzt.

öffnenschließenBildung & Soziales
Nach den heftigen Protesten wegen der Erhöhung der Kita-Gebühren wollen alle Parteien diese wieder zurücknehmen. Unterschiede bestehen nur darin, ob sofort (SPD, FDP, Linke) oder nach Überprüfung der Steuereinnahmen (CDU, GAL). Alle Parteien sind für einen Ausbau der Kinderbetreuung und versprechen, sich an das Ergebnis des Volksentscheids zur Schulreform zu halten. Die Studiengebühren wollen SPD, GAL und Linke wieder abschaffen, die CDU äußert sich in ihrem Programm dazu nicht, die FDP will sie ausdrücklich beibehalten.

öffnenschließenInnere Sicherheit
Die SPD will mehr Polizei auf der Straße, jedes Jahr 250 neue Polizeianwärter einstellen, mehr Sicherheitspersonal an den Bahnhöfen und ein generelles Alkohol- und Waffenverbot im öffentlichen Nahverkehr. Die CDU will zudem die Videoüberwachung, die Waffenverbotszonen, die lageabhängigen Kontrollen und die präventive Telefonüberwachung optimieren. Linke, GAL und FDP wollen im Grunde das Gegenteil. GAL und Linke fordern Namensschilder für Polizisten und einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen.

öffnenschließenWohnen
Unter den Parteien herrscht Einigkeit, dass es in Hamburg zu wenig bezahlbare Wohnungen gibt. Die SPD will daher pro Jahr den Bau von 6000 neuen Wohnungen - ein Drittel davon Sozialwohnungen - durchsetzen. Die Linke spricht von 8000 Wohnungen. Die GAL will zudem Wohnungen für mittlere Einkommen speziell fördern. Nach Ansicht der Linken muss ein Grundrecht auf Wohnen in der Landesverfassung verankert und Maklern eine kommunale oder genossenschaftliche Wohnungsagentur entgegengestellt werden. CDU und FDP setzen auf eine Stärkung des Wohneigentums. Die CDU will die Neubauförderung durch die Wohnbaukreditanstalt fortsetzen, aber auch Gewerbeflächen für den Wohnungsbau nützen.

öffnenschließenUmwelt & Verkehr
SPD und Linke setzen auf eine drastische Reduzierung des Energieverbrauchs und eine energetische Sanierung der Gebäude - wobei dadurch die Mieten nicht zu sehr steigen sollen. Beide Parteien machen sich für einen Ausstieg aus der Atomkraft stark. Ähnlich argumentieren die Grünen. Sie wollen den CO2-Ausstoß bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 80 Prozent reduzieren. Während die SPD einen strategischen Anteil von 25,1 Prozent an den Energienetzen kaufen will, wollen GAL und Linke deutlich mehr Anteile erwerben. CDU und FDP sprechen sich strikt dagegen aus. Die SPD verspricht Verbesserungen bei allen Verkehrsmitteln. Eine Stadtbahn lehnt sie aber wie die FDP ab. CDU und FDP sprechen sich zudem gegen die von der GAL geforderte City-Maut und gegen eine Umweltzone aus. Die Linke will den öffentlichen Nahverkehr langfristig kostenlos anbieten.

SchließenSchließen Artikel versenden

Name des Absenders*:

E-Mail-Adresse des Empfängers*:


Ihre Mitteilung an den Empfänger:

Es gelten unsere Allgemeinen Nutzungsbedingungen

Sie befinden sich in: Nachrichten » Politik » Wahlen