Tüfteln und Probieren

"Ideen-Expo" in Hannover

Mit fliegendem Besen gegen den Expertenmangel: Auf 60.000 Quadratmetern können sich Spezialisten von morgen austoben. Politik und Wirtschaft wollen so den Nachwuchs wieder für Technik begeistern.

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In einem Flugsimulator steuert der 13 Jahre alte Lukas in Hannover den Flughafen Braunschweig-Waggum an.
Vom 30.10. bis 2.11. 2008 öffnet die Erfindermesse in Nürnberg ihre Pforten - und das schon zum 60. Mal. Eine dort gezeigte Neuheit: Das "Light Inside" - endlich eine diebstahlsichere Fahrradlampe, da sie in den Lenker integriert ist.
Eine Verbindung des "Light Inside" mit diesem Blinker - und schon hat man das perfekte und verkehrssichere Fahrrad.
"Must have" für alle Partys: Aus dieser Kanne können mindestens zwei Getränke gleichzeitig serviert werden - sowohl erfrischend kühle als auch entspannend warme.
Unter anderem werden bei der diesjährigen Erfindermesse auch "Kleingebäckplotter", ...
... das "Box-Musik-Instrument Vimmba", das jedes Fitnessstudio in individuellen Klang verwandelt, ...
... Multifunktionssägen für Hecken und Bäume und sogar ...
... dieses wunderbare Fußheber- und Fußsenkungsgerät (kurz "FuHeSe") von den Erfindern präsentiert.
Dieser Herr präsentiert sein Grillsystem namens "Braternoster". Das Grillgut wird in Bratkörben in einem Rotationssystem beidseitig von Bräunungsstrahlen gegrillt.
"Kinnriemen, der Leben rettet": Dieses Zugmesssystem vermeidet Strangulationsunfälle bei Kindern dadurch, dass der Helm anfangs verschlossen bleibt und sich erst bei anhaltendem Zug öffnet.
Auch mit dabei: Die ausklappbaren Flossen-Schuhe. Ob Groß oder Klein, jeder darf seine Erfindungen auf der Produktneuheiten-Messe präsentieren. Ist Ihnen noch nichts eingefallen? Doch? Na, dann nichts wie auf nach Nürnberg.
Der Tag der Erfinder will, ...
... Mut machen zu eigenen Ideen, ...
… erinnern an vergessene Erfinder, deren Gegenstände wir täglich benutzen, …
… erinnern an die großen Erfinder, die Wohlstand und soziale Sicherheit gebracht haben!
Doch was hat bitte schön diese Dame mit Erfindern zu tun?
Diese Dame ist Hedy Lamarr, geborene Hedwig Kiesler, eine Hollywood-Diva und Erfinderin.
Als Gegnerin des Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg (Archivfoto vom 10. Nov 1938, Hannover) stellte sie sich auf die Seite der Alliierten und entwickelte eine 1942 patentierte Funkfernsteuerung …
… für Torpedos. Das Verfahren wurde jedoch nicht vom US-Militär umgesetzt.
Dafür wird der gleichzeitige Frequenzwechsel heute in der Kommunikationstechnik eingesetzt, z.B. bei Bluetooth-Verbindungen.
Keine Edison, aber ein Prototyp des Erfinders, weil sie eine Idee hatte und diese umzusetzen versuchte.
Hedy Lamarr zu Ehren, wird am 9.November - ihrem Geburtstag - jährlich der Tag der Erfinder gefeiert, stellvertretend für alle kleinen Erfinder die die Welt bereichern.
Ob von der „Knoff-Hoff-show“-inspiriert, …
Daniel Düsentrieb nachgeeifert, …
… den technischen Sensationen von James Bond folgend, …
… oder einfach mal Mc Gyver spielend:
Die Welt ist voller Ideen, sogar Harry Potter dient als Inspiration.
Kommen wir zu den wirklich nützlichen Erfindungen dieser Welt. Ob das Rad, …
… das Zweirad, …
… oder ein praktisches Rad:
Wir genießen den Komfort und danken den Erfindern.
Thomas Alva Edison bereicherte uns mit der Glühbirne …
… und unter anderem mit dem Tonfilm, …
… der uns bis heute an gemütlichen Abenden, spannungsgeladene Filme ermöglicht.
Oder stellen sie sich bei einem Knochenbruch ärztliche Hilfe ohne Röntgen vor!
Conrad Röntgen ist Kronzeuge für die Art der zufälligen Entdeckung.
Fasziniert von den Möglichkeiten dieser Welt …
… und der Leidenschaft, den Dingen auf den Grund zu gehen:
Fordert dieser Tag uns auf, zur Diskussion und Mitarbeit um unsere Zukunft zu gestalten.

