Nobelpreis für Obama

So reagiert die Welt

Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis 2009. Die Weltgemeinschaft gratuliert. Viele sehen in dem Preis eine Verpflichtung für Obama. Es gibt aber auch kritische Stimmen.

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Nelson Mandela, südafrikanischer Nobelpreisträger: "Wir hoffen, dass dieser Preis sein Engagement stärken wird, als Staatschef der mächtigsten Nation der Erde weiter den Frieden und die Ausmerzung der Armut zu propagieren."
Lech Walesa, polnischer Friedensnobelpreisträger: "So schnell? Zu schnell. Wir werden sehen, ob er ausharrt und das tut, was er vorgeschlagen hat."
Angela Merkel, Bundeskanzlerin: "Es ist ihm in kurzer Zeit gelungen, weltweit einen neuen Ton zu setzen und Gesprächsbereitschaft zu schaffen. Er hat ein Fenster der Möglichkeiten geöffnet."
Horst Köhler, Bundespräsident: "Ich freue mich, dass Ihr Engagement für die friedliche Zusammenarbeit zwischen Staaten und Völkern durch die Verleihung dieser hohen Auszeichnung verdiente Anerkennung und Würdigung findet."
José Manuel Barroso, EU-Kommissionspräsident: "Der Preis ist eine Anerkennung für die von Obama geweckten Erwartungen, dass er globale Antworten auf globale Herausforderungen suchen wird."
Silvio Berlusconi, italienischer Ministerpräsident: "Wir haben davon während der Ministerratssitzung erfahren und Obama mit Überzeugung applaudiert."
Robert Gibbs, Sprecher des Weißen Hauses, in einer E-Mail an US-Fernsehsender: "WOW!" - mehr nicht.
Nicolas Sarkozy, französischer Präsident: "Es wird damit Ihrer Vision der Toleranz und des Dialogs der Staaten, Kulturen und Zivilisationen gerecht. Es ehrt schließlich die Rückkehr Amerikas in die Mitte aller Völker der Erde."
Ghassan Chatib, Sprecher der palästinensischen Autonomiebehörde (im Bild: Mahmud Abbas, Palästinenserpräsident): "Ich hoffe, dass der Preis ein zusätzlicher Ansporn für Präsident Obama ist, noch härter für einen Frieden in unserer Region zu arbeiten."
Schimon Peres, israelischer Präsident: "Nur sehr wenige Führer haben es geschafft, die Stimmung in der gesamten Welt in solch kurzer Zeit zu verändern. Sie haben uns die Lizenz zum Träumen und zum Handeln in in eine noble Richtung gegeben."
Sabihullah Mudschahid, Taliban-Sprecher: "Wir verurteilen den diesjährigen Preis als ungerecht. Obama hat in Afghanistan keinen einzigen Schritt in Richtung Frieden unternommen. Wir haben in seiner Friedensstrategie keinen Wechsel wahrgenommen."
Hamid Karsai, afghanischer Präsident: "Seine harte Arbeit und seine neue Vision für die globalen Beziehungen, sein Wille, weltweiten Frieden zu schaffen, machen ihn zum angemessenen Empfänger des Friedensnobelpreises."
Wangari Maathai, kenianische Friedensnobelpreisträgerin und Umweltschützerin: "Obama ist eine Inspiration."
Yukio Hatoyama, japanischer Regierungschef: "Wir teilen Präsident Obamas Ziel einer nuklearen Abrüstung und schätzen seine Führerschaft hoch."
Jens Stoltenberg, norwegischer Ministerpräsident: "Der Preis kommt nicht zu früh. Es ist spannend, wenn er an jemanden geht, der mitten in der Verantwortung steht und etwas durchzusetzen hat."
Franz Müntefering, SPD-Chef: "Mit dieser außerordentlichen Würdigung wird zu Recht Ihr Engagement für mehr Völkerverständigung als großes Ziel Ihrer Präsidentschaft hervorgehoben."
Guido Westerwelle, FDP-Chef: "Dieser Friedensnobelpreis ist weniger die Auszeichnung für bereits Erreichtes, sondern eine Rückenstärkung für eine Politik, die auf Kooperation statt Konfrontation und auf Abrüstung statt Aufrüstung setzt. "
Renate Künast und Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzende der Grünen: "Der Preis ist ein Signal des Aufbruchs. Die Enstcheidung des Osloer Komitees ist auch eine Aufforderung, jetzt mit diesem Strategiewechsel beherzt weiterzumachen."
Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister Berlins: "Ich sehe in dieser Auszeichnung eine Verpflichtung zu einer an Toleranz und Offenheit ausgerichteten Politik."
