Clearingstellen

Ärzte und Krankenhäuser bekämpfen Korruption

Mit sogenannten Clearingstellen wollen Ärzte und Krankenhäuser der Korruption im Gesundheitswesen Herr werden. Diese könnten Vertragsangebote auf ihre rechtliche Zulässigkeit prüfen.

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Nach Ansicht von Experten stehen vor allem Radiologen unter einem hohen finanziellen Druck.
Video: Geschacher um Patienten - Krankenhäuser zahlen Kopfprämien

Ärzte und Krankenhäuser wollen die Korruption im Gesundheitswesen gemeinsam bekämpfen. Für Bestechung dürfe kein Platz sein, erklärten die Verbände von Ärzten und Kliniken nach einem Spitzentreffen in Berlin. Dafür sollen in den Ländern so genannte Clearingstellen eingerichtet werden.

Nach Angaben von Ermittlern ist die Korruption im Gesundheitswesen an der Tagesordnung. Es sei nicht akzeptabel, wenn Leistung und Gegenleistung unverhältnismäßig seien oder eine Vergütung für die Zuweisung von Patienten enthielten, erklärten die Bundesärztekammer (BÄK), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nach ihrem Treffen.

Vorwürfe sind "überzogen"

Die Verbände bezeichneten aber zugleich die Vorwürfe der vergangenen Tage, dass Ärzte und Kliniken in großem Stil mit Prämienzahlungen für die Einweisung von Patienten arbeiten würden, als "überzogen". Die Verbände stimmten überein, Verstößen «mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln» nachzugehen und sie zu ahnden. Sie empfahlen ihren Landesorganisationen, paritätisch besetzte Clearingstellen einzusetzen.

Diese könnten problematisch empfundene Vertragsangebote zur Zusammenarbeit von Ärzten und Krankenhäusern auf ihre rechtliche Zulässigkeit prüfen. Der Marburger Bund begrüßte dieses Vorhaben. "Das Vertrauen in die ärztliche Unabhängigkeit ist in den vergangenen Tagen häufig in Frage gestellt worden", erklärte der Vorsitzende der Ärzteorganisation, Rudolf Henke. Er sei froh, dass "die Beteiligten wieder miteinander reden und nicht nur übereinander".

Möglichkeiten der Zusammenarbeit erweitert

Die Verbände verwiesen zudem darauf, dass der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern gezielt erweitert habe. Dazu gehörten insbesondere Integrationsverträge und die Möglichkeit für niedergelassene Ärzte, bis zu 13 Stunden pro Woche in Krankenhäusern zu arbeiten.

Die dabei erbrachten medizinischen Leistungen dürften nur entsprechend den gesetzlichen und vertraglichen Möglichkeiten vergütet werden. Aus den gesetzlichen Bestimmungen, resultierten auch Kommerzialisierung und übertriebene Wettbewerbsorientierung im Gesundheitswesen. Das sei wesentliche Ursache des Problems.

Druck vor allem auf Radiologen groß

Der Frankfurter Staatsanwalt Alexander Badle sagte der "Wirtschaftswoche", er sei immer wieder entsetzt, "dass bei vielen Ärzten jegliches Unrechtsbewusstsein fehlt". Vor allem bei Radiologen sei der Druck hoch, viele Patienten zu durchleuchten, sagte der Jurist von der "Ermittlungsgruppe Betrug und Korruption im Gesundheitswesen". Ein MRT-Apparat etwa koste mindestens 750.000 Euro. "Nur ein paar große Praxen leisten sich diese Anschaffung", sagt Badle.

Diese gingen "aggressiv an die niedergelassenen Ärzte heran. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich für schärfere Kontrollen der Abrechnungen und für ein Benotungssystem für Kliniken aus. Krankenhäuser und Ärzte sollten gesetzlich verpflichtet werden, Verdachtsfälle oder einschlägige Angebote bei den Aufsichtsbehörden zu melden", sagte Lauterbach dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Auch müssten die Krankenkassen Abrechnungen zielgerichtet auf Korruptionsverdacht hin prüfen. Als das "vielleicht wichtigste Steuerungselement" bezeichnete Lauterbach einen Bewertungskatalog für Kliniken, auf den die Versicherten zurückgreifen können.

(AFP, N24)

04.09.2009 16:14 Uhr

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