Sechs Niederlagen in Folge - und die Hertha-Verantwortlichen haben die Notbremse gezogen. Lucien Favre ist nicht mehr Trainer der Berliner. Sie sind Tabellenschlusslicht der 1. Fußball-Bundesliga.
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Trainerwechsel in der Hauptstadt: Die Uhr von Trainer Lucien Favre bei Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin ist abgelaufen. Der Klub teilte mit, dass "das Trainerteam Lucien Favre und Harald Gämperle mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden" sei. Das Training der Bundesliga-Mannschaft wird interimsmäßig von Herthas U23-Coach Karsten Heine geleitet.
Die Mannschaft hatte am Sonntag beim 1:5 in Hoffenheim zum sechsten Mal in Folge in der Bundesliga verloren und steht seit dem 6. Spieltag auf dem letzten Tabellenplatz. Montagmittag hatte der Verein eine Krisensitzung abgehalten. Dort wurde die Trennung vom einstigen Wunschtrainer beschlossen. Der 51 Jahre alte Favre, der im Juni 2007 vom FC Zürich an die Spree gewechselt war, besaß bei der "Alten Dame" einen Vetrag bis 2011.
Meyer oder Röber?
Heine wird die Mannschaft wohl auch in den wichtigen Spielen am Donnerstag in der Europa League bei Sporting Lissabon (21.05 Uhr/live bei Sat.1) sowie am Sonntag im Bundesliga-Heimspiel gegen den Hamburger SV (17.30 Uhr/live bei Sky) betreuen. Fraglich blieb, wer Favre langfristig ersetzen soll. Neben Heine sind auch die beiden ehemaligen Hertha-Trainer Jürgen Röber und Hans Meyer Kandidaten.
Schlechtes Klima im Team
Neben der sportlichen Krise war offenbar auch das gestörte Verhältnis von Favre zur Mannschaft ein Grund für die Trennung. Spielern wie Arne Friedrich wurde zuletzt offenbar vorgeworfen, sie würden gegen den Trainer spielen. Co-Trainer Harald Gämperle meckerte am Montag: "Es kann nicht sein, dass einige Spieler hinter dem Rücken Politik machen. Wenn einige Akteure zwei-, dreimal hintereinander so schlecht spielen, dann muss man sich schon fragen, welche Interessen die Spieler haben."
Beim 1:5 in Hoffenheim hatte die Mannschaft ein Bild des Jammers abgegeben. Die Abwehr schaute bei den Gegentoren zu, das Mittelfeld verlor die Zweikämpfe, und vom Sturm ging keine Gefahr aus. Hoffenheims Josip Simunic, im letzten Jahr noch Herthas Abwehrchef, musste sich nach seiner Auswechslung zur Halbzeit wegen einer Wadenverletzung die Frage gefallen lassen, ob er aus Mitleid mit seiner alten Mannschaft vom Platz gegangen war.
Favre hatte sich am Sonntagabend zunächst kämpferisch gegeben: "ch werde weitermachen", hatte der Coach gemeinte. Seine Aussagen klangen längst schon wie Durchhalteparolen. Zudem machte der Ex-Profi in der Krise keine gute Figur. Nach dem Abpfiff in Hoffenheim versammelte er seine Spieler 40 Minuten in der Kabine. Dabei soll jedoch kaum gesprochen worden sein. Als die Spieler anschließend in die `Freiheit" entlassen wurden, verweigerten sie jegliche Aussagen. Ein offensives Krisenmanagement wäre in dieser Situation angebrachter gewesen.
Im Juni 2007 war Favre als "Wunschtrainer" des damaligen Hertha-Managers Dieter Hoeneß aus der Schweiz nach Berlin gekommen. Mit dem FC Zürich war er zuvor zweimal Meister geworden. In seinem ersten Jahr belegte der Ex-Profi mit Hertha den zehnten Platz. Im zweiten Jahr spielte sein Team lange um den Titel, ehe man als Vierter Meisterschaft und Champions League verpasste.