Christian Wulff, Ministerpräsident Niedersachsens: "Barack Obama hat bewiesen, Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft und Nation ins Gespräch und zu größerer Toleranz zu bringen: Er ist ein empathischer und würdiger Friedensnobelpreisträger."
Mohammed el Baradei, Chef der IAEA: "Mir fällt niemand ein, der diese Ehre mehr verdient hätte. In weniger als einem Jahr im Amt hat er es geschafft, die Hoffnung auf eine Welt, die mit sich selbst in Frieden ist, wiederaufleben zu lassen."
Morgan Tsvangirai, simbabwischer Ministerpräsident: "Er hat den Preis verdient."
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Damit hat niemand gerechnet: US-Präsident Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis 2009. Das Osloer Komitee würdigt damit seine "außergewöhnlichen Bemühungen um eine Stärkung der internationalen Diplomatie und um Zusammenarbeit zwischen den Völkern".
Damit kommt Barack Obama (im Bild mit First Lady Michelle) schon ein Jahr nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt der USA zu höchsten Weihen. Dabei ist eine anschließende Bilanz seiner Amtszeit noch nicht möglich. Doch der ...
... fünfköpfige Nobelpreisausschuss begründet den Schritt damit, dass eine Person selten so viele Hoffnungen auf Frieden geweckt habe. Zudem habe seine Vision für eine atomwaffenfreie Welt die Entscheidung beeinflußt.
Barack Obama wird es gut tun. Hat er doch derzeit innenpolitisch mächtig zu kämpfen. Der Glanz der ersten Wochen ist dahin und sein Mammutprojekt Gesundheitsreform stottert gewaltig. Zu ungewöhnlich ist das Vorhaben für US-amerikanisches Empfinden.
Doch ungewöhnliche Maßnahmen passen ins Bild eines ungewöhnlichen Präsidenten. Barack Obama ist der erste schwarze Staatslenker Amerikas. In seinem Land gilt er als Symbol für die Hoffnung, Rassendiskriminierungen ein Ende zu bereiten. Und vor allem ...
... gilt er in der Welt und bei seinen Landsleuten als Gegenentwurf zu seinem umstrittenen Vorgänger, dem republikanischen Hardliner George W. Bush. Seine liberale Einstellung ist sicherlich auch der Biografie Obamas zu verdanken.
Barack Obama wird 1961 als Barack Hussein Obama Jr. auf Hawaii geboren. Seine Mutter Stanley Ann Dunham und sein Vater Barack Obama haben sich an der Universität von Hawaii kennengelernt.
Obamas Großeltern kümmern sich rührend um den Familiennachwuchs. Hier spielt der kleine Barack Obama mit seinem Großvater am Strand.
Barack Obamas Eltern lassen sich 1963 scheiden. Seine Mutter heiratet erneut. Mit dem späteren Ölmanager ging die kleine Familie nach Indonesien.
In dieser Schule in Indonesien drückt Barack Obama die Schulbank.
1971 kommt Barack Obama nach Hawaii zurück, wo er von seinen Großeltern aufgezogen wird. 1979 legt er seinen Highschool-Abschluss ab.
Nach zwei Jahren am Occidental College in Los Angeles zieht es Barack Obama 1981 an die Columbia-Universität in New York, wo er einen Abschluss in Politikwissenschaften erlangt.
Nach kurzer Tätigkeit für eine Wirtschaftsberatungsgesellschaft geht Obama nach Harvard. An der Harvard Law School macht er 1991 seinen Doktor der Rechtswissenschaft „mit großem Lob“.
In Harvard lernt Barack Obama seine spätere Ehefrau Michelle Robinson kennen. Später wächst die Familie mit der Geburt der beiden Töchter Malia (*1999) und Sasha (*2001).
Seit 1992 engagiert sich Obama als Landespolitiker des Bundesstaates Illinois, wo er 1996 in den Senat gewählt wurde. Im Jahr 2000 strebt Obama den Gang ins US-Repräsentantenhaus an, unterliegt in den Vorwahlen jedoch seinem Kontrahenten Bobby Lee Rush.
2004 zieht Barack Obama in den US-Senat ein. Gleichzeitig unterstützt er den damaligen Präsidentschaftsbewerber John Kerry bei dessen Wahlkampf.
Am 10. Februar 2007 verkündet Barack Obama in Springfield (Illinois) unter großem Jubel erstmals seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur.
Seine Gegner bei den Vorwahlen sind Hillary Clinton und John Edwards. Edwards gibt sich am 30. Januar 2008 bereits frühzeitig geschlagen.
Als harte Gegnerin erweist sich jedoch Hillary Clinton, die frühere First Lady. Bis zum Ende der Vorwahlen hält sie an ihrer Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten fest.
