Mit fliegendem Besen gegen den Expertenmangel: Auf 60.000 Quadratmetern können sich Spezialisten von morgen austoben. Politik und Wirtschaft wollen so den Nachwuchs wieder für Technik begeistern.
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Mit diesem Besen kann man zwar nicht fliegen, aber er fegt den Klassenraum fast von allein. Lennart Jakob vom Göttinger Hainberg-Gymnasium präsentiert stolz das aus zwei Bürsten und einer Steuerungseinheit bestehende Gerät, das er mit einer Fernsteuerung durch die Messehalle flitzen lässt. Das Schüler-Projekt ist eines von etwa 400 Mitmach-Exponaten auf der Ideen-Expo, die am Samstag in Hannover eröffnet wurde.
Ausprobieren und Mitmachen stehen bei der Technik-Schau im Mittelpunkt: Die jungen Besucher können sich unter anderem selbst einen Schlüsselanhänger fräsen oder einen Automaten ausprobieren, der frische Kartoffelchips ausspuckt. Die Veranstaltung ist eine Initiative von Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Hauptsponsoren sind große Industriekonzerne.
Die fürchten ebenso wie andere deutsche Unternehmen einen zunehmenden Fachkräftemangel, der durch den Geburtenrückgang noch verstärkt wird. Dieser Mangel an Experten wird besonders in den Fächern Mathematik, Ingenieurwissenschaft, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu spüren sein, wie eine aktuelle Studie des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft ergeben hat: Demnach wird die Expertenlücke bis zum Jahr 2020 auf insgesamt rund 230.000 ansteigen.
200.000 Besucher erwartet
Die Wirtschaft will mit der Ideen-Expo dagegensteuern und junge Menschen für technische und naturwissenschaftliche Ausbildungen begeistern. "Wenn wir zu wenig Techniker und Ingenieure haben, werden die Autos künftig woanders produziert", mahnte Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei der Eröffnung am Samstag. Der CDU-Politiker nahm sich bei einem Rundgang über die Ausstellung gemeinsam mit seiner Parteikollegin, Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, viel Zeit für die einzelnen Stände.
Bei den Besuchern, die sich in Massen durch die Messehalle drängen, kommt das Konzept gut an. "Ich finde es richtig super. Man kann an jedem Stand etwas ausprobieren", meint der 13-jährige Lukas Großkopf, der sich gerade aus einem Flugsimulator gezwängt hat. Auf dem Stand des Braunschweiger Instituts für Flugführung hat er die Landung mit einer einmotorigen Maschine geübt. Der Realschüler ist eigens aus Ganderkesee (Kreis Oldenburg) in die Landeshauptstadt zur Ideen-Expo gekommen.
Zum ersten Mal fand die Messe vor zwei Jahren statt. In diesem Jahr wurde die Ausstellungsfläche auf insgesamt 60.000 Quadratmeter verdreifacht. Die Veranstalter erwarten bis zum 13. September rund 200.000 Besucher. Auch in zwei Jahren soll wieder eine Ideen-Expo in Hannover stattfinden, wie Wulff ankündigte.
Neben verschiedenen Firmen stellen auf der Ideen-Expo auch Schüler ihre Projekt wie den ferngesteuerten Besen vor. Insgesamt 120 Schulen hatten sich an einem Wettbewerb beteiligt. Die zwölf kreativsten Teams dürfen ihre Ideen nun präsentieren. Nachwuchsforscher Lennart Jakob hat das Tüfteln Spaß gemacht, wie er erzählt: "Vor allem wird es jetzt noch mehr Spaß machen, wenn wir unseren Klassenraum nicht mehr selber fegen müssen." Über seine Berufswahl hat sich der Zwölfjährige aus Göttingen schon Gedanken gemacht. Der Gymnasiast würde später gern in die Raumfahrt gehen: "Als Forscher oder auch als Astronaut."