Spritzen-Attacken
Proteste in Xinjiang zerschlagen
Die chinesische Polizei hat eine Demonstration in der Unruheprovinz Xinjiang zerschlagen. Grund für die Proteste sind Angriffe mit Injektionsspritzen, die den Uiguren zugeschrieben werden.
In der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang haben sich tausende Demonstranten gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. In der Provinzhauptstadt Urumqi warf eine wütende Menge mit Flaschen, Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.
Die Behörden sind wegen ihres Umgangs mit einer rätselhaften Angriffserie mit Injektionsspritzen in der Kritik, bei der mehr als 450 Menschen verletzt wurden. Die knapp tausend Demonstranten versammelten sich in Urumqi in der Nähe des Sitzes der Provinzregierung. Sie forderten die Freilassung eines Han-Chinesen, der bei den Protesten von der Polizei abgeführt wurde. Einige Demonstranten verlangten den Rücktritt des Chefs der Kommunistischen Partei in Xinjiang, Wang Lequan.
Rätselhafte Angriffe mit Injektionsspritzen
Hunderten herbeigerufenen Sicherheitskräften gelang es nach etwa einer Stunde, die Menge zu zerstreuen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua trieb die Polizei die Teilnehmer einer zweiten Kundgebung mit etwa tausend Teilnehmern mit Tränengas auseinander. Die Behörden in Urumqi gerieten wegen einer Reihe von Anschlägen mit Stichwaffen oder Injektionsspritzen unter Druck, bei denen in den vergangenen Wochen nach offiziellen Angaben mehr als 450 Menschen verletzt wurden. Medien berichteten unter Berufung auf die Polizei sogar von 531 Attacken.
Laut Xinhua ist unklar, ob die Spritzen etwas enthielten. Bislang sei jedoch niemand vergiftet oder infiziert worden. Im Zusammenhang mit den Angriffen wurden 21 Verdächtige festgenommen, die Attacken dauern nach Angaben von Opfern aber an. Chinas Polizeiminister Meng Jianzhu warf "muslimischen separatistischen Kräften" vor, für die Spritzen-Attacken verantwortlich zu sein. Sie hätten die Angriffe "geplant und geführt", ihr Ziel sei es, die "ethnische Einheit" zu schädigen, sagte Jianzhu in Urumqi. Die Attacken seien die Fortführung der Gewalt Anfang Juli, als bei schweren Zusammenstößen zwischen Uiguren und Han-Chinesen knapp 200 Menschen starben.
Uiguren von Han-Chinesen beschuldigt
Die muslimische Minderheit der Uiguren fühlt sich von den Han-Chinesen unterdrückt. Eine am Freitag mit einer Spritze attackierte Han-Chinesin beschrieb den Angreifer als Uiguren. Es sei ihr ein Rätsel, warum der Mann den Sicherheitskräften nach dem Angriff in der Nähe eines Krankenhauses habe entwischen können, sagte die 21-jährige Liu Yan.
Auch ein 52-jähriger Uigure wurde nach eigenen Angaben am Donnerstag mit einer Spritze in den Rücken gestochen. Den Täter beschrieb der Mann als "jugendlichen Uiguren". Andere Opfer äußerten die Vermutung, dass die Spritzen zweckentfremdet wurden, weil die Behörden nach den gewaltsamen Unruhen vom Juli den Waffenbesitz erschwerten. Auf den Straßen der Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern waren am Freitag teilweise bewaffnete Sicherheitskräfte postiert, nachdem am Vortag zehntausende Menschen wegen der Anschläge einen besseren Schutz der Bevölkerung gefordert hatten.
Nach den neuen Protesten sperrte die Polizei die zum zentralen Platz der Hauptstadt führenden Straßen ab. An wichtigen Durchfahrtstraßen wurden Sperren errichtet, große Versammlungen wurden untersagt. Zwei größere Moscheen wurden für das Freitagsgebet gesperrt. Der lokale Parteichef Wang rief die Menschen in einer Erklärung zur Ruhe auf.
(AFP, N24)
04.09.2009 16:39 Uhr








