Faszinierendes Spektakel
"Riesen"-Freude am Tag der Einheit
Wiedervereinigung am Brandenburger Tor: Beim Mauerfall vor 20 Jahren fielen sich dort Ost- und Westdeutsche in die Arme. Am Tag der Deutschen Einheit spielten jetzt zwei "Riesen" das Ereignis nach.
Wiedervereinigung der Riesen unter dem Brandenburger Tor: Zwei gigantische Marionetten sind sich zum Tag der Deutschen Einheit vor dem Brandenburger Tor in die Arme gefallen. Zehntausende bejubelten das Theater-Spektakel, das das glückliche Wiedersehen eines Onkels und seiner Nichte nach langer Trennung inszenierte.
Dabei wirkten die aus Holz, Stahl und Schrott zusammengebauten Puppen tatsächlich lebensecht, wenn sie ihre ferngesteuerten Augen über die kleinen Menschen zu ihren Füßen schweifen ließen, mit den Wimpern klimperten und sich ihre Brust wie atmend hob und senkte.
Behutsam nahm der in einem Taucheranzug steckende Große Riese an Berlins Wahrzeichen die Kleine Riesin nach langer Trennung in die Arme. Langgezogene "Ah!" und seufzende "Oh!" waren im dicht gedrängt stehenden Publikum zu hören. Die Frage, ob das nun Kitsch oder Kunst sei, trat da gänzlich in den Hintergrund.
Zweitägige Odyssee
Erstmals waren die meterhohen Puppen in Deutschland zu sehen. An jeweils einem Punkt in Ost und West gestartet, fanden sich Onkel und Nichte nach zweitägiger Odyssee durch Berlin wieder. In der fantastischen Theaterversion des 55-jährigen Regisseurs Jean Luc Courcoult waren Meeresungeheuer für die Trennung der Figuren verantwortlich. Wenn auch die leicht krude Geschichte nicht ganz überzeugte, waren doch die Puppen schon Kunstwerke für sich.
Allein 50 Pferdeschweife wurden für die Perücke der Kleinen Riesin mit der gelben Regenjacke verarbeitet. Ihre Augen sind Glaskörper aus Straßenlaternen, ihre Wimpern bestehen aus Besenhaar. Auf einem Feldhäcksler befestigt bewegte sie sich mit 2,5 Kilometern in der Stunde durch die Stadt. Auf einer Metallkonstruktion hinter der Puppe saßen Helfer der insgesamt 200 Mann starken Theatergruppe und lenkten per Seil und ausgeklügelter Mechanik die überraschend geschmeidigen Bewegungen der Figur.
"Den Menschen Träume schenken"
Ganz langsam hatte sich der Große Riese am Samstagmorgen aus dem Wasser am Humboldthafen erhoben. Er hat Schuhgröße 237 und trug für seinen Berliner Auftritt eine Taucherglocke auf dem Kopf. "Ich schenke den Menschen Träume, das ist alles", hatte Courcoult seine Inszenierung erklärt. "Das hier ist eine Geschichte fürs Herz und zugleich eine Geschichte über die Menschheit", so der Regisseur.
"Auch ohne Sprache hat die Geschichte von Trennung und Wiedersehen eine Poesie, die allgemeinverständlich ist und die vielleicht mehr in Erinnerung bleibt, als jede politische Rede", sagte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) laut vorab verbreitetem Redetext.
Wiedersehen am Sonntag
Auch am Sonntag sind die Riesen noch einmal in der Stadt unterwegs. Nachdem sie die Nacht auf dem Pariser Platz verbracht haben, verteilen sie auf der Straße des 17. Juni Kopien von Briefen, die einst die DDR-Staatssicherheit abfing und die ihre Empfänger teils nie erreichten.
(dpa, AP, N24)
04.10.2009 11:34 Uhr






8. Mai 1945