Obwohl längst chancenlos, gibt Clinton erst am 7. Juni offiziell ihren Rückzug bekannt. Gleichzeitig versichert sie Obama ihre volle Unterstützung.
Obamas Gegner zum Wahltag am 4. November 2008 heißt nun John McCain. Auch wenn die beiden Kontrahenten in Wahlumfragen lange gleichauf liegen, unterliegt McCain. Zu groß ist der Wunsch der Amerikaner nach "Change", dem Schlüsselwort Obamas Kampagne.
Am 20. Januar 2009 tritt Barack Obama sein Amt an. Die sehr frühe Ehrung des Nobelpreiskomitees ist Segen und Fluch zugleich. Denn letzten Endes ist sie auch Verpflichtung, die ausgerufenen Ziele zu erreichen.
"Das ist die Bedeutung unserer Freiheit und unserer Überzeugungen - der Grund dafür, dass Männer und Frauen und Kinder jeder Rasse und jedes Glaubens hier bei dieser Feier sind ...
... und dafür, dass ein Mann, dessen Vater vor weniger als 60 Jahren in einem Restaurant hier vielleicht nicht bedient worden wäre, ...
... jetzt vor Ihnen stehen kann, um diesen heiligen Eid zu sprechen." (in seiner Antrittsrede in Washington am 20. Januar)
"Heute sage ich Ihnen, dass die Herausforderungen, denen wir uns gegenübersehen, real sind. Sie sind schwerwiegend ...
... und zahlreich. Sie werden nicht leicht und nicht in kurzer Zeit zu bewältigen sein. Aber wisse Amerika: Wir werden sie meistern." (am 20. Januar)
"An die muslimische Welt: Wir suchen einen neuen Weg nach vorn, der auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigem Respekt aufbaut." (in der Antrittsrede am 20. Januar)
"Ich weigere mich, unseren Kindern Schulden zu überlassen, die sie nicht zurückzahlen können." (auf einem "Etatgipfel" im Weißen Haus am 23. Februar angesichts gigantischer Staatsschulden)
"Wenn Länder wie der Iran bereit sind, ihre Faust zu öffnen, werden sie unsere ausgestreckte Hand finden." (in einem Interview des arabischsprachigen TV-Senders Al-Arabija am 26. Januar)
"Das ist beschämend." (zu milliardenschweren Bonus-Zahlungen an Manager von in Not geratenen Banken am 29. Januar in Washington)
"Der heutige Tag markiert nicht das Ende unserer Wirtschaftsprobleme, aber er markiert den Anfang vom Ende." (unmittelbar vor der Unterzeichnung des milliardenschweren Konjunkturpakets am 17. Februar)
"Wir werden uns wieder erholen, und die USA werden stärker sein als zuvor." (vor dem Kongress am 24. Februar)
"Wir lebten in einer Ära, in der zu oft kurzfristige Gewinne höher geschätzt wurden als langfristiges Wachstum." (am 24. Februar)
"Nein." (Zur Frage, ob die USA derzeit den Krieg in Afghanistan gewinnen. Interview mit der "New York Times" vom 8. März)
"Ejde Schoma Mobarak." (Neujahrsgruß Obamas auf persisch, in einer Video-Botschaft am 20. März)
"Wir müssen ein Ende machen mit rücksichtsloser Spekulation und Ausgaben, die über unsere Mittel gehen; ...
... mit faulen Krediten, mit überschuldeten Banken und fehlender Aufsicht." (in einem Positionspapier in der Tageszeitung "Die Welt" vom 23. März)
"Wir sind in Afghanistan, um die Operationen von El Kaida zu stören, zu stoppen und sie zu besiegen." (am 27. März in Washington)
"Ich übernehme die Verantwortung, auch wenn ich damals noch gar nicht Präsident war." (auf dem G20-Gipfel in London laut "Spiegel" zur Finanzkrise, im Bild: Obama (v.l.n.r.) mit Italiens Ministerpräsident Berlusconi und Russlands Präsident Medwedew)
"Das Angebot lautet: Länder mit Nuklearwaffen rüsten ab, Länder ohne Atomwaffen streben nicht nach ihnen, und alle Länder ...
... können Zugang zur friedlichen Nutzung von Atomenergie bekommen." (am 5. April in Prag)
"Lasst mich das so klar wie nur möglich sagen: Die USA sind nicht in einem Krieg mit dem Islam, und werden es nie sein." (vor dem türkischen Parlament am 6. April)
Nelson Mandela, südafrikanischer Nobelpreisträger: "Wir hoffen, dass dieser Preis sein Engagement stärken wird, als Staatschef der mächtigsten Nation der Erde weiter den Frieden und die Ausmerzung der Armut zu propagieren."

(N24)

09.10.2009 15:47 Uhr

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