Mit diesem Besen kann man zwar nicht fliegen, aber er fegt den Klassenraum fast von allein. Lennart Jakob vom Göttinger Hainberg-Gymnasium präsentiert stolz das aus zwei Bürsten und einer Steuerungseinheit bestehende Gerät, das er mit einer Fernsteuerung durch die Messehalle flitzen lässt. Das Schüler-Projekt ist eines von etwa 400 Mitmach-Exponaten auf der Ideen-Expo, die am Samstag in Hannover eröffnet wurde.

Ausprobieren und Mitmachen stehen bei der Technik-Schau im Mittelpunkt: Die jungen Besucher können sich unter anderem selbst einen Schlüsselanhänger fräsen oder einen Automaten ausprobieren, der frische Kartoffelchips ausspuckt. Die Veranstaltung ist eine Initiative von Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Hauptsponsoren sind große Industriekonzerne.

Die fürchten ebenso wie andere deutsche Unternehmen einen zunehmenden Fachkräftemangel, der durch den Geburtenrückgang noch verstärkt wird. Dieser Mangel an Experten wird besonders in den Fächern Mathematik, Ingenieurwissenschaft, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu spüren sein, wie eine aktuelle Studie des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft ergeben hat: Demnach wird die Expertenlücke bis zum Jahr 2020 auf insgesamt rund 230.000 ansteigen.

200.000 Besucher erwartet

Die Wirtschaft will mit der Ideen-Expo dagegensteuern und junge Menschen für technische und naturwissenschaftliche Ausbildungen begeistern. "Wenn wir zu wenig Techniker und Ingenieure haben, werden die Autos künftig woanders produziert", mahnte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei der Eröffnung am Samstag. Der CDU-Politiker nahm sich bei einem Rundgang über die Ausstellung gemeinsam mit seiner Parteikollegin, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, viel Zeit für die einzelnen Stände.

Bei den Besuchern, die sich in Massen durch die Messehalle drängen, kommt das Konzept gut an. "Ich finde es richtig super. Man kann an jedem Stand etwas ausprobieren", meint der 13-jährige Lukas Großkopf, der sich gerade aus einem Flugsimulator gezwängt hat. Auf dem Stand des Braunschweiger Instituts für Flugführung hat er die Landung mit einer einmotorigen Maschine geübt. Der Realschüler ist eigens aus Ganderkesee (Kreis Oldenburg) in die Landeshauptstadt zur Ideen-Expo gekommen.

Zum ersten Mal fand die Messe vor zwei Jahren statt. In diesem Jahr wurde die Ausstellungsfläche auf insgesamt 60.000 Quadratmeter verdreifacht. Die Veranstalter erwarten bis zum 13. September rund 200.000 Besucher. Auch in zwei Jahren soll wieder eine Ideen-Expo in Hannover stattfinden, wie Wulff ankündigte.

Neben verschiedenen Firmen stellen auf der Ideen-Expo auch Schüler ihre Projekt wie den ferngesteuerten Besen vor. Insgesamt 120 Schulen hatten sich an einem Wettbewerb beteiligt. Die zwölf kreativsten Teams dürfen ihre Ideen nun präsentieren. Nachwuchsforscher Lennart Jakob hat das Tüfteln Spaß gemacht, wie er erzählt: "Vor allem wird es jetzt noch mehr Spaß machen, wenn wir unseren Klassenraum nicht mehr selber fegen müssen." Über seine Berufswahl hat sich der Zwölfjährige aus Göttingen schon Gedanken gemacht. Der Gymnasiast würde später gern in die Raumfahrt gehen: "Als Forscher oder auch als Astronaut."

(Sebastian Knoppik, dpa, N24)

06.09.2009 08:32 Uhr

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